{"id":3206,"date":"2021-01-29T21:59:34","date_gmt":"2021-01-29T19:59:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=3206"},"modified":"2026-05-30T19:33:43","modified_gmt":"2026-05-30T17:33:43","slug":"1-2-religioeser-hintergrund","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-2-religioeser-hintergrund\/","title":{"rendered":"1.6.  Religi\u00f6ser Hintergrund"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich bin zuf\u00e4llig katholisch, aber <em>das ist v\u00f6llig belanglos f\u00fcr dieses Buch<\/em>. <em>Letzteres<\/em> scheint mir dagegen sehr wichtig zu sein: Wir m\u00fcssen<em> verstehen<\/em>, <em>wieso der religi\u00f6se und auch jeder andere Glaube f\u00fcr das Philosophieren irrelevant zu sein hat<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es gibt ebensowenig ein christliches oder gar katholisches Philosophieren wie ein islamisches, kapitalistisches oder nationalistisches: Wir haben nur die Alternative zwischen einem<em> ergebnisoffenen Denken \u2013 <\/em>dem <em>Streben<\/em> nach Wahrheit<em> \u2013 <\/em>oder dem <em>Vertreten einer Ideologie \u2013<\/em> dem <em>angeblichen Besitz<\/em> der Wahrheit. Jeder, der \u2013 v\u00f6llig unabh\u00e4ngig von der Farbe \u2013 zu Beginn schon wei\u00df, wohin sein &#8222;Denken&#8220; f\u00fchrt bzw. was &#8222;wahr&#8220; ist, versteht nicht, was es bedeutet zu denken, und ist Ideologe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mich interessiert demzufolge auch absolut nicht, <em>wer <\/em>irgendwas sagt, sondern lediglich, <em>welche grundlegenden<\/em> Antworten irgendwer<em> vern\u00fcnftig begr\u00fcndet<\/em>. W\u00fcrde die Relativit\u00e4tstheorie von Adolf Hitler stammen, w\u00e4re sie keinen Deut weniger genial als die Einsteinsche.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich lese also keine B\u00fccher katholischer Autoren, nur weil sie katholisch sind, sondern solche <em>jeglicher Couleur, sofern ich hoffen kann, da\u00df sie mir helfen, selbst zu denken und damit meiner eigenen Wahrheit n\u00e4her zu kommen.<\/em> Das ist diejenige meines Lebens, und die kann nat\u00fcrlich in keinem Buch stehen; dort gibt es bestenfalls richtige oder hilfreiche S\u00e4tze.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auch bei meinem eigenen Schreiben versuche ich stets, mir dessen bewu\u00dft zu sein. Weder will ich Ihnen etwas mitteilen, noch sollen Sie mir glauben; vielmehr m\u00f6chte ich Sie anregen zum eigenen Fragen, Sich-Orientieren und Weiterdenken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Hochkomplexe bzw. abstrakte Entit\u00e4ten<\/em> \u2013 wie Liebe, Demokratie, Freiheit oder Recht \u2013 <em>k\u00f6nnen wir als solche nicht erfahren<\/em>; das ist nur m\u00f6glich, wenn sie eine konkrete Gestalt annehmen, sich verleiblichen, ausdr\u00fccken oder darstellen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sage ich beispielsweise zu einem Menschen &#8222;Ich liebe Dich; das haben wir damit f\u00fcr ein und allemal gekl\u00e4rt&#8220;, und er erf\u00e4hrt dann diesbez\u00fcglich <em>tats\u00e4chlich nichts mehr<\/em>, war es gelogen. Eine &#8222;Liebe&#8220;, die sich nicht ausdr\u00fcckt oder verleiblicht, <em>ist keine Liebe<\/em>; sie bedarf notwendigerweise irgendwelcher Darstellungsformen; Z\u00e4rtlichkeit, Schutz, Einsatz, Verst\u00e4ndnis, Verantwortungsgef\u00fchl, Hilfsbereitschaft, Sexualit\u00e4t, Geborgenheit usw.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Kein Ausdruck<em> ist <\/em>die Liebe, aber<em> ohne Ausdruck ist auch keine Liebe.