{"id":3988,"date":"2024-12-28T19:43:20","date_gmt":"2024-12-28T17:43:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=3988"},"modified":"2026-09-14T19:39:27","modified_gmt":"2026-09-14T17:39:27","slug":"1-einleitung-kurz","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/","title":{"rendered":"1.  Einleitung"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Das waren sehr viele Zitate; sie sollten die Richtung andeuten, in die wir uns bewegen werden, und Ihnen damit eine Entscheidung erm\u00f6glichen, ob es sich eventuell lohnen k\u00f6nnte, mein Buch zu lesen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Haben Sie keine Sorge, da\u00df es in diesem Stil \u2013 also auch ein wenig langweilig und erm\u00fcdend \u2013 weitergeht. Ganz im Gegenteil; ich versuche, <em>selbst zu denken,<\/em> finde das unheimlich spannend, weil man m\u00f6glicherweise gezwungen wird, einen v\u00f6llig unbekannten Weg in geistiges Neuland zu wagen, und lade Sie ein, mich dabei zu begleiten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn Sie Fehler finden, hat sich das Thema f\u00fcr Sie h\u00f6chstwahrscheinlich erledigt. Aber ich w\u00e4re Ihnen sehr dankbar, wenn Sie mich kurz auf die entsprechenden Schwachstellen hinweisen w\u00fcrden. Ich danke Ihnen schon im Voraus und bitte um Entschuldigung f\u00fcr mein Versehen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0Unter Fehlern verstehe ich insbesondere logische Widerspr\u00fcche, fehlende Denkm\u00f6glichkeiten und ungerechtfertigte Annahmen jeglicher Couleur, also nicht nur wissenschaftliche, sondern auch weltanschaulich-religi\u00f6se oder allt\u00e4gliche.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Keinen Fehler bedeutet es freilich, gegen den Strich zu denken oder vom Zeitgeist mit seinen Plattit\u00fcden abzuweichen, von dem also, was &#8222;<em>man<\/em> sagt&#8220; oder &#8222;<em>jeder<\/em> wei\u00df&#8220;. Solche &#8222;Selbstverst\u00e4ndlichkeiten&#8220; interessieren mich nicht im geringsten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dabei darf es nat\u00fcrlich nicht um das Widersprechen als Selbstzweck gehen, wie wir es heute in unserer Gesellschaft \u2013 mit nahezu beliebigen Begr\u00fcndungen oder auch ganz ohne sie \u2013 tagt\u00e4glich erleben. Entscheidend ist lediglich, da\u00df Unsinnigkeiten <em>auch dann zu vermeiden sind, wenn sie von vielen Menschen geteilt werden und somit<\/em> \u2013 gewisserma\u00dfen als ideologisches Bekenntnis \u2013<em> einem beliebigen Gruppen- bzw. Korpsgeist entsprechen, <\/em>wie wir ihn von Diktaturen oder &#8222;verschworenen Gemeinschaften&#8220; kennen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Blo\u00dfe Ansichten sind belanglos, und eine &#8222;Meinungsfreiheit&#8220;, derzufolge schlie\u00dflich jeder sagen darf, was er &#8222;denkt&#8220;, ist <em>keine Errungenschaft der Demokratie, sondern zerst\u00f6rt sie<\/em>. Meinungs-<em>Freiheit<\/em> setzt Meinungs-<em>Bildung<\/em> im engeren Sinne voraus, und ohne diese w\u00e4re es h\u00e4ufig besser, auf jene zu verzichten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die meisten von uns k\u00f6nnen es sich heute kaum leisten, Zeit und M\u00fche in die Auseinandersetzung mit einem Buch zu investieren, die sie anschlie\u00dfend bereuen w\u00fcrden, weil sich sein Inhalt r\u00fcckblickend als <em>oberfl\u00e4chlich, belanglos oder sinnleer<\/em> herausstellt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mit dem letzten Pr\u00e4dikat meine ich nicht die \u00fcbliche Frage &#8222;Was bringt mir das?&#8220;, weil sie selbst oberfl\u00e4chlich, belanglos und sinnleer ist. Wer dergleichen sucht, ist hier falsch und sollte besser Ratschl\u00e4ge zur Selbstverwirklichung, Anleitungen zur Erbauung und Tips vom Baumarkt oder Finanzberater lesen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">(&#8222;Tips&#8220; stimmt; ich halte mich an die alte Rechtschreibung, denn sie wurde gerade \u00fcberarbeitet, als ich endlich einigerma\u00dfen sicher darin war. Die vorreformerische Orthographie ist offiziell auch f\u00fcr B\u00fccher gestattet; sie mu\u00df nur konsequent von gestern sein, und dem versuche ich nachzukommen.)