1.7.1. Begriffe

Begriffe ist ein Begriff; er wird häufig nicht gut verstanden. Natürlich hängen die Begriffe eng mit den Worten zusammen, von denen die Begriffe bezeichnet werden, aber es ist wichtig, deutlich zwischen ihnen zu unterscheiden.

Die beiden treten zumeist gemeinsam auf, aber es gibt auch Begriffe ohne Worte; wir wissen einigermaßen genau, was wir sagen wollen – beispielsweise ein neuer Gedanke –, uns fällt aber kein geeignetes Wort ein, um ihn gut verständlich zu kommunizieren.

 

Am besten erklären wir die Begriffe von den Vorstellungen her.

Ich könnte Sie jetzt bitten, sich den Mond vorzustellen. Wenn Sie mir brav folgen, haben wir dann alle irgendeine Vorstellung vor unserem geistigen Auge; eine dröge Materie, Frau Luna, Romantik pur, einen runden Ball, vielleicht mit Gesicht, den nächtlichen Bruder der Sonne oder was auch immer.  

Am Mond gilt es also, zwei Seiten zu unterscheiden, den Mond im engeren Sinne und seine Ausmalungen.

Wir stellen uns alle den Mond vor – obwohl jeder eine andere Vorstellung hat. Dieser Mond im engeren Sinne ist der Begriff Mond; er muß intersubjektiv sein, denn sonst hätten Sie mich nicht verstehen können, als ich Sie bat, sich den Mond vorzustellen. 

Und diesen intersubjektiv kommunizierbaren Begriff malt sich jeder von uns subjektiv nach seiner eigenen Facon aus.

 

Damit können wir zusammenfassen:

Vorstellungen bestehen in der Einheit von intersubjektivem Begriff und subjektiver Ausmalung.

Lax formuliert sind Begriffe schmucklos-abstrakt-logische „Vorstellungen“ und Vorstellungen anschaulich-ausgemalt-alltägliche „Begriffe“.

 

„Obwohl die Ausmalungen anschaulich sind, gelten sie Ihnen – wie die  Begriffe – als rein geistig und nicht sinnlich?“

Ich bin fest überzeugt davon, daß die Ausmalungen, die beispielsweise ein Wassily Kandinsky vor sich gesehen hat, in ihrer Genialität nicht hinter den Begriffen eines Mathematikers zurückstehen. Aber das ist sogar unwichtig; entscheidend scheint mir vielmehr allein, daß das Sinnliche in unbestreitbaren Eigenschaften und nicht in beliebigen Auschmückungen besteht – selbst bei gleichen Formen und Farben.

 

Aber bezeichnen oder kommunizieren können wir die Ausmalungen tatsächlich ebensowenig wie die Anschauungen.

„Sie tun es doch gerade mit Hilfe des Wortes ‚Ausmalungen‘!“

Nein; natürlich bezeichnet es einen Begriff; andernfalls wäre es doch völlig sinnleer, dieses Wort überhaupt zu benutzen, und wir könnten stattdessen auch „blablabla“ sagen. Aber das ist ein Sammel-Begriff, den wir am besten als Irgendeine-Ausmalung oder Ausmalung-überhaupt wiedergeben.

Die jeweilige konkrete einmalige Ausmalung – Ihres bzw. meines Mondes im Beispiel – ist als solche weder bezeichen- noch kommunizierbar. 

 

Mittels des Wortes „X“ können wir bezeichnen; unmittelbar oder direkt lassen sich jedoch nur Begriffe bezeichnen; in dem Fall also der Begriff X. Indirekt bezeichnen wir mittels der Begriffe aber auch Wahrnehmungen und Vorstellungen.  

Die Frage, woher wir die Begriffe nehmen oder wie sie in unser Bewußtsein gelangen, ist relativ unproblematisch:

Sie entstehen nach und nach innerhalb der „Ontogenese“ durch unsere Kommunikation, die damit beginnt, daß die Eltern mit ihren Kinderrn – nicht nur sprechen, sondern – Sprachspiele spielen, das heißt, ganz einfach zusammenleben, wodurch die Kinder am Weltbild der Eltern teilhaben und in dieses hineinwachsen.