2.2.4. Wissen from now on vom Wissen so far

Unser Weltbild enthält vieles, was gar nicht existiert; nein: vieles, woran wir nicht glauben; Einhörner, Nymphen und Zwerge beispielsweise.

„Und da Sie die Welt ablehnen, können Sie den umgekehrten Überschuß wohl nicht einmal denken:

Es gibt auch vieles, was wir noch nicht wissen und was somit auch nicht zu unserem Weltbild gehören kann.“

Nennen Sie mir bitte einmal ein Beispiel für diesen „umgekehrten Überschuß“.

„Wir wissen zum Beispiel noch nicht genau, ob es dunkle Energie gibt und worin genau sie besteht.“

Das sind offene Fragen innerhalb unseres Weltbilds, die nichts mit einer angeblichen Welt zu tun haben. So wie sie nur sagen können, daß es keine Einhörner, Nymphen und Zwerge gibt, weil sie diese aus Ihrem Weltbild kennen, können Sie auch nur aus eben diesem Grund nach der dunklen Energie fragen.

Kennen wir X – und sagen also nicht einfach „blablabla“ –, dann muß X zu unserem Weltbild gehören; unabhängig davon, was wir von X wissen oder nicht wissen; dafür bedarf es keiner Welt.

 

Ganz ohne Welt enthält unser Weltbild also sowohl Wissungen als auch deren Referenten.

Gäbe es jene, könnten wir Bereits-von-der-Welt-Gewußtes und Noch-nicht-von-der-Welt-Gewußtes unterscheiden.

Aber exakt diese Einteilung ist auch ohne Welt möglich; wir müssen dazu lediglich die nichtssagenden – weil hinterwäldlerischen – Worte „von-der-Welt“ streichen und erhalten dann Bereits-Gewußtes bzw. Nocht-nicht-Gewußtes.

Nun fehlt der Referent; aber der erste Ausdruck benötigt auch keinen, sondern besteht ganz einfach in unseren Wissungen als dem Gewußten.

Im zweiten Fall können wir nicht so vorgehen, weil Noch-nicht-Gewußtes ohne Referenten Alles-noch-nicht-Gewußte und damit (potentiell) unendlich oder ein Unbegriff wäre. Aber das ist kein Problem; hierbei ersetzen wir die Welt als Referenten durch unsere Wissungen und erhalten das Noch-nicht-von-den-Wissungen-Gewußte

 

Ich halte diese Überlegung für sehr stark und kann das auch so locker schreiben, weil ich sie Josef Mitterer in seinem „Jenseits der Philosophie“ verdanke.

Unsere Wissungen bilden bei ihm das Wissen so far.

Das Noch-nicht-von-den-Wissungen-Gewußte besteht im Wissen from now on.

Im Sprachspiel Mitterers gibt es Wissungen from now on von den Wissungen so far oder neue von alten Wissungen bzw. geerstmaligte von wiederholten. Mit der Zeit verschiebt sich die Grenze; das Wissen from now on wird immer wieder zum Wissen so far, und das gegenwärtige Wissen from now on, ist in der Zukunft Wissen so far, von dem wir dann from now on wieder wissen.

 

AD: „Jetzt verstehe ich erst, daß die Wissungen auch ohne Welt einen Referenten besitzen können!“

Ja; aber – und das ist ebenso wichtig – nur in dem Sinne, wie wir es bereits eingesehen hatten: Vorstellungen von Wissungen – und nichts anderem – sind auch nur Vorstellungen.