2.3.5. Meine eigene subjektive Welt

AD: „Ich traue mich fast nicht zu fragen; haben Sie möglicherweise noch einen zweiten Wittgensteinschen Leiter-Fehler begangen . . .?“

Ja; leider; es wahr falsch, die – Existenz jeglicher – Welt zu bestreiten!

Wir müssen das nachträglich einschränken auf diejenige Welt, für deren Erkenntnis ein Gott oder etwas Göttergleiches benötigt wird, das heißt, die objektive-reale Welt, die abgebildet werden kann bzw. muß

 

Aber – nun müssen Sie für sich selbst sprechen – ich kann nicht ernstlich bestreiten, daß zu mir Subjekt eine eigene, subjektive – eben: meine – Welt gehört.

Es wäre unsauber zu formulieren, jedes Subjekt hätte seine subjektive Welt; wir verstehen doch gar nicht, was „jedes Subjekt“ bedeuten soll, wenn das Außerhalb unseres Bewußtseins keine anderen Subjekte, sondern nur die Transzendenz umfaßt.

Die „logische Selbstverständlichkeit“, daß A, wenn es existiert und sich nicht in M befindet, non-M angehören muß, ist nur in unserem Weltbild evident und keineswegs zwingend auf die Transzendenz übertragbar.  

 

Welche Eigenschaften besitzt meine Welt und worin unterscheidet sie sich insbesondere von der traditionellen?

 

1. Ausnahmslos alle exakt-wissenschaftlichen Aussagen bleiben weiterhin richtig.

Das ist letztlich eine Binsenweisheit, denn sie sind doch das Ergebnis von wiederholbaren Experimenten. Dafür ist natürlich kein Gott erforderlich, sondern den braucht erst und nur, wer die exakt-wissenschaftlichen Aussagen als Abbildungen der traditionellen Welt behauptet.

Anschaulich gesprochen verbindet der Nous nicht uns mit der Wissenschaft, sondern diese mit der objektiven Welt; somit können wir bei all unseren exakten Wissungen bleiben.

 

2. In unserer Welt gibt es – im Gegensatz zur traditionellen – keine Subjekte.

Das war auch bereits klar; wir leben – mit oder anhand, aber – nicht in der Welt, sondern in Gott.

 

3. Die traditionelle Welt besteht aus Materie oder anderen Substanzen – und die unsrige?

Selbstverständlich gehören die Wahrnehmungen zur Welt; damit beenden wir die traditionelle Schwierigkeit, entscheiden zu müssen, ob es sich bei ihnen um Ur- oder Abilder handelt. 

Aber das kann nicht alles sein; von einer Welt können wir nur sinnvoll sprechen, wenn sie über die Aktualität der Wahrnehmungen hinausgeht. Worin?

Vielleicht könnte man mit den „Vorstellungen von möglichen Wahrnehmungen“ antworten wollen. Aber das muß falsch sein, denn bei ihnen handelt es sich auch nur um Vorstellungen, und die können nicht der Welt angehören. 

 

Wir versuchen es mit den Konsequenzen unserer Wahrnehmungen – mit ihnen selbst, und nicht mit den Vorstellungen davon.

Sehe ich meine Frau den Raum verlassen, muß sie sich nebenan befinden; zur Vorderseite gehört ein ganzes dreidimensionales Haus, das wir aktual nicht wahrnehmen; kommt Post, existiert notwendigerweise ein Absender; der Zauberer kann uns nur irritieren, weil er für uns eine Welt erzeugt, von der er dann zeigt, das sie nicht existiert; die Frau ist doch nicht zersägt – wie ich es als Konsequenz meiner Wahrnehmungen eigentlich erwartet hatte.

Meine subjektive Welt besteht also aus den eigenen Wahrnehmungen und ihren Konsequenzen.

 

4. Das Weltbild ist nach wie vor ein Bild von der Welt.

Es umfaßt drei verschiedene Arten von Vorstellungen; solche von den Wahrnehmungen bzw. ihren Konsequenzen sowie alle Vorstellungen, denen keine Referenten oder Vorgestellten in unserer Welt entsprechen. Sei es, weil wir absichtlich phantasieren oder das angeblich Vorgestellte nicht – als Teil der Welt – glauben.

 

5. An der Intersubjektivität ändert sich gar nichts; sie ist weiterhin eine der Begriffe bzw. des Weltbilds und muß unbewußt sein, weil sie natürlich in keinem subjektiven Weltbild in Erscheinung treten kann.

Traditionell ergab sich die Intersubjektivität en passant aus dem adäquaten Abbilden der objektiven Welt; bei uns zeigt sie sich dagegen nur untergründig in der mehr oder weniger begrenzten Möglichkeit unserer Verständigung.

 

AD: „Ich verstehe; wir können über alles sprechen – nicht was in der objektiv-realen Welt, sondern –, was in unseren beiden subjektiven Weltbildern enthalten ist; zum Beispiel über Yetis. Ob sie tatsächlich meiner Welt angehören, entscheide allein ich, und entsprechend Sie bei Ihrer subjektiven Welt.“

Sehr schön; traditionell führt der Denkweg von der einen Welt zu den – durch Fehler, differente Interessen oder Schwerpunke  – verschiedenen Weltbildern, und bei uns von letzteren zu den subjektiven Welten.