\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zahlreiche prominente Wissenschaftler deuten unser Zeitalter als das <em>Anthropoz\u00e4n<\/em>, weil erstmals <em>auch wir<\/em> <em>Menschen<\/em> \u00fcber das Schicksal des Lebens auf der Erde mitbestimmen \u2013 nicht mehr Sonneneruptionen, tektonische Verschiebungen, Meteoriteneinschl\u00e4ge, Seebeben oder Vulkanausbr\u00fcche <em>allein<\/em>. F\u00fcr Ernst Ulrich von Weizs\u00e4cker ist es &#8222;das Zeitalter, in dem der Mensch das gesamte Geschehen dominiert, bis hin zur bio-geochemischen Zusammensetzung der Erde&#8220;. Man mu\u00df weder Apokalyptiker oder Weltuntergangs-Prophet noch Verschw\u00f6rungstheoretiker sein, um derartige Szenarien ernstnehmen zu k\u00f6nnen, sondern nur die t\u00e4glichen Nachrichten verfolgen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Gemessen an den Privilegien, die ich angesichts der bisherigen Menschheitsgeschichte genie\u00dfe, indem ich hier und jetzt leben darf, tue ich nahezu nichts. Das Schreiben dieses Buches ist mein Versuch, mit oder trotz dieser himmelschreienden Ungerechtigkeit den meisten anderen Menschen gegen\u00fcber leben zu k\u00f6nnen und mich nicht <em>nur<\/em> sch\u00e4men zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Simpel ausgedr\u00fcckt m\u00f6chte ich etwas zur\u00fcckgeben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Obwohl ich seit bald 50 Jahren \u00fcber den Inhalt des Buches nachdenke, gelingt mir leider immer noch keine leicht verst\u00e4ndliche Darstellung, so da\u00df Ihnen die vorliegende gewi\u00df einige M\u00fche abverlangen wird. Dahinter steckt jedoch nicht die mitunter anzutreffende Wichtigtuerei, die eigenen Ausf\u00fchrungen <em>unn\u00f6tig verkomplizieren zu<\/em> <em>wollen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Schwierigkeit besteht vielmehr darin, da\u00df<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; meine Gedanken zum einen sehr ungewohnt sind, weil ich mich nicht von ihrer Exotik verunsichern lasse, sofern sie mir als richtig oder gar relativ zwingend erscheinen, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; es zum anderen absolut keinen Sinn h\u00e4tte, wenn Sie mir <em>glauben<\/em> w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Das sollen und &#8222;d\u00fcrfen&#8220; Sie nicht<\/em>; vielmehr m\u00fc\u00dften Sie sich bem\u00fchen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; entweder m\u00f6glichst jeden Schritt innehalb seiner Grenzen als <em>folgerichtig zu erkennen<\/em> und dann auch \u2013 wenn es sein mu\u00df z\u00e4hneknirschend \u2013 <em>mitzugehen<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; oder ihn <em>aus guten Gr\u00fcnden abzulehnen. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Gute Gr\u00fcnde k\u00f6nnen freilich nur Gegenargumente, aber nicht widersprechende Meinungen sein. &#8222;Ich sehe das anders&#8220; ist nicht nur kein <em>guter<\/em> Grund, sondern <em>gar keiner<\/em>. <em>Weshalb<\/em> sehen Sie es trotz meiner Argumentation anders?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zu <em>unserem<\/em> Anthropoz\u00e4n geh\u00f6rt ganz wesentlich, da\u00df ein gemeinsames sauberes Denken weitestgehend fehlt. Das war wohl &#8222;schon immer&#8220; so; aber in einer monolithischen oder autorit\u00e4tsgl\u00e4ubigen Gesellschaft ist eine geistige Beweglichkeit f\u00fcr das Zusammenleben wohl auch nicht unbedingt erforderlich. Die vor uns stehende (zum Gl\u00fcck) pluralistische Epoche kann ohne seri\u00f6se geistige Auseinandersetzungen jedoch nur friedlos werden, weil die unaufhebbaren Differenzen dann eben anders ausgetragen werden m\u00fcssen.\u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Und willst du nicht mein Bruder sein, . . .&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein &#8222;ja, aber . . .&#8220; hilft beim Denken nicht weiter; entweder &#8222;ja&#8220; oder &#8222;nein&#8220;; tertium non datur, denn jedes Dritte w\u00e4re nur ein fruchtloses Rumgeeiere.