{"id":4114,"date":"2025-03-24T18:39:23","date_gmt":"2025-03-24T16:39:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4114"},"modified":"2026-03-14T18:40:12","modified_gmt":"2026-03-14T16:40:12","slug":"1-1-1-das-traditionelle-denken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-1-1-das-traditionelle-denken\/","title":{"rendered":"1.1.  Das traditionelle Denken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die zweieinhalb tausend Jahre seit Platon geht das abendl\u00e4ndische Denken weitestgehend davon aus, da\u00df eine uns vorgegebene und damit objektive Wirklichkeit existiert, deren Bestandteile per definitionem die <em>Seienden<\/em> bilden. Vor diesem hochtrabend klingenden Wort mu\u00df man nicht erschrecken; es ist v\u00f6llig harmlos:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Was beim B\u00e4cker\u00a0 <em>gebacken<\/em> wird, bildet <em>Geb\u00e4ck<\/em>; was Arch\u00e4ologen <em>finden<\/em>, gilt als <em>Fundst\u00fcck<\/em>; und was f\u00fcr traditionelle Philosophen oder Theologen <em>ist<\/em>, stellt ein <em>Seiendes<\/em> dar. Sie k\u00f6nnten also problemlos Tausende von Seienden nennen und m\u00fc\u00dften dazu lediglich die Dinge aufz\u00e4hlen, von deren Existenz, (Vorhanden-)Sein oder Wirklichkeit Sie \u00fcberzeugt sind; Geb\u00e4ck, Fundst\u00fccke, Materie, Blitze, Evolution oder Sch\u00f6pfung, der eigene K\u00f6rper, Sonne, Mond und Sterne . . .<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das Alltagsdenken gen\u00fcgt diese Ebene der Seienden. Philosophisch m\u00fcssen wir aber noch einen Schritt weitergehen und fragen, <em>woher sie kommen bzw. wer oder was sie erm\u00f6glicht<\/em>. Das ist zwingend, denn die Seienden <em>k\u00f6nnen<\/em> <em>sich ja nicht selbst hervorbringen;<\/em> Selbstverursachung gibt es ebensowenig wie die Selbstbewegung eines Perpetuum mobile.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;Gestatten Sie bitte, da\u00df ich mich kurz vorstelle, wenn ich Ihnen schon ins Wort falle:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mein Name ist &#8218;Advocatus Diaboli&#8216;, kurz &#8218;AD&#8216; genannt; ich vertrete Ihre Leser und versuche, ihnen ein wenig zu helfen, wenn Sie etwas \u2013 nennen wir es einmal vorsichtig \u2013 <em>&#8218;Befremdliches&#8216;<\/em> zum Ausdruck bringen; wie soeben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ad\u00e9&#8220; ist gut . . .; aber trotzdem: Herzlich willkommen!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Danke!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ist nicht nahezu die gesamte Theologie des Mittelalters mit Thomas von Aquin an der Spitze davon ausgegangen, da\u00df <em>Gott sich selbst hervorbringt bzw. -gebracht hat<\/em> und er somit als &#8222;causa prima&#8220; dem ersten Beweger des Aristoteles entspricht?&#8220;\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie haben v\u00f6llig Recht; aber das sind f\u00fcr mich nur leere Worte, die einfach papageienhaft nachgeplappert werden, ohne sie verstehen zu k\u00f6nnen:<\/p>\n<p class=\"Indent\">Wie sollte ein A, <em>das es noch gar nicht gibt<\/em>, <em>sich<\/em> erzeugen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p class=\"Indent\">Wie sollte ein A, <em>das es noch gar nicht gibt<\/em>, \u00fcberhaupt <em>irgendetwas<\/em> erzeugen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Eine &#8222;Erkl\u00e4rung&#8220;, die ich \u2013 auch beim besten Willen \u2013 nicht verstehe, ist f\u00fcr mich keine Erkl\u00e4rung \u2013 deswegen frage ich weiter und gibt es das vor Ihnen liegende Buch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Moderne &#8222;l\u00f6st&#8220; dieses Problem mittels der Evolution. Aber das ist nat\u00fcrlich keine L\u00f6sung, weil s\u00e4mtliche Evolutionstheorien nur erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, <em>wie diese Seienden kausal aus jenen hervorgehen<\/em>, so da\u00df wir weiterhin vor der Frage nach dem Ursprung der &#8222;ersten&#8220; Seienden stehen. &#8222;Im Anfang war der Wasserstoff&#8220;, meinte Hoimar von Ditfurth und provozierte damit die Frage nach dessen Herkunft: Was existierte in der traditionellen, vergehenden Zeit vor dem Wasserstoff?