2.4. Getrennt – Unterschieden – Ununterschieden

An dieser Stelle können wir endlich den Titel des Buches „Metaphysischer Explikationismus“ sinnvoll erklären.

Mit Explizieren meine ich ein Entwickeln, Darstellen oder Entfalten in dem Sinne, daß prinzipiell Unwißbares – natürlich nicht gewußt, aber – in Wissungen umgewandelt wird.

 

Um etwas zu wissen, genügt es nicht, es von anderem unterscheiden zu können. Jeder Säugling unterscheidet Mama von einer fremden Frau, wie an seinem Brüllen deutlich wird, weiß aber keine von beiden.

Natürlich gibt es kein Wissen ohne Unterscheiden; letzteres ist notwendig, reicht aber nicht hin, so daß wir von einem zweistufigen Explizieren ausgehenen müssen.

 

Das prinzipiell oder absolut Unwißbare besteht im Ununterschiedenen.

In einer ersten Stufe geht es in das Unterschiedene über.

Und die Wissungen schließlich sind nicht nur unterschieden, sondern getrennt. Das bedeutet, daß sich nicht nur A von B unterscheidet wie bei Rottönen, Wohlgefühlen oder unserem Säugling, sondern daß A negierbar sein muß und dadurch das unterschiedene B zu einem getrennten non-A wird.

Durch die Negation ist eine definierte Menge A, B, C . . . von Elementen möglich, von denen das non-A alle außer A umfaßt. Innerhalb der Farben gehört das Grün zum Nicht-Rot und in der Menge der Körper die Kugel zu den Nicht-Würfeln; „die Welt ist voller Nicht-Elefanten“ (Joseph Maria Bochenski).

Damit sollte die obige Kapitel-Überschrift verständlich sein; zurück zum Buch-Titel. 

 

„Explikationismus“ allein würde nicht genügen, weil wesentliche Teile von Hegels recht anderer Philosophie unter der Überschrift „Erkenntnistheoretischer Explikationismus“ kursieren.

Da Ontologie die Lehre von den traditionellen Urbildern ist, kommt „ontologisch“ als ergänzendes Prädikat nicht infrage, und so ergab sich recht geradlinig die gewählte Bezeichnung. Metaphysik ist keine Physik (aus) der Hinterwelt, sondern der Versuch, unsere unbestreitbaren Grenzen beim eigenen Denken, so weit wir es vermögen, auszudehnen. 

„Philosophie der Orientierung“ hätte ebenfalls sehr gut gepaßt, aber diesen Namen nutzt bereits Werner Stegmaier für seinen eigenen, dem unsrigen teilweise recht nahestehenden Entwurf.