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Beim <em>Denken<\/em>; <em>im Leben ist das zumeist ganz anders<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Weder glaube ich an die Logik, noch bildet sie f\u00fcr mich das Nonplusultra <\/em>(wie mir mitunter vorgehalten wird); alles Wichtige im Leben oder das, was uns zu Menschen macht, transzendiert die Logik. Damit wird es jedoch <em>keineswegs unlogisch<\/em>, sondern befindet sich <em>als Alogisches jenseits der logischen Dimensionen \u2013 aber damit freilich auch jenseits von richtig oder falsch<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das bedeutet, da\u00df wir das Entscheidende useres Lebens nicht wissen, aussagen oder bezeichnen, sondern h\u00f6chstens beschreiben und darstellen k\u00f6nnen. Darin besteht nicht zuletzt die Aufgabe der Kunst, die also ebenso alogisch ist wie unser Leben. Sie kann letzteres auch tanzen, malen, singen, vertonen oder in Stein mei\u00dfeln, dies aber weder richtig noch falsch tun, sondern vielleicht ausdrucksstark, \u00fcberzeugend, mitrei\u00dfend oder einfach sch\u00f6n.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer jedoch <em>nicht &#8222;nur&#8220; \u2013 mehr oder weniger treffend \u2013 beschreiben bzw. ausdr\u00fccken, sondern einen Anspruch auf Richtigkeit erheben<\/em> m\u00f6chte, mu\u00df logisch sauber arbeiten, denn andernfalls kann seine &#8222;Aussage&#8220; nicht nur nicht richtig, sondern nicht einmal falsch sein.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Eine unlogische &#8222;Aussage&#8220; ist weder Aussage noch Kunst und kann weg.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Um das Mitdenken zu erleichtern, versuche ich, alle Gedankeng\u00e4nge m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig wiederzugeben. Bei einem <em>Geflecht<\/em> von \u00dcberlegungen ergeben sich daraus zwangsl\u00e4ufig viele \u00dcberschneidungen, das hei\u00dft, Wiederholungen und somit Redundanz. Die nehme ich bewu\u00dft inkauf, und vielleicht kommt Ihnen dieses &#8222;schon wieder&#8220; mitunter sogar ganz gelegen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Hinter mir liegt ein Denkweg, f\u00fcr den ich, wie schon gesagt, <em>Jahrzehnte<\/em> ben\u00f6tigt habe. Wenn Sie immer noch ein St\u00fcckchen brauchen, um ihn nachvollziehen zu k\u00f6nnen, w\u00e4re das meines Erachtens also weder sonderlich \u00fcberraschend noch \u00e4rgerlich<em>.\u00a0<\/em>Aber vielleicht ist es auch nur halb so schlimm, weil irgendwann der flow einsetzt und Sie dann \u2013 ebenso wie es mir erging \u2013 gar nicht mehr aufh\u00f6ren wollen oder k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Betrachten Sie mein Buch als eine &#8222;Abk\u00fcrzung&#8220;, mit der ich dem einen oder anderen Leser bzw. H\u00f6rer bereits helfen konnte, wor\u00fcber ich sehr froh und wof\u00fcr ich sehr dankbar bin.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich antworte Ihnen auf jede Kritik, die <em>sich sachlich auf den Ansatz einl\u00e4\u00dft und meine darin enthaltenen Fehler, L\u00fccken bzw. Unsauberkeiten im Auge hat<\/em>. Da\u00df man auch <em>anders<\/em> denken oder es <em>ganz unterlassen<\/em> kann, wei\u00df ich bereits, und blo\u00dfe Meinungen interessieren mich nicht \u2013 v\u00f6llig unabh\u00e4ngig davon, <em>wer<\/em> sie \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Herr M\u00fcller sagt aber . . .&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Na und? Frau Meier meint auch etwas.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Pr\u00fcfet alles und behaltet <em>das Gute<\/em>&#8222;, nicht aber das, was &#8222;<em>die Guten&#8220; <\/em>sagen. Denn wer zu ihnen geh\u00f6rt, m\u00fcssen wir erst herausfinden, indem wir<em> das, was wir subjektiv als gut erachten, selbst erkennen.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich erlebe sehr h\u00e4ufig, da\u00df diese Priorit\u00e4ten vertauscht werden; das erleichtert den &#8222;Denkern&#8220; nicht nur die Auseinandersetzung, sondern erspart sie ihnen sogar. Damit kommen wir auf das soeben angedeutete Manko unseres Anthropoz\u00e4n zur\u00fcck:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Leider wollen bzw. k\u00f6nnen sehr viele Menschen nicht selbst denken und m\u00f6chten gesagt bekommen, was richtig oder gar wahr ist. Da ich niemanden beleidigen m\u00f6chte, verzichten wir auf Beispiele, aber sie er\u00fcbrigen sich heute wohl ohnehin. Ich bin fest \u00fcberzeugt, da\u00df eine solche Un-Kultur hinter die Aufkl\u00e4rung zur\u00fcck und damit in eine tiefe Krise f\u00fchren mu\u00df. Wir d\u00fcrfen nicht die K\u00fcnstliche Intelligenz nutzen und selbst denken wie im Mittelalter; dann ist die Furcht vor einer \u00fcberm\u00e4chtigen Technik nat\u00fcrlich begr\u00fcndet.