2.1.5. Wirklichkeits- und Orientierungs-Funktion

Diese Stelle ist sehr wichtig für unser Gesamtverständnis; wir betrachten sie deshalb nochmals unter einem etwas anderem Aspekt.

Die Seienden der Welt bestehen in der Einheit von Sein, Existenz oder Daß auf der einen Seite und Wesen, Essenz bzw. Was auf der anderen, das heißt, sie vereinen in sich zwei völlig unterschiedliche Funktionen; die Wirklichkeits- und die Orientierungsfunktion. So denkt die abendländische Philosophie seit zweieinhalb Jahrtausenden, aber das ist nicht selbstverständlich.

Wir zerlegen diese Einheit in zwei separate Komponenten.

Die Wirklichkeits-Funktion wird vom Leben übernommen; durch seine Kontinuität kann es absolut nicht gewußt werden und ist deshalb nur bewußt.

Sein Pendant stellt das Weltbild mit der Orientierungs-Funktion dar; es besteht in der Einheit unserer Erkennungen, ist als Weltbild unbewußt, kann jedoch zu seinen einzelnen Erkennungen aktualisiert, das heißt, in den Anschauungen be- und in den Vorstellungen gewußt werden.

 

Sehr lax ausgedrückt ersetzen wir die Welt durch Leben und Weltbild.

Daß das Weltbild kein Bild vom Leben darstellt, versteht sich von selbst, aber nichtsdestotrotz haben wir keinen Dualismus vorliegen:

Ohne Leben gibt es auch kein Weltbild, und

ohne Weltbild – können Babys oder Tiere zwar leben, wissen aber nichts davon, denn es – bestehen keine Erlebungen, weil diese durch das Beschreiben des Lebens erst konstituiert werden.

 

 

  Welt                      
  { Daß, Sein oder Existenz + Was, Wesen oder Essenz }  
  { Wirklichkeits-Funktion + Orientierungs-Funktion }  
       
    Weltbild  
    Orientierungs-Funktion  
    diskret  
    unbewußt  
Gott    
Ursprung Bewußtsein  
     
  Leben Erkennungen  
  Wirklichkeits-Funktion    Anschauungen   Wissungen  
  kontinuierlich   Wahrnehmungen       Vorstellungen      
  bewußt bewußt gewußt  
  wirklich unbestreitbar    
         
  Ereignungen  
  Erlebungen        
  beschrieben      
  benennbar benambar bezeichenbar  

 

Abbildung 2.1.5.

 

Die zwei Funktionen wechselwirken natürlich auch miteinander; unser Leben beeinflußt das Weltbild und umgekehrt.

Eine Überlappung der beiden bzw. ihren mengentheoretischen Durchschnitt gibt es dagegen nicht, weil das Wirkliche und Unwirkliche einander ausschließen; die entsprechenden Mengen sind disjunkt oder unvereinbar.

Deswegen können wir das Leben nur beschreiben – weder benamen noch bezeichnen  – und erzeugen dabei die – dann benennbaren – Erlebungen erst.