<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das k\u00f6nnen wir nahezu w\u00f6rtlich auf den Glauben \u00fcbertragen. Auch er kann nicht <em>als solcher oder rein<\/em> erfahren werden, sondern nur in geeigneten Ausdrucksformen bzw. durch diese. Sie k\u00f6nnen zum Beispiel in der Kunst oder Lebensf\u00fchrung bestehen, in Gebet, N\u00e4chstenliebe, Barmherzigkeit, Verk\u00fcndigung, gesellschaftlichem Engagement und Meditation, in Geschichten oder Theologie. Ein &#8222;Glaube&#8220; ohne alle Verleiblichungen, ist kein Glaube; <em>er ist auch nicht rein, sondern rein gar nichts<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auf der einen Seite darf also <em>keine einzelne Darstellungsform mit dem Glauben identifiziert<\/em> werden; Sex <em>allein<\/em> ist auch keine Liebe. Der Glaube kann also beispielsweise auch <em>nicht mit dem F\u00fcr-wahr-Halten irgendwelcher Geschichten<\/em> gleichgesetzt werden \u2013 welcher auch immer \u2013, obwohl er sich nat\u00fcrlich auch in ihnen ausdr\u00fccken <em>kann<\/em>; bei einem Kind beispielsweise in der Sch\u00f6pfungs-, Weihnachts- oder Emmausgeschichte.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite ist nat\u00fcrlich auch niemand gezwungen, seinen Glauben auf eine ganz bestimmte Art zu leben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Wer dies jedoch <\/em>\u2013 aus freien St\u00fccken \u2013<em> in Form der Theologie tun m\u00f6chte, mu\u00df sich notwendigerweise den Ma\u00dfst\u00e4ben unterordnen, die auch sonst mit Recht an eine Wissenschaft gestellt werden<\/em> \u2013 andernfalls<em> ist <\/em>es keine Theo-Logie. Das bedeutet insbesondere, da\u00df der Theologe sich <em>m\u00f6glichst exakt ausdr\u00fccken sowie logisch sauber denken sollte<\/em> und in seiner Argumentation <em>nicht auf Zitate als Beweise, Pr\u00e4missen oder gar Letztbegr\u00fcndungen zur\u00fcckgreifen<\/em> kann.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Heilige&#8220; Schriften sind dabei nicht bessergestellt als profane, weil ihre angebliche Heiligkeit \u2013 vielleicht nicht f\u00fcr den Glauben, gewi\u00df aber \u2013 <em>theologisch ebenfalls auf dem Pr\u00fcfstand steht<\/em>. So wenig sich ein guter Physiker auf Werner Heisenberg oder Nils Bohr berufen wird, darf dies ein passabler Theologe mit Jesus oder Paulus tun \u2013 v\u00f6llig abgesehen von allen damit verbundenen exegetischen, hermeneutischen und sprachlichen Problemen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Im Zen-Buddhismus &#8222;sind die Heiligen Schriften nichts anderes als schmutzige Papierabf\u00e4lle&#8220; (Shizuteru Ueda), in denen zum Beispiel bezogen auf das Meditieren steht: &#8222;Wenn Du den Buddha siehst, t\u00f6te ihn.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Theologisch sind<em> die Aussagen des Lehramts<\/em> f\u00fcr mich ebenfalls nur beliebige Meinungen; einen Mehrwert w\u00fcrden auch sie erst durch eine originelle Sichtweise, ihre integrierende Kraft oder Fruchtbarkeit, saubere Begr\u00fcndung, Kreativit\u00e4t, Zeitgem\u00e4\u00dfheit und \u00e4hnliches erhalten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn Johannes Paul II beispielsweise h\u00f6chst offiziell die Meinung vertrat, Frauen k\u00f6nnten nicht zu Priestern geweiht werden \u2013 &#8222;Basta!&#8220; \u2013, dann bereitete er vielleicht einigen gutgl\u00e4ubigen Christen gr\u00f6\u00dfere Probleme, aber nicht einer denkenden, das hei\u00dft, freien Theologie, denn der sollten meines Erachtens <em>s\u00e4mtliche<\/em> <em>blo\u00dfen, das hei\u00dft, schlecht oder gar nicht begr\u00fcndeten Meinungen gleichg\u00fcltig sein<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Um sie ernstnehmen zu k\u00f6nnen, m\u00fcssen Stellungnahmen so erkl\u00e4rt werden, da\u00df ich ihre Rechtfertigung <em>verstehen und dieser guten Gewissens zustimmen<\/em> kann. Eine &#8222;Begr\u00fcndung&#8220;, die mir nicht einleuchtet, ist keine Begr\u00fcndung, denn im <em>Verstanden-Werden und Nachvollziehen-K\u00f6nnen besteht der Sinn<\/em> aller Erkl\u00e4rungen oder Rechtfertigungen \u2013 nicht im blo\u00dfen Beteuern ihrer angeblichen Richtigkeit oder gar Wahrheit.