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die KI erweist sich dann nicht als intelligenter, sondern wir selbst machen uns d\u00fcmmer als sie ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Irreversibilit\u00e4t der Zeit bedeutet nicht, da\u00df die Errungenschaften der Vorfahren zu einem festen Beststand oder Besitz unserer Gesellschaft geworden sein m\u00fc\u00dften.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Aufkl\u00e4rung beispielsweise geh\u00f6rt als geschichtliche Epoche ins 18. Jahrhundert, aber daraus folgt keineswegs, da\u00df <em>wir aufgekl\u00e4rt sind<\/em>. <em>Wer nicht tagt\u00e4glich versucht, selbst kritisch zu denken, f\u00e4llt hinter das damals bereits m\u00f6gliche Niveau zur\u00fcck<\/em>. Unsere pers\u00f6nliche Aufkl\u00e4rung<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; stellt <em>keine historische Tatsache<\/em> dar, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; bildet <em>eine Praktik, die nur im jeweiligen Hier und Jetzt m\u00f6glich ist<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Wird sie da nicht kontinuierlich vollzogen<\/em>, halten wir uns vielleicht f\u00fcr aufgekl\u00e4rt, sind es aber nicht.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ecclesia semper reformanda&#8220;; <em>alle Kirchen und nicht nur sie brauchen eine kontinulierliche Reformation<\/em>, um nicht in ihren Traditionen zu erstarren oder an ihnen zu ersticken und damit den Glauben und das Denken zu verunm\u00f6glichen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei den Kirchen ist das besonders problematisch, weil vielen Menschen ihr Glauben sehr wichtig ist und sie \u2013 aus Angst, ihn zu verlieren \u2013 zu einem traditionell-konservativen Denken neigen. Das mu\u00df nicht falsch sein, birgt aber immer die Gefahr, in einen sturen Fundamentalismus zu verfallen. Erik Fl\u00fcgge beschreibt in seinem Buch &#8222;Der Jargon der Betroffenheit&#8220;, &#8222;wie die Kirche an ihrer Sprache verreckt&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><span class=\"T286Pc\" data-sfc-cp=\"\" data-processed=\"true\">In Philosophie und Theologie geht es nicht um &#8222;ewige Wahrheiten&#8220; und weder um Kontemplation noch um R\u00fcckschau, sondern darum, <em>neue Begrifflichkeiten zu schaffen.<\/em> Sie sollen den Menschen unmittelbar helfen,<em> mit den spezifischen Problemen der jeweiligen Gegenwart zu leben, denn diese sind ebenfalls durch neue Begrifflichkeiten entstanden, w\u00e4ren mit den alten nicht einmal denkbar und k\u00f6nnen somit auf deren Grundlage auch nicht gel\u00f6st werden.<\/em><\/span><\/p>\n<p class=\"Indent\">\u201eTradition ist nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers\u201c (Jean Jaur\u00e8s).<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Winston Churchill schrieb: &#8222;Ein vern\u00fcnftiger Text soll das Thema ersch\u00f6pfen, nicht die Zuh\u00f6rer.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">(Ich will mich einerseits nicht mit fremden Federn schm\u00fccken und gebe deshalb gerne andere Autoren wieder, wenn ich glaube, da\u00df sie meine \u00dcberlegungen besser zum Ausdruck gebracht haben, als ich das vermag.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Andererseits langweilt mich aber das Suchen nach den Quellen, und deshalb &#8222;zitiere&#8220; ich zumeist recht locker aus der Erinnerung. Mir geht es also nur um den Inhalt und nicht um die sogenannte &#8222;wissenschaftliche Exaktheit&#8220;, mit der ich auch sonst wenig anfangen kann. Warum soll &#8222;wissenschaftlich&#8220; eo ipso ein positives Pr\u00e4dikat sein? Bedeutet es nicht sehr h\u00e4ufig auch &#8222;engstirnig&#8220;, &#8222;voreingenommen&#8220;, &#8222;einseitig&#8220; oder gar &#8222;\u00fcberheblich&#8220;?)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zur\u00fcck zu Churchill; bez\u00fcglich des <em>Themas<\/em> habe ich kein ganz schlechtes Gef\u00fchl . . .