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das evolutive Denken f\u00fchrt notwendigerweise auf eine endlose Iteration und damit immer tiefer in das Fr\u00fcher hinein, aber niemals zu einem Ziel. Hegel nannte das deswegen eine <em>&#8222;schlechte Unendlichkeit&#8220;<\/em>; sie &#8222;l\u00f6st&#8220; das Probem, indem sie es immer weiter vor sich her schiebt \u2013 bis wir es nicht mehr sehen oder irrt\u00fcmlich glauben, es sei gel\u00f6st.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Antik-mittelalterlich ging dem modernen Gedanken einer Evolution die Idee der Sch\u00f6pfung voraus.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">In ihrer traditionellen Form ist sie aus heutiger Sicht ebenso unhaltbar wie die Evolutionstheorie, weil wir unsere Frage nach dem Woher \u2013 mit der soeben angedeuteten Logik \u2013 nat\u00fcrlich auch auf den Sch\u00f6pfer anwenden k\u00f6nnten bzw. m\u00fc\u00dften und damit \u00fcber den Sch\u00f6pfer des Sch\u00f6pfers des Sch\u00f6pfers . . . wiederum auf eine unendliche Iteration sto\u00dfen w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Annahme, Gott existiere<em> ewig<\/em>, hilft uns kaum weiter, denn sollte ein solcher Gedanke nicht ohnehin unverst\u00e4ndlich sein \u2013 &#8222;Was bedeutet Ewigkeit \u00fcberhaupt?&#8220; \u2013, <em>lie\u00dfe er sich auch gleich auf die Welt selbst beziehen, so da\u00df jegliche Sch\u00f6pfung unn\u00f6tig w\u00e4re<\/em>. Die \u00dcberzeugung, da\u00df zwar Gott, aber nicht die Welt ewig sein k\u00f6nne, entbehrt jeglicher Grundlage; wir haben die entsprechenden Worte lediglich fest im Ohr, weil sie schon sehr lange gedankenlos nachgeplappert werden.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit kehren wir zum Ausgangspunkt zur\u00fcck:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Seienden bilden die uns zug\u00e4ngliche immanente Welt, in der wir leben, und bed\u00fcrfen eines Grundes, der sie erm\u00f6glicht, tr\u00e4gt, hervorbingt oder einfach sein l\u00e4\u00dft, denn aus Nichts kann auch nichts werden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dieses Fundament k\u00f6nnen wir <em>prinzipiell nicht wahrnehmen<\/em>, weil es sich andernfalls<em> nicht um eine grundlegendere Ebene, sondern erneut um Seiende handeln w\u00fcrde;<\/em> wir h\u00e4tten nichts gewonnen und m\u00fc\u00dften unsere Suche nach dem Grund von vorn beginnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Er<em> l\u00e4\u00dft sich also nur denken oder mu\u00df rein geistig sein und entspricht<\/em> <em>damit einer \u00dcberwelt oder Transzendenz<\/em>. Ich kann nicht sehen, wie sie sich dieser Gedanke innerhalb des traditionellen Denkens vern\u00fcnftig vermeiden lassen k\u00f6nnte.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese \u00dcberwelt bzw. Transzendenz bestand bei Platon und anderen antiken Denkern in den <em>ewigen Ideen<\/em>. M\u00f6glicherweise sind Ihnen die klassischen Transzendentalien \u2013 die Ideen des Einen, Wahren und Guten \u2013 oder die besonders popul\u00e4ren Ideen der Gerechtigkeit und Sch\u00f6nheit gel\u00e4ufig.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie haben alle nichts damit zu tun, wie wir heute den Begriff der Ideen nutzen. Aus den <em>objektiven transzendenten Fundamenten der Welt<\/em> sind in der Zwischenzeit die <em>subjektiven menschlichen (Schnaps-)Ideen<\/em> geworden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der prinzipielle Unterschied zwischen Seienden und Ideen<\/em> l\u00e4\u00dft sich recht gut anhand des Mythos vom Erbauen der Welt durch den Demiurgen verstehen:\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ihm waren dazu die ewig identischen Ideen als &#8222;Bauplan&#8220; vorgegeben; jede von ihnen bildet ein Singularetantum wie Durst, Haft oder N\u00e4he beispielsweise.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auf Grundlage der <em>einen Idee des Planeten<\/em> konnte der Demiurg nun <em>beliebig viele Planeten als Seiende<\/em> hervorbringen, deren sekund\u00e4re Eigenschaften nahezu beliebig waren, die aber alle in ihrem Planet-Sein \u2013 mit der Idee des Planeten und damit notwendigerweise auch untereinander \u2013 \u00fcbereinstimmten.