{"id":3988,"date":"2024-12-28T19:43:20","date_gmt":"2024-12-28T17:43:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=3988"},"modified":"2026-03-13T06:37:59","modified_gmt":"2026-03-13T04:37:59","slug":"1-einleitung-kurz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/","title":{"rendered":"1.  Einleitung in das Buch"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das waren sehr viele Zitate; sie sollten die Richtung andeuten, in die wir uns bewegen werden, und Ihnen damit eine Entscheidung erm\u00f6glichen, ob es sich eventuell lohnen k\u00f6nnte, mein Buch zu lesen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Haben Sie keine Sorge, da\u00df es in diesem Stil \u2013 also auch ein wenig langweilig und erm\u00fcdend \u2013 weitergehen k\u00f6nnte. Ganz im Gegenteil; ich versuche, <em>selbst zu denken,<\/em> finde das unheimlich spannend, weil man m\u00f6glicherweise gezwungen wird, einen v\u00f6llig unbekannten Weg in geistiges Neuland zu wagen, und lade Sie ein, mich dabei zu begleiten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn Sie Fehler finden, hat sich das Thema f\u00fcr Sie h\u00f6chstwahrscheinlich erledigt. Aber ich w\u00e4re Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich kurz auf die entsprechenden Schwachstellen hinweisen w\u00fcrden. Ich danke Ihnen schon im Voraus und bitte um Entschuldigung f\u00fcr meine Versehen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0Unter Fehlern verstehe ich insbesondere logische Widerspr\u00fcche, fehlende Denkm\u00f6glichkeiten und ungerechtfertigte Annahmen jeglicher Couleur, also nicht nur wissenschaftliche, sondern auch weltanschaulich-religi\u00f6se oder allt\u00e4gliche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keinen Fehler bedeutet es freilich, gegen den Strich zu denken oder vom Zeitgeist mit seinen Plattit\u00fcden abzuweichen, von dem also, was &#8222;<em>man<\/em> sagt&#8220; oder &#8222;<em>jeder<\/em> wei\u00df&#8220;. Solche &#8222;Selbstverst\u00e4ndlichkeiten&#8220; interessieren mich nicht im geringsten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dabei darf es nat\u00fcrlich nicht um das Widersprechen als Selbstzweck gehen, wie wir es heute in unserer Gesellschaft \u2013 mit nahezu beliebigen Begr\u00fcndungen oder auch ganz ohne sie \u2013 tagt\u00e4glich erleben. Entscheidend ist lediglich, da\u00df Unsinnigkeiten <em>auch dann zu vermeiden sind, wenn sie von vielen Menschen geteilt werden und somit<\/em> \u2013 als ideologisches Bekenntnis \u2013<em> vielleicht einem beliebigen Gruppen- bzw. Korpsgeist entsprechen, <\/em>wie wir ihn von Diktaturen oder &#8222;verschworenen Gemeinschaften&#8220; kennen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Blo\u00dfe Ansichten sind belanglos, und eine &#8222;Meinungsfreiheit&#8220;, derzufolge schlie\u00dflich jeder sagen darf, was er &#8222;denkt&#8220;, ist <em>keine Errungenschaft der Demokratie, sondern zerst\u00f6rt sie<\/em>. Meinungs-<em>Freiheit<\/em> setzt Meinungs-<em>Bildung<\/em> im engeren Sinne voraus, und ohne diese w\u00e4re es zumeist besser, auf jene zu verzichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten von uns k\u00f6nnen es sich heute kaum leisten, Zeit und M\u00fche in die Auseinandersetzung mit einem Buch zu investieren, die sie anschlie\u00dfend bereuen w\u00fcrden, weil sich sein Inhalt r\u00fcckblickend als <em>oberfl\u00e4chlich, belanglos oder sinnleer<\/em> herausstellt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mit dem letzten Pr\u00e4dikat meine ich nicht die \u00fcbliche Frage &#8222;Was bringt mir das?&#8220;, weil sie selbst oberfl\u00e4chlich, belanglos und sinnleer ist. Wer dergleichen sucht, ist hier falsch und sollte besser Ratschl\u00e4ge zur Selbstverwirklichung, Anleitungen zur Erbauung und Tips vom Baumarkt oder Finanzberater lesen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">(&#8222;Tips&#8220; stimmt; ich halte mich an die alte Rechtschreibung, denn sie wurde gerade \u00fcberarbeitet, als ich endlich einigerma\u00dfen sicher darin war. Die vorreformerische Orthographie ist offiziell auch f\u00fcr B\u00fccher gestattet; sie mu\u00df nur konsequent von gestern sein, und dem versuche ich nachzukommen.)