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bleibt es bei einem solchen Beteuern, interessiert mich die Meinung nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Kinder k\u00f6nnen sich rechtfertigen mit &#8222;Mama hat aber gesagt&#8220;; wir d\u00fcrfen das nicht; ganz gleich, f\u00fcr wen &#8222;Mama&#8220; steht.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie anders wollen wir den Glauben von jeglichem Aberglauben unterscheiden? Oder das Wirken Gottes von aller Zauberei?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;M\u00fcssen <em>wir<\/em> das tun? Gott ist nach christlichem Verst\u00e4ndnis in seiner Sch\u00f6pfung \u2013 als Heiliger Geist \u2013 gegenw\u00e4rtig; und ich dachte immer, es sei <em>seine<\/em> Aufgabe, f\u00fcr den wahren Glauben zu sorgen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich widerspreche dem auch nicht; aber es gibt das Gotteswort ausschlie\u00dflich im\u00a0 Menschenwort, denn sonst w\u00fcrden wir absolut nichts davon verstehen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Glaube l\u00e4\u00dft sich nicht mittels des Verstandes oder seiner Logik und nicht einmal aus der Vernunft herleiten, sondern verdankt sich nach christlichem Verst\u00e4ndnis der Offenbarung als Selbstmitteilung Gottes. In dem Ma\u00dfe, wie sie durch das Wirken des Heiligen Geistes \u2013 im Menschenwort \u2013 bei uns ankommt, sprechen wir vom \u2013 eo ipso subjektiven \u2013 Glauben.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Er <em>folgt zwar nicht aus dem Verstand oder der Vernunft, widerspricht ihnen aber auch nicht<\/em>. <em>Jeden &#8222;Glauben&#8220;, der letzteres tut, weist der Heilige Geist dadurch als Aberglauben aus<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Ergebnisse, zu denen die Theologen gelangen, sollten ihnen helfen, ihren Glauben besser zu verstehen. <em>Das Verstehen<\/em> <em>kommt<\/em>\u00a0\u2013 <em>sofern<\/em> wir uns f\u00fcr die Theologie als Ausdrucksweise entscheiden\u00a0\u2013 nat\u00fcrlich stets<em> vor dem Glauben bzw. Nicht-Glauben<\/em>, denn diese bestehen darin<em>, verstandene<\/em> \u2013 und damit insbesondere auf ihre Widerspruchsfreiheit gepr\u00fcfte \u2013 <em>Inhalte anzunehmen und zu leben resp. abzulehnen und zu ignorieren.<\/em>\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Was wir nicht verstanden haben, k\u00f6nnen wir theologisch weder glauben noch nicht-glauben; wir wissen doch gar nicht, worum es geht. Wer &#8222;glaubt&#8220;, ohne zu verstehen, <em>glaubt nicht, sondern wiederholt lediglich leere Worte<\/em>; entsprechend lehnt nat\u00fcrlich auch nur leere Worte ab, wer ohne zu verstehen &#8222;nicht-glaubt&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Deswegen gibt es heute theologisch relativ selten nicht nur Gl\u00e4ubige, sondern auch Nicht-Gl\u00e4ubige; es wird wenig gedacht, aber viel geredet, geeifert und vor allem <em>gef\u00fchlt<\/em>. Der weltweite Aufschwung der Evangelikalen, Frei- oder Pfingstkirchen best\u00e4tigt letzteres meines Erachtens.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Damit sage ich nichts gegen deren Gl\u00e4ubige, sondern lediglich wertfrei, da\u00df ihre Ausdrucksform des Glaubens <em>nicht die theologische ist \u2013 aber nat\u00fcrlich auch nicht sein mu\u00df<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Von meinem Bauchgef\u00fchl her mi\u00dff\u00e4llt mir, da\u00df das Verstehen <em>so eindeutig vor dem Glauben<\/em> kommen soll. Tertullians &#8218;Ich glaube, weil es absurd ist&#8216; erscheint auch mir als eine sehr schwache Argumentation. Aber Anselms &#8218;Credo ut intelligam&#8216; (Ich glaube, um zu verstehen) l\u00e4\u00dft sich meines Erachtens nicht so einfach von der Hand weisen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da stimme ich Ihnen vollkommen zu; aber um meine diesbez\u00fcgliche \u00dcberzeugung zu verstehen, m\u00fcssen wir leider ein wenig vorgreifen:\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Glaube hat meines Erachtens so gut wie gar nichts mit dem Wissen zu tun; er ist kein F\u00fcr-richtig-Halten, sondern eine Form des Lebens, die uns zu dessen Wahrheit f\u00fchren soll bzw. will.