2.4. Die Genese des Weltbilds und der Signifikate

AD: „Was Sie jetzt zitiert haben, ‚Diese Wege zeigen sich erst im Ablauf seines Duchstreifens. Sie tauchen sozusagen auf . . .‘, ist natürlich schwer zu verstehen. Woher stammen die Wege, um sich auf einmal zeigen zu können?

Die Frage brennt mir schon lange auf den Nägeln; seit Sie von Gestalten sprechen.

 

Die Tradition geht von Seienden aus und betrachtet deren Sein häufig relativ unreflektiert als angeblich (selbst)verständliches Vorhanden-Sein.

Das verwerfen Sie als hinterwäldlerisch-leere Behauptung und ersetzen die Seienden durch Gestalten. Deren Sein ist kein unverstandenes Vorhanden-, sondern ein unmittelbares Gegeben- oder Bewußt-Sein.

Die traditionellen Wahrnehmungen gelangen angeblich durch das Abbilden der Seienden in das Bewußtsein; oben wollten Sie zeigen, daß diese Vorstellung mehr als problematisch ist. Aber ganz abgesehen davon stellt sich die entsprechende Frage doch auch bei uns und bedarf noch einer Antwort:

Wie kommen die Gestalten in unser Bewußtsein? Wenn Sie jetzt mit ‚Abbilden‘ anfangen, brauche ich nicht weiterzulesen . . .“

Ich werde mich hüten!

Es sollte deutlich werden, daß das Abbilden einen Unbegriff darstellt, völlig unabhängig davon, was angeblich abgebildet weren soll.

 

Was Sie gesagt haben, stimmt; mir hat besonders gefallen, wie Sie die zwei wichtigen Fragestellungen unterscheiden:

Zunächst geht es um das Sein; aus dem nichtssagenden Vorhanden- wird bei uns ein erlebtes Bewußt-Sein.

Damit bleibt jedoch hinsichtlich der Frage nach dem Woher der Seienden bzw. Gestalten alles offen; bei ersterem kann es uns auch gleichgültig sein, bei den Gestalten müssen wir klären, wie sie in unser Bewußtsein gelangen (können)

 

Sämtliche Wissungen gehören der „Zeit“ an, und mittels der Kausalität wird verständlich, wie sie auseinander hervorgehen. Das hatten wir bereits ausgeführt, ist aber nur die eine Seite; es gibt noch eine zweite:

Die Wissungenaber auch nur sie – befinden sich in der „Zeit“, so daß wir darin insbesondere niemals auf Gestalten treffen. Diese sind nicht „zeitlich“ und können folglich auch nicht kausal durch Wissungen bewirkt werden.

Es führt kein Weg von Wissungen zu Gestalten; nur die Einbahnstraße in der Gegenrichtung existiert; sie besteht im Auf-den-Begriff-Bringen-Wollen oder Explizieren.

 

Wenn Gestalten entstehen und vergehen, obwohl sie nicht in der „Zeit“ sind, müssen sie zeitlich sein.

Die Vergangenheit ist nicht mehr und die Zukunft noch nicht; von der Zeit verbleibt nur die Gegenwart, die sich aus dem Unbewußten sowie dem Bewußtsein zusammensetzt. 

In letzterem befinden sich die Gestalten, die somit der Vergangenheit oder dem Unbewußten entstammen müssen.

 

Das ist unser Stand der Dinge; im vorliegenden Kapitel versuchen wr, diesbezüglich ein wenig weiterzukommen.