<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Den tapferen Lesern w\u00fcnsche ich die Erfahrung, da\u00df letztlich wohl nur eigene Anstrengungen vor Langeweile bewahren, zur Sinnfindung beitragen und Erf\u00fcllung erm\u00f6glichen oder gl\u00fccklich machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich hoffe und glaube sogar ein wenig, da\u00df Sie am Ende nicht das Gef\u00fchl haben werden, um Ihre Zeit betrogen worden zu sein. Mir hat sich eine neue Sicht auf mein Leben erschlossen, die ich am besten als <em>&#8222;befreiend&#8220;<\/em> charakterisieren w\u00fcrde, weil<em> s\u00e4mtliche Denk- und Rede-Zw\u00e4nge aufgrund angeblicher Evidenz, Logik oder Dogmatik jeglicher Couleur entfallen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Freiheit bedeutet<\/em> meines Erachtens<em>, ich selbst sein zu k\u00f6nnen und das denken, sagen und <\/em>(mit Einschr\u00e4nkung)<em> tun zu d\u00fcrfen, von dessen Richtigkeit ich \u00fcberzeugt bin und was mir am Herzen liegt<\/em>. Ein um Wahrheit bem\u00fchter Widerstreit hilft mir dabei, weil er meine Ansichten \u2013 m\u00f6glicherweise sogar korrigiert, mit Sicherheit aber \u2013 sch\u00e4rft.\u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Es ist klar, da\u00df jeder von uns diese Gedanken f\u00fcr sich selbst formulieren mu\u00df.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich werde des \u00f6fteren zur ersten Person Singular wechseln, ohne nochmals darauf hinzuweisen. Das resultiert nicht aus einer \u00fcbersteigerten Egomanie, sondern aus dem Willen, mich m\u00f6glichst exakt und verst\u00e4ndlich auszudr\u00fccken; in der Ich-Form ist das h\u00e4ufig leichter m\u00f6glich.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt meines Erachtens kein &#8222;so ist es&#8220;, sondern lediglich ein &#8222;ich kann mir das nach bestem Wissen und Gewissen gegenw\u00e4rtig nicht anders vorstellen&#8220; oder &#8222;das entspricht zur Zeit meiner festen, aber nat\u00fcrlich korrigierbaren \u00dcberzeugung&#8220;. Wer sie <em>als wahr betrachtet<\/em>, ist jedoch \u2013 Sie verzeihen mir bitte \u2013 entweder erschreckend anma\u00dfend oder unglaublich einf\u00e4ltig.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>\u00dcberzeugungen und die Wahrheit haben aber auch gar nichts miteinander zu tun<\/em>. Die Begr\u00fcndung ist denkbar einfach, denn <em>erstere sollte jeder und letztere kann keiner besitzen<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Wer <em>keine \u00dcberzeugung hat<\/em> oder<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>glaubt, \u00fcber die Wahrheit zu verf\u00fcgen,<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">ist kein ernstzunehmender Gespr\u00e4chspartner.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dieser Wegfall des &#8222;so ist es&#8220; bzw. der objektiven Welt pa\u00dft zum christlichen Glauben, der uns freimachen will, um m\u00f6glichst ohne Hindernisse und Grenzen nach der Wahrheit suchen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Wahrheit setzt Freiheit voraus;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die Freiheit aber nicht Wahrheit, sondern nur das Streben nach ihr; das wu\u00dfte schon Lessing:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wenn Gott in seiner Rechten alle Wahrheit und in seiner Linken den einzigen immer regen Trieb nach Wahrheit, obschon mit dem Zusatz, mich immer und ewig zu irren, verschlossen hielte&#8220;, w\u00fcrde ich mit Lessing die linke Hand w\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nicht aus gespielter Bescheidenheit oder Demut, sondern wegen meiner tats\u00e4chlichen<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Hochachtung vor der Wahrheit und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Einsicht in die eigene Endlichkeit.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Damit widerspreche ich explizit Karl-Heinz Menke und seinem Buch &#8222;Macht die Wahrheit frei oder die Freiheit wahr?&#8220;. <em>Keines von beiden<\/em>, sondern <em>die Freiheit bildet die notwendige Vorausetzung daf\u00fcr, da\u00df wir uns um Wahrheit bem\u00fchen k\u00f6nnen<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich beschreibe Ihnen also nicht \u2013 im Sinne eines Ratgebers \u2013<em> den Weg zu Ihrem Gl\u00fcck oder Heil, sondern will Ihnen unter anderem verst\u00e4ndlich machen, da\u00df Sie daf\u00fcr im wesentlichen selbst zust\u00e4ndig und verantwortlich sind.