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nehmen Sie als Beispiel das Altarsakrament. Die Kirchen streiten zum Teil recht erbittert, ob hierbei eine Transsubstantiation erfolgt oder nicht. Das<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; ist zum einen nur innerhalb des traditionellen Denkens m\u00f6glich, weil Substanzen <em>den Inbegriff der Seienden<\/em> bilden, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; setzt voraus, da\u00df es im Glauben um das richtige Wissen geht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">W\u00fcrde letzteres stimmen, <em>h\u00e4tte Anselm eindeutig\u00a0 Unrecht. Kein Glaube der ganzen Welt f\u00fchrt zum richtigen Wissen<\/em>; daf\u00fcr mu\u00df man sich anstrengen, selbst denken und mutig sein.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beim Altarsakrament geht es meines Erachtens einzig und allein darum, <em>ob mit mir etwas geschieht<\/em>. Tut es das, ist dies <em>allein durch den Glauben<\/em> m\u00f6glich und <em>wirkt wiederum best\u00e4tigend auf ihn zur\u00fcck<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Hierzu geh\u00f6rt Anselms &#8222;Credo ut intelligam&#8220;, mit dem kein Wissen im traditionellen Sinne gemeint ist.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Das entspricht eher dem Vertrauensvorschu\u00df, den wir f\u00fcr ein gelingendes Leben h\u00e4ufig leisten m\u00fcssen. Liebe und Freundschaft, Bildung und Erziehung, Wirtschaftskontakte oder sogar Urlaubsreisen gelingen kaum ohne ihn. Um die Zuverl\u00e4ssigkeit von Versprechungen oder Zusagen \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen, lassen wir uns auf sie ein; ob das berechtigt war, <em>zeigt sich immer<\/em> erst<em> im Nachhinein<\/em>.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Und der Glaube<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; entspricht vielleicht dem Vertrauen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; da\u00df der Vertrauensvorschu\u00df, den wir f\u00fcr ein wahres Leben zu leisten bereit sind,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nicht ins Leere geht, gerechtfertigt oder unser Engagement wert ist.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir glauben nicht was richtig ist, sondern was zu glauben wir f\u00fcr richtig halten.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer nicht selbst denkt, kann keine \u00dcberzeugung besitzen, sondern h\u00f6chstens eine &#8222;Autorit\u00e4t&#8220;, der er blind und kindisch folgt. &#8222;Mama hat aber gesagt . . .&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer denkt, irrt vielleicht, aber das macht ihn niemals zum H\u00e4retiker oder Ketzer, denn dazu wird man allein durch das H\u00e4retiker- bzw. Ketzer-Sein-<em>Wollen, aber nicht durch das Streben nach der Wahrheit.<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Das bezweifle ich; wozu brauchten wir \u00fcberhaupt Religionen, wenn sich jeder selbst \u00fcberlegen kann, was er glauben will?&#8220;\u00a0\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es erscheint mir einfach als selbstverst\u00e4ndlich, <em>nur allein entscheiden zu k\u00f6nnen, was ich glaube<\/em>, und mir diesbez\u00fcglich <em>von niemandem Vorschriften machen zu lassen;<\/em> das gilt um so mehr, je existenzieller die betreffenden Fragen sind.