\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zahlreiche prominente Wissenschaftler deuten unser Zeitalter als das <em>Anthropoz\u00e4n<\/em>, weil erstmals <em>auch wir<\/em> <em>Menschen<\/em> \u00fcber das Schicksal des Lebens auf der Erde mitbestimmen \u2013 nicht mehr Sonneneruptionen, tektonische Verschiebungen, Meteoriteneinschl\u00e4ge, Seebeben oder Vulkanausbr\u00fcche <em>allein<\/em>. F\u00fcr Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker ist es &#8222;das Zeitalter, in dem der Mensch das gesamte Geschehen dominiert, bis hin zur bio-geochemischen Zusammensetzung der Erde&#8220;. Man mu\u00df weder Apokalyptiker oder Weltuntergangs-Prophet noch Verschw\u00f6rungstheoretiker sein, um derartige Szenarien ernstnehmen zu k\u00f6nnen, sondern nur die t\u00e4glichen Nachrichten verfolgen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Gemessen an den Privilegien, die ich angesichts der bisherigen Menschheitsgeschichte genie\u00dfe, indem ich hier und jetzt leben darf, tue ich nahezu nichts. Das Schreiben dieses Buches ist mein Versuch, mit oder trotz dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit den meisten anderen Menschen gegen\u00fcber leben zu k\u00f6nnen und mich nicht nur sch\u00e4men zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl ich seit bald 50 Jahren \u00fcber seinen Inhalt nachdenke, gelingt mir leider immer noch keine leicht verst\u00e4ndliche Darstellung, so da\u00df Ihnen die vorliegende gewi\u00df einige M\u00fche abverlangen wird. Dahinter steckt jedoch nicht die mitunter anzutreffende Wichtigtuerei, die eigenen Ausf\u00fchrungen <em>unn\u00f6tig verkomplizieren zu<\/em> <em>wollen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Schwierigkeit besteht vielmehr darin, da\u00df<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; meine Gedanken zum einen recht ungewohnt sind, weil ich mich nicht von ihrer Exotik verunsichern lasse, sofern sie mir als richtig oder gar relativ zwingend erscheinen, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; es zum anderen absolut keinen Sinn h\u00e4tte, wenn Sie mir <em>glauben<\/em> w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Das sollen und &#8222;d\u00fcrfen&#8220; Sie nicht<\/em>; vielmehr m\u00fc\u00dften Sie sich bem\u00fchen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; entweder m\u00f6glichst jeden Schritt als <em>folgerichtig zu erkennen<\/em> und auch \u2013 wenn es sein mu\u00df z\u00e4hneknirschend \u2013 <em>mitzugehen<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; oder ihn <em>aus guten Gr\u00fcnden abzulehnen. <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Gute Gr\u00fcnde k\u00f6nnen freilich nur Gegenargumente, aber nicht widersprechende Meinungen sein. &#8222;Ich sehe das anders&#8220; ist nicht nur kein <em>guter<\/em> Grund, sondern <em>gar keiner<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein &#8222;ja, aber . . .&#8220; hilft beim Denken nicht weiter; entweder &#8222;ja&#8220; oder &#8222;nein&#8220;; tertium non datur, denn jedes Dritte w\u00e4re nur ein fruchtloses Rumgeeiere.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Beim <em>Denken<\/em>; <em>im Leben ist das zumeist ganz anders<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Weder glaube ich an die Logik, noch bildet sie f\u00fcr mich das Nonplusultra <\/em>(wie mir mitunter vorgehalten wird); alles Wichtige im Leben oder das, was uns zu Menschen macht, transzendiert die Logik. Damit wird es aber <em>keineswegs unlogisch<\/em>, sondern befindet sich <em>als Alogisches jenseits der logischen Dimensionen und damit auch jenseits von richtig oder falsch<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bedeutet, da\u00df wir das Entscheidende useres Lebens nicht wissen, aussagen oder bezeichnen, sondern h\u00f6chstens beschreiben und darstellen k\u00f6nnen. Darin besteht nicht zuletzt die Aufgabe der Kunst, die also ebenso alogisch ist wie unser Leben. Sie kann letzteres auch tanzen, malen, vertonen oder in Stein mei\u00dfeln, dies aber weder richtig noch falsch tun, sondern vielleicht ausdrucksstark, \u00fcberzeugend oder mitrei\u00dfend.