<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich bleiben die <em>letzten<\/em> Bedingungen und Umst\u00e4nde unseres Lebens absolut unverf\u00fcgbar. Aber damit sollten wir uns nicht herausreden, denn <em>bis wir zu ihnen gelangen, t\u00fcrmen sich<\/em> f\u00fcr die meisten von uns <em>viele st\u00f6rende \u00dcberzeugungen auf, welche die Freiheit unn\u00f6tig begrenzen<\/em>, <em>weil wir sie irrt\u00fcmlich als objektiv oder unumg\u00e4nglich betrachten<\/em> \u2013 sei es als Welt, Gesetz, Evidenz, oder Dogma \u2013, tats\u00e4chlich aber \u00fcbergehen sollten, um freier zu werden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser erster Teil bildet eine Einleitung, deren Sinn darin besteht, Sie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sowohl mit dem traditionellen Denken<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; als auch mit dem Flair oder der Atmosph\u00e4re des Buches sowie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; seinem Ziel vertraut zu machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im zweiten Teil versuche ich, das traditionelle abendl\u00e4ndische Weltbild m\u00f6glichst sachlich und argumentativ stark zu kritisieren. Dabei soll deutlich werden, da\u00df dieses Denken einige<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; <em>philosophische Glaubensbekenntnisse <\/em>und<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211;<em>Widerspr\u00fcche<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\">enth\u00e4lt, die wir unbedingt wissen und m\u00f6glichst korrigieren sollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der dritte Teil bildet das Ziel und \u2013 auch vom Umfang her \u2013 den Schwerpunkt unserer \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Dieser Versuch zu einer postmodernen Philosophie der Freiheit kann sowohl<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; als <em>Korrektur <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; wie auch als <em>Alternative des traditionellen Modells\u00a0<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\">verstanden werden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich hoffe sehr, da\u00df uns die praktischen Konsequenzen, die sich aus einem solchen Umdenken ergeben k\u00f6nnten, die L\u00f6sung der zahllosen Probleme, vor denen wir gegenw\u00e4rtig offensichtlich stehen, erleichtern.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Postmoderne ist freilich ein schillernder Begriff, der h\u00e4ufig stark polarisiert und sehr unterschiedliche Bedeutungen besitzen kann. Auf diese Vielfalt gehen wir jedoch gar nicht ein, denn das ist kein Lehrbuch; ich stelle Ihnen <em>nur meinen eigenen Ansatz<\/em> vor, der \u2013 neben tausend anderen Varianten \u2013 zweifellos auch zur Postmoderne z\u00e4hlt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das &#8222;Alleinstellungsmerkmal&#8220;, das ihn auszeichnet, besteht wie bereits gesagt darin,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; kaum unbegr\u00fcndete Annahmen zu treffen, das hei\u00dft,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sehr konsequent zu denken,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; m\u00f6glichst alle wichtigen Aussagen zu rechtfertigen und somit<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; selbst gespannt darauf sein zu k\u00f6nnen, wohin eine solche Reise des Geistes f\u00fchrt.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Ich schreibe nicht, was ich will, sondern nur, was ich schreiben &#8222;mu\u00df&#8220;<\/em>. Wie in der Belletristik; deren Romanhelden entwickeln h\u00e4ufig eine Eigendynamik, welcher sich der Autor unterordnen sollte; er ist dann lediglich der Diener seiner Figuren.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u201eJedes gute Buch schreibt sich von selbst; man darf es nur nicht dabei st\u00f6ren\u201c (Patricia Highsmith).<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Soweit zu meiner Einladung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Gestatten Sie bitte, da\u00df ich mich kurz vorstelle, wenn ich Ihnen schon ins Wort falle:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mein Name ist &#8218;Advocatus Diaboli&#8216;, kurz &#8218;AD&#8216; genannt; ich vertrete Ihre Leser und versuche, ihnen ein wenig zu helfen, wenn Sie etwas \u2013 nennen wir es einmal vorsichtig \u2013 <em>&#8218;Befremdliches&#8216;<\/em> zum Ausdruck bringen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ad\u00e9&#8220; ist gut . . .; aber trotzdem: Herzlich willkommen!