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zum einen bin ich <em>f\u00fcr mein gesamtes Leben und damit auch f\u00fcr meinen Glauben selbst verantwortlich<\/em>; es gibt keine Ausreden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zum andere kann doch nur <em>eine tiefe \u00dcberzeugung, die wirklich Herzenssache ist, als religi\u00f6ser Glaube ernstgenommen werden<\/em>. Die mu\u00df aber aus mir selbst kommen;\u00a0Glauben l\u00e4\u00dft sich ebensowenig anordnen wie Lieben, Gl\u00fccklich-, Spontan-, Frei- oder Dankbar-Sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Traditionell denkende Christen w\u00fcrden Ihnen gewi\u00df widersprechen und als Argument vielleicht das Zitat &#8218;Der Glaube kommt vom H\u00f6ren&#8216; aus dem R\u00f6merbrief bem\u00fchen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich stimme Paulus 100%-ig zu und erg\u00e4nze lediglich, da\u00df es in unserem Leben <em>sehr viel Verschiedenes zu h\u00f6ren gibt<\/em> und wir deshalb bereits <em>denken m\u00fcssen, um vern\u00fcnftig auszuw\u00e4hlen, worauf wir h\u00f6ren wollen<\/em>, das hei\u00dft, <em>was wir gegebenenfalls glauben k\u00f6nnten<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das mag bei vielen Menschen die Bibel sein, wird es aber nicht notwendigerweise. Jeder von uns mu\u00df selbst seinen Weg finden, und dazu geh\u00f6rt meines Erachtens ganz wesentlich, da\u00df wir <em>auch entscheiden m\u00fcssen, was wir lesen<\/em>, das hei\u00dft, <em>wovon wir uns die st\u00e4rksten Impulse f\u00fcr die Gestaltung unseres Lebens versprechen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich bin mir zum Beispiel sehr sicher, da\u00df einige zeitgen\u00f6ssische Theologen, die sich ein Leben lang mit der Heiligen Schrift auseinandergesetzt haben, mir ein viel tieferes Verst\u00e4ndnis vermitteln k\u00f6nnen, als mir dies beim eigenen Lesen der Bibel m\u00f6glich w\u00e4re. Allein schon aus Zeitgr\u00fcnden, mu\u00df ich mich also f\u00fcr \u2013 meines Erachtens \u2013 gute Theologen entscheiden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re die eminent wichtige Aufgabe eines postmodernen Lehramts, durch sauberes Argumentieren \u2013 statt leeren Machtgehabes \u2013 auf eventuelle Denkfehler hinzuweisen, damit wir sie alle vermeiden k\u00f6nnen. Ein so verstandenes Lehramt w\u00fcrde nicht nur keinen unn\u00f6tigen Stein des Ansto\u00dfes und damit kein Handicap der katholischen Kirche (mehr) darstellen, sondern eine h\u00f6chst willkommene, weil wirkliche Lebenshilfe f\u00fcr alle Menschen; und als eine solche verstehe ich den Glauben ganz allgemein:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Er ist meines Erachtens <em>weder eine Theorie noch ein Ge- oder Verbotssystem<\/em> und damit auch keine Ethik, sondern <em>Erm\u00f6glichung, Unterst\u00fctzung, Hilfe und Ansporn, um die F\u00fclle eines wahren freiheitlichen Lebens zu erreichen<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Postmoderne entbindet das Lehramt von der &#8222;Aufgabe&#8220;, eine traditionell verstandene (Glaubens-)Wahrheit durch die Geschichte hindurch bewahren zu m\u00fcssen. Nat\u00fcrlich nicht, weil das Lehramt der Postmoderne folgen m\u00fc\u00dfte \u2013 dann w\u00e4re sie das neue &#8222;Lehramt&#8220; \u2013, sondern weil die Postmoderne zeigt, da\u00df es diese Aufgabe gar nicht geben kann.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zum einen existiert ohne objektive Wirklichkeit keine traditionelle Wahrheit, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">zum anderen wird sie auch nicht ben\u00f6tigt, um Denkfehler zu erkennen; daf\u00fcr gen\u00fcgen <em>(m\u00f6glichst) vorurteilsfreie Gespr\u00e4che unter Interessierten<\/em> \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich staune, wie Sie als Katholik das traditionelle Lehramt abkanzeln. Woraus resultiert Ihre diesbez\u00fcgliche Sicherheit?