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer jedoch <em>nicht &#8222;nur&#8220; \u2013 mehr oder weniger treffend \u2013 beschreiben bzw. ausdr\u00fccken, sondern einen Anspruch auf Richtigkeit erheben<\/em> m\u00f6chte, mu\u00df jedoch logisch sauber arbeiten, denn andernfalls kann seine &#8222;Aussage&#8220; nicht nur nicht richtig, sondern nicht einmal falsch sein. Eine unlogische &#8222;Aussage&#8220; ist weder Aussage noch Kunst und kann weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um das Mitdenken zu erleichtern, versuche ich, alle Gedankeng\u00e4nge m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig wiederzugeben. Bei einem <em>Geflecht<\/em> von \u00dcberlegungen ergeben sich daraus zwangsl\u00e4ufig viele \u00dcberschneidungen, das hei\u00dft, Wiederholungen und somit Redundanz. Die nehme ich bewu\u00dft inkauf, und vielleicht kommt Ihnen dieses &#8222;schon wieder&#8220; mitunter sogar ganz gelegen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Hinter mir liegt ein Denkweg, f\u00fcr den ich, wie schon gesagt, <em>Jahrzehnte<\/em> ben\u00f6tigt habe. Wenn Sie immer noch ein St\u00fcckchen brauchen, um ihn nachvollziehen zu k\u00f6nnen, w\u00e4re das meines Erachtens also nicht sonderlich \u00fcberraschend<em>.\u00a0<\/em>Aber vielleicht ist es auch nur halb so schlimm, weil irgendwann der flow einsetzt und Sie dann \u2013 ebenso wie es mir erging \u2013 gar nicht mehr aufh\u00f6ren wollen oder k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Betrachten Sie mein Buch als eine &#8222;Abk\u00fcrzung&#8220;, mit der ich dem einen oder anderen Leser bzw. H\u00f6rer bereits helfen konnte, wor\u00fcber ich sehr froh und wof\u00fcr ich sehr dankbar bin.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich antworte Ihnen auf jede Kritik, die <em>sich sachlich auf den Ansatz einl\u00e4\u00dft und meine darin enthaltenen Fehler, L\u00fccken bzw. Unsauberkeiten im Auge hat<\/em>. Da\u00df man auch <em>anders<\/em> denken oder es <em>ganz unterlassen<\/em> kann, wei\u00df ich bereits, und blo\u00dfe Meinungen interessieren mich nicht \u2013 v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, <em>wer<\/em> sie \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Herr M\u00fcller sagt aber . . .&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Na und? Frau Meier meint auch etwas.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Pr\u00fcfet alles und behaltet <em>das Gute<\/em>&#8222;, nicht aber &#8222;. . . das, was <em>die Guten <\/em>sagen&#8220;. Denn wer diese sind, m\u00fcssen wir <em>erst selbst herausbekommen<\/em> und wissen wir somit bestenfalls <em>nach unserem eigenen Erkennen des Guten.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erlebe sehr h\u00e4ufig, da\u00df diese Priorit\u00e4ten vertauscht werden; das erleichtert den &#8222;Denkern&#8220; nicht nur die Auseinandersetzung, sondern erspart sie ihnen sogar. Genau darin scheint mir jedoch einer der gro\u00dfen Fehler zu bestehen, an denen unsere Gesellschaft heute krankt:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Leider wollen bzw. k\u00f6nnen vielleicht auch sehr viele Menschen nicht selbst denken, sondern m\u00f6chten lieber gesagt bekommen, was richtig oder gar wahr ist. Ich bin fest \u00fcberzeugt, da\u00df diese Un-Kultur hinter die Aufkl\u00e4rung zur\u00fcck und damit in eine tiefe Krise f\u00fchren mu\u00df.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Zeit ist zwar irreversibel, das bedeutet jedoch nicht, da\u00df die Errungenschaften der Vorfahren zu einem festen Beststand oder Besitz unserer Gesellschaft geworden sein m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Aufkl\u00e4rung beispielsweise geh\u00f6rt als geschichtliche Epoche ins 18. Jahrhundert, aber daraus folgt keineswegs, da\u00df <em>wir aufgekl\u00e4rt sind<\/em>. <em>Wer nicht tagt\u00e4glich versucht, selbst kritisch zu denken, f\u00e4llt hinter das damals bereits m\u00f6gliche Niveau zur\u00fcck<\/em>. Unsere pers\u00f6nliche Aufkl\u00e4rung ist<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; keine historische Tatsache, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; eine Praktik, ein Ereignis oder Vollzug, die nur im jeweiligen Jetzt und Jetzt m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Geschehen sie da nicht kontinuierlich, sind wir nicht aufgekl\u00e4rt.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ecclesia semper reformanda&#8220;; <em>alle Kirchen und nicht nur sie brauchen eine kontinulierliche Reformation<\/em>, um nicht in ihren Traditionen zu erstarren oder an ihnen zu ersticken und damit den Glauben und das Denken zu verunm\u00f6glichen. Bei den Kirchen ist das besonders problematisch, weil vielen Menschen ihr Glauben sehr wichtig ist und sie \u2013 aus Angst, ihn zu verlieren \u2013 zu einem traditionell-konservativen Denken neigen. Das mu\u00df nicht falsch sein, birgt aber immer die Gefahr, in eine sturen Fundamentalismus zu verfallen.