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Danke!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie sagten oben, \u00dcberzeugung und Wahrheit h\u00e4tten nichts miteinander zu tun. Demzufolge sind unsere \u00dcberzeugungen unwahr?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; das folgt keineswegs daraus:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da\u00df die Zeit nicht hoch ist, mu\u00df doch auch nicht bedeuten, sie sei tief; vielmehr halten wir <em>beides f\u00fcr unsinnig<\/em>.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Und so verh\u00e4lt es sich auch bei den \u00dcberzeugungen; sie k\u00f6nnen weder wahr noch unwahr sein, denn das eine w\u00e4re ebenso unverst\u00e4ndlich wie das andere. Nat\u00fcrlich lassen sich nicht alle Eigenschaftspaare auf s\u00e4mtliche m\u00f6glichen Tr\u00e4ger anwenden.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Das leuchtet mir ein; aber ein gro\u00dfes Problem bleibt dennoch bestehen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0Wir haben nur Meinungen und sind von ihnen mehr oder weniger \u00fcberzeugt. Wahr bzw. unwahr <em>k\u00f6nnen sie nicht sein<\/em>, und ob sie richtig resp. falsch sind, <em>wissen wir h\u00e4ufig nicht<\/em>.\u00a0Das gilt nat\u00fcrlich auch f\u00fcr die <em>Pr\u00e4missen oder Voraussetzungen s\u00e4mtlicher Begr\u00fcndungen<\/em>; sie stellen ebenfalls nur Meinungen dar.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wie wollen Sie auf dieser Grundlage \u2013 im Sinne des &#8218;Alleinstellungsmerkmals&#8216; \u2013 Ihre \u00dcberzeugungen rechtfertigen? Ohne etwas (objektiv Wahres oder zumindest) Richtiges geht das ja gar nicht, denn andernfalls w\u00e4ren s\u00e4mtliche Schlu\u00dffolgerungen ebenso ungewi\u00df wie deren Voraussetzungen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bis auf Ihr Ergebnis gehen wir v\u00f6llig d&#8217;accord:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Auch meine Pr\u00e4missen sind nur subjektive Meinungen<\/em>; denn niemand besitzt etwas anderes. Sie unterscheiden sich allein darin von den Schlu\u00dffolgerungen, da\u00df sie <em>etwas intersubjektiver<\/em> sein sollten und ich folglich hoffen kann, da\u00df wir beide uns auf dieser \u2013 grund-legenderen \u2013 Ebene noch einig sind. &#8222;Begr\u00fcnden&#8220; hei\u00dft dann ganz einfach:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn ich so tief grabe, da\u00df Sie meine Voraussetzungen teilen, ergeben sich zwingend die von mir angegebenen Konsequenzen. Sie &#8222;m\u00fcssen&#8220; also<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; entweder <em>geistig mitgehen <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; oder Fehler in meiner Argumentation aufzeigen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">um <em>Ihrem eigenen Weltbild<\/em> nicht zu widersprechen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Das w\u00fcrde letztlich bedeuten, da\u00df der Proponent den Opponenten<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; h\u00f6chstens <em>innerhalb eines gemeinsamen Weltbilds<\/em> \u00fcberzeugen kann, indem er den Opponenten<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; auf <em>eine Konsequenz ihres Weltbilds hinweist, welche dieser bisher \u00fcbersehen hat<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Mit der <em>Wirklichkeit<\/em> h\u00e4tten Begr\u00fcndungen demzufolge gar nichts zu tun?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich nicht; und deswegen spielt bei Beweisen weder die Wahrheit noch die Richtigkeit der Pr\u00e4missen eine Rolle.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Der inhaltliche <\/em>\u2013 also \u00fcber die blo\u00dfe Lgik hinausgehende \u2013<em> Teil betrifft allein das Weltbild<\/em> und ist damit wie dieses weder wahr noch unwahr und weder richtig noch falsch. Wir gehen von einem Teil des Weltbilds aus, in dem Proponent und Opponent hinreichend \u00fcbereinstimmen; <em>ohne diese Einigkeit <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; ist einerseits jeder Beweis ausgeschlossen, aber <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; andererseits gen\u00fcgt sie allein auch<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Das ist ja furchtbar!