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\">Drei Punkte d\u00fcrften in meiner Antwort besonders wichtig sein:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Ich glaube, da\u00df Gott in seiner &#8222;Sch\u00f6pfung&#8220; anwesend ist; diese Pr\u00e4senz wird &#8222;Heiliger Geist&#8220; genannt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zum einen weht er dem Johannes-Evangelium zufolge, &#8222;wo er will&#8220;, und zum anderen bin ich \u00fcberzeugt, da\u00df Gott trotz seiner Menschwerdung, Selbstmitteilung oder Offenbarung ein Geheimnis bleibt. Dann ist es ebenso absurd wie widerspr\u00fcchlich, <em>den Heiligen Geist an das Lehramt binden zu wollen<\/em>. Das l\u00e4\u00dft sich meines Erachtens weder vor der Vernunft noch aus dem Glauben rechtfertigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich habe, anders formuliert, keinerlei Schwierigkeiten damit, die Kirche als den Leib Christi zu verstehen. Da wir jedoch, wie noch deutlich werden wird, <em>nicht einmal unseren eigenen Leib<\/em> wissen k\u00f6nnen \u2013 sondern nur den K\u00f6rper \u2013, scheint mir der Anspruch, <em>beim Leib Christi einteilen zu wollen, da\u00df beispielsweise Kardinal M. ihm angeh\u00f6re, der Religionskritiker N. aber nicht<\/em>, eine unglaubliche Hybris zu sein.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Die Kirche l\u00e4\u00dft sich nur als Leib Christi verstehen, wenn sie wie Christus selbst unsichtbar ist<\/em>. Nicht er, sondern sein K\u00f6rper namens &#8222;Jesus&#8220; wanderte vor 2000 Jahren durch Galil\u00e4a.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">(Das ist nat\u00fcrlich ein besonders markantes Beispiel f\u00fcr die Unsinnigkeit von Fragen, die sich uns zwangsl\u00e4ufig aufdr\u00e4ngen, solange wir die Subjekte gut traditionell, aber trotzdem f\u00e4lschlicherweise mit ihrem K\u00f6rper identifizieren.)\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Ich halte es f\u00fcr unm\u00f6glich, Sinn, Bedeutungen, Inhalte, Werte, Ge- oder Verbote konstant durch eine Geschichte hindurchtragen oder bewahren zu wollen, in der sich alles andere \u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Meine Begr\u00fcndung ist denkbar einfach:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Unsere \u2013 eo ipso subjektiven \u2013 Vorstellungen bilden eine integrale Einheit, in der s\u00e4mtliche Vorstellungen mit allen anderen im Wirklichkeitsbild verbunden sind. Darin kann es prinzipiell <em>keinen Teilbereich etwa eines &#8222;Glaubens-Wissens&#8220;<\/em> geben, der konstant bleibt, w\u00e4hrend sich alles sonstige Wissen im Verlaufe der Geschichte \u00e4ndert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der traditionelle Versuch, die gew\u00fcnschte Konstanz durch das Wiederholen der alten Worte zu garantieren, d\u00fcrfte angesichts der Situation unserer Kirchen bereits als gescheitert gelten. Da\u00df beispielsweise Jesus sich in seinen Gleichnissen h\u00e4ufig auf die Landwirtschaft bezog, ergibt sich allein daraus, da\u00df er von ihr etwas verstand, und hat keine &#8222;tiefere&#8220; Bedeutung.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Christus war<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; (auch) ein <em>wahrer Mensch<\/em> und als solcher kann er \u2013 wie auch jeder von uns \u2013<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; nur <em>ein Kind seiner Zeit<\/em> gewesen sein.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Wer das bestreitet, leugnet die Menschwerdung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>3. Wir h\u00e4tten uns den zweiten Punkt sogar sparen k\u00f6nnen, denn<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; weder ist der Glaube eine Lehre,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; noch geht es darum, das, was sich vor 2000 Jahren in Galil\u00e4a ereignete \u2013 insbesondere die Worte, die Jesus vielleicht gesprochen hat, \u2013 m\u00f6glichst genau wiederzugeben. Auch das tollste Wissen \u00fcber den historischen Jesus f\u00fchrt nicht zum Glauben, wie die Leben-Jesu-Forschung zeigt, und hat h\u00f6chstens am Rande mit ihm zu tun.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Glauben bedeutet meines Erachtens vielmehr, &#8222;das eigene Leben <em>im Licht der M\u00f6glichkeiten zu betrachten, die uns die Selbstoffenbarung Gottes zur Verf\u00fcgung stellt;<\/em> hierdurch <em>wird das gleiche Leben ein ganz anderes&#8220;<\/em> (Hans-Joachim H\u00f6hn).