\u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"T286Pc\" data-sfc-cp=\"\" data-processed=\"true\">In Philosophie und Theologie geht es nicht um &#8222;ewige Wahrheiten&#8220; und weder um Kontemplation noch um R\u00fcckschau, sondern darum, <em>neue Begrifflichkeiten zu schaffen, die Antworten auf die spezifischen Probleme der jeweiligen Gegenwart erm\u00f6glichen.\u00a0<\/em><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Winston Churchill schrieb: &#8222;Ein vern\u00fcnftiger Text soll das Thema ersch\u00f6pfen, nicht die Zuh\u00f6rer.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">(Ich will mich einerseits nicht mit fremden Federn schm\u00fccken und gebe deshalb gerne andere Autoren wieder, wenn ich glaube, da\u00df sie meine \u00dcberlegungen besser zum Ausdruck bringen, als ich das vermag.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Andererseits langweilt mich aber das Suchen nach den Quellen, und deshalb &#8222;zitiere&#8220; ich zumeist recht locker aus der Erinnerung. Mir geht es also nur um den Inhalt und nicht um die sogenannte &#8222;wissenschaftliche Exaktheit&#8220;, mit der ich auch sonst wenig anfangen kann. Warum soll &#8222;wissenschaftlich&#8220; eo ipso ein positives Pr\u00e4dikat sein? Bedeutet es nicht sehr h\u00e4ufig auch &#8222;engstirnig&#8220;, &#8222;voreingenommen&#8220;, &#8222;einseitig&#8220; oder &#8222;\u00fcberheblich&#8220;?)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck zu Churchill; bez\u00fcglich des <em>Themas<\/em> habe ich kein ganz schlechtes Gef\u00fchl . . .<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Den tapferen Lesern w\u00fcnsche ich die Erfahrung, da\u00df letztlich wohl nur eigene Anstrengungen vor Langeweile bewahren, zur Sinnfindung beitragen und Erf\u00fcllung erm\u00f6glichen oder gl\u00fccklich machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich hoffe und glaube sogar ein wenig, da\u00df Sie am Ende nicht das Gef\u00fchl haben werden, um Ihre Zeit betrogen worden zu sein. Mir hat sich eine neue Sicht auf mein Leben erschlossen, die ich am besten als <em>&#8222;befreiend&#8220;<\/em> charakterisieren w\u00fcrde, weil<em> s\u00e4mtliche Denk- und Rede-Zw\u00e4nge aufgrund angeblicher Evidenz, Logik oder Dogmatik jeglicher Couleur entfallen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Freiheit bedeutet<\/em> meines Erachtens<em>, ich selbst sein zu k\u00f6nnen und das denken, sagen und <\/em>(mit Einschr\u00e4nkung)<em> tun d\u00fcrfen, wovon ich \u00fcberzeugt bin und was mir am Herzen liegt<\/em>. Ein um Wahrheit bem\u00fchter Widerstreit hilft mir dabei, weil er meine Ansichten \u2013 m\u00f6glicherweise sogar korrigiert, mit Sicherheit aber \u2013 sch\u00e4rft.\u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Es ist klar, da\u00df jeder von uns diese Gedanken f\u00fcr sich selbst formulieren mu\u00df.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich werde des \u00f6fteren zur ersten Person Singular wechseln, ohne nochmals darauf hinzuweisen. Das resultiert nicht aus einer \u00fcbersteigerten Egomanie, sondern aus dem Willen, mich m\u00f6glichst exakt und verst\u00e4ndlich auszudr\u00fccken; in der Ich-Form ist das h\u00e4ufig leichter m\u00f6glich.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt meines Erachtens kein &#8222;so ist es&#8220;, sondern lediglich ein &#8222;ich kann es mir nach bestem Wissen und Gewissen nicht anders vorstellen&#8220; oder &#8222;es entspricht meiner festen \u00dcberzeugung&#8220;. Wer sie <em>als wahr betrachtet<\/em>, ist \u2013 Sie verzeihen mir bitte \u2013 entweder erschreckend anma\u00dfend oder unglaublich einf\u00e4ltig.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dieser Wegfall des &#8222;so ist es&#8220; bzw. der objektiven Welt pa\u00dft zum christlichen Glauben, der uns freimachen will, um m\u00f6glichst ohne Hindernisse und Grenzen nach der Wahrheit suchen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Wahrheit setzt Freiheit voraus;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die Freiheit aber nicht Wahrheit, sondern nur das Streben nach ihr; das wu\u00dfte schon Lessing:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatz, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte&#8220;, w\u00fcrde ich mit Lessing die linke Hand w\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nicht aus gespielter Bescheidenheit oder Demut, sondern wegen meiner tats\u00e4chlichen<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Hochachtung vor der Wahrheit und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Einsicht in die eigene Endlichkeit.