\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es bedeutet doch, anders formuliert, da\u00df der Proponent den Opponenten nur von dem \u00fcberzeugen kann,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>was letzterer implizit bereits wei\u00df<\/em> \u2013 weil es in seinem eigenen Weltbild enthalten ist \u2013,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; von dem er aber <em>noch nicht ahnt, da\u00df er es schon wei\u00df<\/em>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">weil ihm der logische Weg zu dieser Einsicht bisher unbekannt war und erst vom Proponenten er\u00f6ffnet werden mu\u00df.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ihr &#8222;furchtbar&#8220; deutet darauf hin, da\u00df Sie erschrocken sind; dazu besteht aber gar kein Grund. <em>Alles axiomatische Denken funktioniert nach diesem Schema: <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Wir erhalten \u2013 als Resultat \u2013 immer nur das heraus, was wir selbst \u2013 als Pr\u00e4misse \u2013 in das System hineingesteckt haben.<\/em>\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Logik kann nichts beisteuern, weil sie inhaltsleer und in diesem Sinne unwirklich ist.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Es ist also nicht richtig, sondern nur &#8218;hineingesteckt&#8216;, da\u00df 1 + 1 = 2 gilt?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Im Prinzip stimmt das; ich w\u00fcrde es nur etwas anders formulieren:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir haben eine Mathematik \u2013 genauer: Algebra \u2013 entwickelt, konstruiert oder erfunden, aus deren Axiomen sich 1 + 1 = 2 als logische Konsequenz ableiten l\u00e4\u00dft. Diese Gleichung ist also weder wahr noch richtig im Sinne irgendeiner \u00dcbereinstimmung \u2013 womit auch immer. Vielmehr bildet sie lediglich eines der impliziten Ergebnisse unserer (mehr oder weniger willk\u00fcrlichen) expliziten Axiome.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Den meisten von uns wurde es freilich anders gelehrt; sie haben erz\u00e4hlt bekommen, 1 + 1 = 2 sei eine (nahezu selbstverst\u00e4ndliche) Erkenntnis. Schlimmer noch; die Mathematik wird sogar h\u00e4ufig als Paradebeispiel benutzt, um zu verdeutlichen, <em>da\u00df die Wahrheit \u2013 angeblich(!) \u2013 ewig unver\u00e4nderlich sein m\u00fcsse<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Es ist also nur eine (indirekte) Setzung und weder wahr noch richtig, da\u00df ein Elefant und noch ein Elefant zwei Elefanten sind?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein, nat\u00fcrlich nicht; ich habe von <em>Mathematik<\/em> gesprochen, und Sie wechseln jetzt zur Zoologie, in der jene <em>nur angewandt wird<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zu jeder Aufgabe geh\u00f6rt das geeignete Werkzeug oder zu jedem Problem eine passende L\u00f6sungsmethode. F\u00fcr das Z\u00e4hlen von Tieren (und den meisten anderen Dingen) ist die spezielle (Variante der) Mathematik, in der 1 + 1 = 2 gilt \u2013 die Peanosche Mathematik \u2013, die angemessene und jede andere ungeeignet; von mir aus gerne auch &#8222;falsch&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber es finden sich leicht auch Beispiele, bei denen wir vielleicht 1 + 1 = 1 anwenden m\u00fcssen, um &#8222;richtig&#8220; zu liegen: Zwei Geschichten, die miteinander verbunden werden; Wolken, die ineinander \u00fcbergehen; Gase bzw. Fl\u00fcssigkeiten, die sich gut vermischen, ein L\u00e4rm und noch ein L\u00e4rm oder der Sinn des Lebens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und wenn Sie es noch praktischer haben m\u00f6chten:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">Ohne diese Boolesche Mathematik h\u00e4tten wir keine Digitalrechner.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das waren sehr viele Zitate; sie sollten die Richtung andeuten, in die wir uns bewegen werden, und Ihnen damit eine Entscheidung erm\u00f6glichen, ob es sich eventuell lohnen k\u00f6nnte, mein Buch zu lesen. Haben Sie keine Sorge, da\u00df es in diesem Stil \u2013 also auch ein wenig langweilig und erm\u00fcdend \u2013 weitergeht. 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