2.4.1.1. „Wissen from now on“ vom „Wissen so far“

Unser Weltbild enthält vieles, was gar nicht existiert; nein; Unsinn: vieles, woran wir nicht glauben; Einhörner, Nymphen und Zwerge beispielsweise.

AD: „Aber umgekehrt gibt es natürlich auch vieles, was wir noch nicht wissen und was somit nicht einmal zu unserem Weltbild gehören kann.“

Könnten Sie mir bitte einmal ein Beispiel nennen?

AD: „Wir wissen zum Beispiel noch nicht genau, ob es dunkle Energie gibt und worin genau sie besteht.“

 

Das sind in der Tat offene Fragen – jedoch innerhalb unseres Weltbilds.

So wie Sie nur sagen können, daß es Einhörner, Nymphen und Zwerge „nicht gibt“, weil sie Ihnen aus Ihrem Weltbild bekannt sind, können Sie auch nur nach der dunklen Energie fragen, weil sie ebenfalls – wenn auch noch als Problem – dazugehört.

 

Die Tradition unterscheidet das Bereits-von-der-objektiven-Realität-Gewußte von dem Noch-nicht-von-der-objektiven-Realität-Gewußten.

Aber eine entsprechende Einteilung ist auch uns möglich; wir müssen dazu lediglich die objektive Realität streichen und erhalten dann Bereits-Gewußtes bzw. Nocht-nicht-Gewußtes; beides sind Wissungen oder (deren) Referenten.

 

Josef Mitterer verfolgt einen Gedankengang, der dem unsrigen teilweis recht ähnlich ist. Hierzu ersetzt in seinem „Jenseits der Philosophie“ unser Bereits-Gewußtes durch das Wissen so far und das Nocht-nicht-Gewußte durch ein Wissen from now on.

Im Sprachspiel Mitterers gibt es also Wissen from now on vom Wissen so far oder neues von altem Wissen bzw. geerstmaligtes von wiederholtem.

Mit der Zeit verschiebt sich die Grenze; das Wissen from now on wird immer wieder zum Wissen so far, so daß das gegenwärtige Wissen from now on in der Zukunft als Wissen so far fungieren kann.

 

Mitterer macht damit sehr anschaulich, daß die Einheit der Wissungen in sich geschlossen ist und wir weder in sie eintreten noch sie verlassen können; „es gibt weder ein Hinein noch ein Heraus“ schrieb ich oben.

AD, da hatte ich Ihren Einspruch erwartet:

Wie soll diese Einheit denn entstanden sein oder wieder verschwinden – ohne Hinein und Heraus?

 

Das wird bei Mitterers Sprachspiel deutlich:

Es entsteht Wissen from now on, das zu Wissen so far wird.

Jenes wird geerstmaligt oder entsteht, ohne daß wir ein Woraus oder Woher festmachen könnten; insbsondere existiert nichts zum Abbilden. Plötzlich ist das Wissen from now on gegeben oder existent; es ist nicht übergegangen, sondern tritt erst als fertiges in Erscheinung.

Das Wissen so far dagegen wird zunächst wiederholt und dann vergessen; auch hier gibt es kein Wohin; Vergessen bedeutet für das Wissen, im Nichts zu verschwinden.