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Die unsichtbaren Ideen<\/em> und <em>nur<\/em> sie erm\u00f6glichen in diesem Denken die (gegebenenfalls) sichtbaren Seienden; keine Sch\u00f6nheitsk\u00f6nigin ohne die Idee der Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Das halten wir fest:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 81.24%; text-align: center; background-color: #d6fcd2;\" colspan=\"3\"><strong>objektive Wirklichkeit<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center; background-color: #fcf2f2;\"><strong>Transzendenz<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 56.24%; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>Immanenz<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center; background-color: #fcf2f2;\"><strong>Erm\u00f6glichung der Welt<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 56.24%; text-align: center; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>objektive Welt<br \/><\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 56.24%; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>Seiende<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; background-color: #fcf2f2; text-align: center;\"><strong>&#8211; Gott<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; background-color: #fcf2f2; text-align: center;\"><strong>&#8211; Ideen<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 56.24%; text-align: left; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>\u00a0=\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 { Essenz, Wesen oder Was +<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 56.24%; text-align: center; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>+ Existenz, Sein oder Da\u00df }<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; background-color: #fcf2f2; text-align: center;\"><strong>&#8211; . . . . . .\u00a0<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center; background-color: #ededed;\"><strong>objektive Welt, die \u00fcber<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; background-color: #e1faf8; text-align: center;\"><strong>objektive Realit\u00e4t<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center; background-color: #ededed;\"><strong>den (physikalischen) Kosmos<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center; background-color: #e1faf8;\"><strong>(physikalischer) Kosmos<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center; background-color: #ededed;\"><strong>hinausgeht<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center; background-color: #e1faf8;\"><strong>K\u00f6rper<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\"><strong>zum Beispiel:<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; background-color: #ededed; text-align: center;\"><strong>Mathematik oder Musik<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 25%; background-color: #fcf2f2;\"><em><strong>nur denkbar<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"background-color: #ededed; width: 29.64%; text-align: center;\"><em><strong>denk- (und wahrnehmbar)<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"background-color: #e1faf8; width: 26.6%; text-align: center;\"><em><strong>denk- und wahrnehmbar<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 25%; background-color: #fcf2f2;\"><em><strong>rein geistig<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"background-color: #ededed; width: 29.64%; text-align: center;\"><em><strong>geistig (und sinnlich)<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; background-color: #e1faf8; text-align: center;\"><em><strong>materiell<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 54.64%; text-align: center; background-color: #fcf8de;\" colspan=\"2\"><em><strong>nicht in Raum und Zeit<\/strong><strong><br \/><\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; background-color: #e1faf8; text-align: center;\"><em><strong>in Raum und Zeit<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Abbildung 1.1.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Geschwungene Klammern bedeuten bei uns stets die Einheit der beiden Seiten, die zwischen ihnen stehen.