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit meine ich ausf\u00fchrlicher Folgendes:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das Leben eines &#8222;Atheisten&#8220; besteht in der Einheit { Essen, Arbeiten, Spielen, Leiden, Feiern, Denken . . . }<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Konvertiert er zum Glauben, kommt letzterer nicht noch zu dieser Einheit hinzu<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u2013 { Essen, Arbeiten, Spielen, Leiden, Feiern, Denken, Glauben . . . } \u2013,\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">sondern der Glaube entspricht einem Vorzeichen, das die gesamte Klammer betrifft,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u2013 \u2020 { Essen, Arbeiten, Spielen, Leiden, Feiern, Denken . . . } \u2013;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;das gleiche Leben wird ein ganz anderes&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit den nachfolgenden drei Zitaten von H\u00f6hn kann ich mich voll identifizieren:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wer Theologie studiert, mu\u00df lernen, da\u00df Fr\u00f6mmigkeit nicht vor Leichtgl\u00e4ubigkeit sch\u00fctzt. Wer nur etwas bezeugt, ohne davon auch \u00fcberzeugen zu k\u00f6nnen, hat ein Glaubw\u00fcrdigkeitsdefizit. Den Glauben zu festigen, vermag keine Theologie, der die Fr\u00f6mmigkeit ihres Anstrichs wichtiger ist als ihre wissenschaftliche Redlichkeit.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wie man durch das Medizinstudium nicht ges\u00fcnder wird, sondern am Ende wei\u00df, was Gesundheit und Krankheit sind \u2013 wie man durch ein Jurastudium nicht gerechter wird, sondern am Ende Recht und Unrecht zu unterscheiden wei\u00df, so wird man durch ein Theologiestudium nicht gottesf\u00fcrchtiger, sondern lernt zu unterscheiden, wer oder was es in Wahrheit nicht verdient, &#8218;Gott&#8216; genannt zu werden, und auf wen man sich stattdessen im Leben und Sterben verlassen sollte.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Die Theologie ist nicht dazu da, ihre Adressaten gl\u00e4ubiger zu machen. Sie hat vielmehr jenes Wissen \u00fcber und vom christlichen Glauben zu vermitteln, das zugleich nachdenklich und hoffnungsvoll macht. Sie hat zu zeigen, da\u00df man nicht an Gott glauben kann, ohne dabei auf neue Weise ins Nachdenken zu kommen, und da\u00df man beim Nachdenken \u00fcber erste und letzte Fragen mit guten Gr\u00fcnden auf den Gedanken kommen kann, dabei an Gott zu denken.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die philosophisch denkenden Theologen, denen ich am meisten zu verdanken habe, sind vielleicht Kurt Appel, Eugen Biser, Dietrich Bonhoeffer, John D. Caputo, Ingolf U. Dalferth, Eugen Drewermann, Georg Essen, Klaus Hemmerle, Hans-Joachim H\u00f6hn, Gregor Maria Hoff, Eberhard J\u00fcngel, Gordon D. Kaufman, Peter Knauer J\u00f6rg Lauster, Jean-Luc Marion, Meister Eckhart, Dietmar Mieth, Dewi Z. Phillips, Willibald Sandler, Hartmut von Sass, Thomas Sch\u00e4rtl, Raymund Schwager, Magnus Striet und J\u00fcrgen Werbick.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">W\u00fcrden Sie mir die Pistole auf die Brust setzen &#8222;Nur einer!&#8220;, w\u00e4re dies wohl Hartmut von Sass.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf die Frage, ob Menschen, denen mein Verst\u00e4ndnis des Glaubens, zu komplex ist, auf &#8222;die liebe alte Art weiterglauben&#8220; d\u00fcrften, antworte ich mit Stefan Sch\u00fctze:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Sehr gerne; ich habe doch nicht die Absicht, jemandem seinen Glauben wegzunehmen&#8220;, mit dem er gl\u00fccklich und in Frieden leben kann. &#8222;Das w\u00e4re furchtbar \u00fcberheblich und absolutistisch. Nur erwarte ich von diesen Gl\u00e4ubigen, da\u00df sie <em>ebenfalls andere Einstellungen akzeptieren<\/em> und auch <em>ihre Glaubensweise nicht fanatisch, unhinterfragbar oder gar gewaltt\u00e4tig<\/em> vertreten.