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich beschreibe Ihnen also nicht \u2013 im Sinne eines Ratgebers \u2013<em> den Weg zu Ihrem Gl\u00fcck oder Heil, sondern will Ihnen verst\u00e4ndlich machen, da\u00df Sie daf\u00fcr im wesentlichen selbst zust\u00e4ndig und verantwortlich sind.<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich bleiben die <em>letzten<\/em> Bedingungen und Umst\u00e4nde unseres Lebens absolut unverf\u00fcgbar. Aber damit sollten wir uns nicht herausreden, denn <em>bis wir zu ihnen gelangen, t\u00fcrmen sich<\/em> <em>viele st\u00f6rende \u00dcberzeugungen auf, die unsere Freiheit unn\u00f6tig begrenzen<\/em>, <em>weil wir sie irrt\u00fcmlich als objektiv oder unumg\u00e4nglich betrachten<\/em> \u2013 sei es als Natur, Evidenz oder Dogma \u2013, tats\u00e4chlich aber \u00fcberformen k\u00f6nnten, um freier zu werden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser erster Teil bildet eine Einleitung, deren Sinn darin besteht, Sie mit meinen Grundannahmen sowie dem Flair oder der Atmosph\u00e4re des Buches vertraut zu machen und sein Ziel zu verdeutlichen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite Teil soll\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; Ihnen eine Ahnung vom Gesamtkonzept mit<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; seinen wichtigsten Grundbegriffen vermitteln und<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; damit eine Ausgangsbasis f\u00fcr unsere weiteren \u00dcberlegungen schaffen sowie<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; diese ein klein wenig in das geistige Leben der Gegenwart einordnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die hier dargestellten \u00dcberlegungen entsprechen dem Gerippe des Ganzen; das Fleisch wird ihm erst im vierten Teil hinzugef\u00fcgt.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazwischen, im dritten Teil, stelle ich das traditionelle abendl\u00e4ndische Denken m\u00f6glichst unvoreingenommen dar und versuche, es sachlich, ohne alle Polemik sowie argumentativ stark zu kritisieren.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Insbesondere soll hierbei erkennbar werden, weshalb ich fest \u00fcberzeugt bin, da\u00df wir das traditionelle Denken \u00fcberwinden und nach einer postmodernen Alternative suchen m\u00fcssen, die weniger<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>philosophische Glaubensbekenntnisse <\/em>und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>Denkfehler<\/em>\u00a0enth\u00e4lt.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Vorschlag f\u00fcr eine solche Alternative wird im vierten Teil ausf\u00fchrlich dargestellt, der somit \u2013 auch vom Umfang her \u2013 den Schwerpunkt unserer \u00dcberlegungen bildet.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Postmoderne ist ein schillernder Begriff, der h\u00e4ufig stark polarisiert und sehr unterschiedliche Bedeutungen besitzen kann. Auf diese Vielfalt gehen wir jedoch gar nicht ein; ich stelle Ihnen <em>nur meinen eigenen Ansatz<\/em> vor, der \u2013 neben tausend anderen Varianten \u2013 zweifellos auch zur Postmoderne z\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das &#8222;Alleinstellungsmerkmal&#8220;, das ihn auszeichnet, besteht wie bereits gesagt darin,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; m\u00f6glichst wenige unbegr\u00fcndete Annahmen zu treffen, das hei\u00dft,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; ganz konsequent zu denken und somit<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; selbst gespannt darauf sein zu k\u00f6nnen, wohin eine solche Reise des Geistes f\u00fchrt.\u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das waren sehr viele Zitate; sie sollten die Richtung andeuten, in die wir uns bewegen werden, und Ihnen damit eine Entscheidung erm\u00f6glichen, ob es sich eventuell lohnen k\u00f6nnte, mein Buch zu lesen. Haben Sie keine Sorge, da\u00df es in diesem Stil \u2013 also auch ein wenig langweilig und erm\u00fcdend \u2013 weitergehen k\u00f6nnte. 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