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;K\u00f6rper&#8220; verstehen wir im weitest m\u00f6glichen Sinne, so da\u00df alle festen materiellen Dinge, die nat\u00fcrlichen \u2013 leblosen, pflanzlichen, tierischen und menschlichen \u2013 ebenso wie die k\u00fcnstlichen K\u00f6rper dazugeh\u00f6ren. (Da\u00df es rein physikalisch zum Beispiel auch Felder, Fl\u00fcssigkeiten und Gase gibt, spielt f\u00fcr unsere \u00dcberlegungen keine Rolle; wir streben keine Vollst\u00e4ndigkeit an.)<\/p>\n<p class=\"Indent\">Die K\u00f6rper bilden die<em> objektive Realit\u00e4t oder den (physikalischen) Kosmos<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Die Immanenz oder objektive Welt der Seienden<\/em> geht jedoch weit dar\u00fcber hinaus, denn Farben, T\u00f6ne oder Zwecke beispielsweise sind gewi\u00df weltlich-immanente, aber keinesfalls physikalische Kategorien. Die Physik kennt diesbez\u00fcglich lediglich Wellenl\u00e4ngen bzw. Frequenzen, versteht aber Rei\u00dfzwecken bereits nicht mehr, da sie einen Zweck erf\u00fcllen, der keine physikalische Kategorie darstellt. Der Kosmos ist als solcher notwendigerweise zwecklos.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Erweitern wir auch die objektive Welt noch um die Transzendenz, die jene erst erm\u00f6glicht, so entsteht die gesamte oder vollst\u00e4ndige objektive Wirklichkeit der Tradition, die uns als Ausgangspunkt f\u00fcr alles Weitere dient.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier deutet sich bereits ein Problem an, das die gesamte christliche Theologie durchzieht:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich habe die Seienden ganz bewu\u00dft <em>nur rechts bei der Immanenz oder Welt aufgef\u00fchrt<\/em>, <em>weil die Transzendenz bzw. \u00dcberwelt unterschiedlich gedacht werden kann:<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Antike entschied sich, wie ich soeben zeigen wollte, weitgehend f\u00fcr ein <em>Reich der Ideen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die christliche Theologie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; hat solche Gedanken jedoch zumeist von sich gewiesen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die Transzendenz mit Gott identifiziert und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; diesen nahezu ausnahmslos als \u2013 h\u00f6chstes oder &#8222;seiendstes&#8220; \u2013 Seiendes dargestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin Heidegger sprach diesbez\u00fcglich von einer &#8222;Onto-Theologie&#8220;. Sie krankt meines Erachtens ganz entscheidend daran, da\u00df darin kein prinzipieller Unterschied zwischen Gott und Mensch besteht, denn <em>beide sind Seiende<\/em>;<em> Gott ist dann lediglich ein \u00dcbermensch, und der Mensch ein Untergott<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Nur onto-theologisch kann man \u00fcber die Gedanken oder Absichten, den Willen und das Handeln Gottes sprechen<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer dies alles ablehnt, ist <em>allein deswegen<\/em> noch kein Atheist, sondern vertritt m\u00f6glicherweise<em> nur eine andere Philosophie und h\u00e4lt vielleicht allein die Annahme, Gott sei ebenfalls nur ein \u2013 wenn auch besonderes \u2013 Seiendes, f\u00fcr falsch.<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das meinte Dietrich Bonhoeffer, als er sagte <em>&#8222;Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen uns an dieser Stelle kurzfassen, denn f\u00fcr uns stellt sich die Frage &#8222;Onto-Theologie \u2013 &#8218;ja&#8216; oder &#8217;nein&#8216;?&#8220; gar nicht, weil wir <em>s\u00e4mtliche<\/em> Seienden ablehnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Das bedeutet nat\u00fcrlich, da\u00df es <em>eine Materie, die es gibt, ebenfalls nicht geben kann<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zweieinhalb tausend Jahre seit Platon geht das abendl\u00e4ndische Denken weitestgehend davon aus, da\u00df eine uns vorgegebene und damit objektive Wirklichkeit existiert, deren Bestandteile per definitionem die Seienden bilden. 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