&#8220;\u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich schreibe dieses Buch <em>nicht f\u00fcr die fraglos Gl\u00fccklichen, um ihnen v\u00f6llig unn\u00f6tige Probleme einzureden<\/em>, sondern f\u00fcr diejenigen, <em>die Schwierigkeiten mit ihrem Glauben bzw. subjektiven Wirklichkeitsbild haben und nach intellektuell redlichen Antworten suchen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Vielleicht ist es hoffnungslos naiv von mir anzunehmen, das gegenw\u00e4rtige Verdunsten des christlichen Glaubens in Mitteleuropa h\u00e4tte etwas mit der Form unserer Verk\u00fcndigung zu tun. Noch gehe ich aber davon aus und suche folglich nach einer Sprache, die Au\u00dfenstehende bei ihren Lebensproblemen <em>voller Spannung und Neugierde<\/em> fragen lassen k\u00f6nnte:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8222;Welche konstruktiven Ideen w\u00fcrden wohl gl\u00e4ubigen Christen in meiner Situation einfallen? <\/em>Sie m\u00fc\u00dften theoretisch mehr sehen k\u00f6nnen als ich, denn, der Glaube besteht nach H\u00f6hn angeblich darin, &#8218;das eigene Leben <em>im Licht der M\u00f6glichkeiten zu betrachten, die die Selbstoffenbarung Gottes uns zur Verf\u00fcgung stellt&#8216;<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00dcber diese M\u00f6glichkeiten verf\u00fcge ich leider nicht; lohnt es, sich darum zu bem\u00fchen?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Gott <em>des Lebens mu\u00df Freiheit wollen<\/em>, weil <em>nur mit ihr ein erf\u00fclltes Leben<\/em> m\u00f6glich ist. Dann existieren jedoch notwendigerweise so viele Wege zu Gott, wie es Menschen gibt, und wir sollten einander helfen, da\u00df m\u00f6glichst jeder von uns den seinen findet.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Besteht hier nicht ein Widerspruch? K\u00f6nnen Sie sich zum Christentum bekennen und gleichzeitig zugestehen, es g\u00e4be so viele Wege zu Gott wie Menschen?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich bin \u00fcberzeugt, da\u00df sich diese beiden Seiten erg\u00e4nzen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Glaube ist eine Hilfe, um die Wahrheit des eigenen Lebens zu finden und mu\u00df damit <em>ebenso subjektiv sein wie mein Leben<\/em>. Aber dieser Glaube, haben wir am Anfang des Kapitels gesagt, wird nur wirklich, indem er sich ausdr\u00fcckt oder verleiblicht. Daf\u00fcr bilden die Religionen mit ihren Konfessionen Angebote oder &#8222;Optionen&#8220; (Hans Joas)<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer sie nutzt, lebt seinen subjektiven Glauben mit Hilfe des von ihm gew\u00e4hlten intersubjektiven Rahmens.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich veranschauliche mir dieses Zusammenspiel, Miroslav Volf folgend, an der musikalischen Improvisation; etwa beim Jazz:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Jeder Musiker spielt zwar frei seine pers\u00f6nliche Musik, aber letztlich macht keiner hemmungslos, was er will, sondern die Einzelinstrumente f\u00fcgen sich wie von selbst zu einer Harmonie.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Und schlie\u00dflich bildet der christliche Rahmen kein Gef\u00e4ngnis; <em>ich mu\u00df nicht Christ bleiben, sondern soll meinem Gewissen folgen<\/em> \u2013 auch wenn es mir beispielsweise r\u00e4t, mich (in verschiedenen Hinsichten) zum Atheismus oder Buddhismus zu bekennen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Religionen und ihre Konfessionen sind nur sekund\u00e4r; mir geht es nicht um das Christ- oder gar Katholisch-Sein, sondern um die Wahrheit meines Lebens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich bin zuf\u00e4llig katholisch, aber das ist v\u00f6llig belanglos f\u00fcr dieses Buch. 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