{"id":4114,"date":"2025-03-24T18:39:23","date_gmt":"2025-03-24T16:39:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4114"},"modified":"2026-05-29T09:21:14","modified_gmt":"2026-05-29T07:21:14","slug":"1-1-1-das-traditionelle-denken","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-1-1-das-traditionelle-denken\/","title":{"rendered":"1.1.  Das traditionelle Denken"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die zweieinhalb tausend Jahre seit Platon geht das abendl\u00e4ndische Denken weitgehendst davon aus, da\u00df uns eine Wirklichkeit objektiv vorgegeben ist, deren Bestandteile per definitionem die <em>Seienden<\/em> bilden. Vor diesem hochtrabend klingenden Wort mu\u00df man nicht erschrecken; es erweist sich als recht harmlos:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Was beim B\u00e4cker\u00a0 <em>gebacken<\/em> wird, bildet <em>Geb\u00e4ck<\/em>; was Arch\u00e4ologen <em>finden<\/em>, gilt als <em>Fundst\u00fcck<\/em>; und was f\u00fcr traditionelle Philosophen oder Theologen <em>ist<\/em>, stellt ein <em>Seiendes<\/em> dar. Sie k\u00f6nnten also problemlos Tausende von Seienden nennen und m\u00fc\u00dften dazu lediglich die Dinge aufz\u00e4hlen, von deren objektiver Existenz, (Vorhanden-)Sein oder Wirklichkeit Sie restlos \u00fcberzeugt sind; Geb\u00e4ck, Fundst\u00fccke, Materie, Blitze, Evolution oder Sch\u00f6pfung, der eigene K\u00f6rper, Sonne, Mond und Sterne . . .<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Objektiv vorgegebene Seiende m\u00fcssen <em>stabil und<\/em><em> erkennbar sein<\/em>; sonst k\u00f6nnten wir ja gar nicht wissen, da\u00df sie uns vorgegeben sind. Das hei\u00dft,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; urspr\u00fcnglich waren sie einmal ungewu\u00dft, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; im Laufe der Zeit wissen wir immer mehr von ihnen.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Umgekehrt bedeutet dies, da\u00df sich unser Wissen <em>auf die Seienden beziehen mu\u00df oder wir sie als die Referenten bzw. das Wovon des Wissens zu verstehen haben<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD:\u00a0&#8222;Gestatten Sie bitte, da\u00df ich mich kurz vorstelle, wenn ich Ihnen schon ins Wort falle:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mein Name ist &#8218;Advocatus Diaboli&#8216;, kurz &#8218;AD&#8216; genannt; ich vertrete Ihre Leser und versuche, ihnen ein wenig zu helfen, wenn Sie etwas \u2013 nennen wir es einmal vorsichtig \u2013 <em>&#8218;Befremdliches&#8216;<\/em> zum Ausdruck bringen; wie soeben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8222;Ad\u00e9&#8220; ist gut . . .; aber trotzdem: Herzlich willkommen!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Danke! Da\u00df wir nur Seiende wissen k\u00f6nnen, glaube ich nicht; ich wei\u00df zum Beispiel auch Spielregeln, Sachverhalte oder die L\u00f6sung von Aufgaben; das sind doch keine Seienden.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Stimmt; da haben Sie Recht. Ich wollte meinen Gedankengang erst einmal m\u00f6glichst verst\u00e4ndlich und sauber zu Ende bringen, weil er eine der Grundlagen f\u00fcr viele weitere \u00dcberlegungen bildet. Ich korrigiere ihn nun ganz in Ihrem Sinne:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wissen kann <em>zwei Arten von Referenten<\/em> besitzen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zum einen gibt es Wissen von Wissen, so da\u00df das Wovon des Wissens wiederum in Wissen besteht und sich diese Iteration damit beliebig fortsetzen l\u00e4\u00dft; Wissen von Wissen von Wissen von . . . Das ist keine Erkenntnis, die also auch falsch sein k\u00f6nnte, sondern eine blo\u00dfe Tautologie wie &#8222;wei\u00dfer Schimmel&#8220; oder &#8222;unverheirateter Junggeselle&#8220;.\u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df, da\u00df 2 x 8 gleich 16 ist und dies das Quadrat von 4 darstellt, was der Differenz zwischen 10 und 6 entspricht, . . .<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zum anderen k\u00f6nnen die Referenten des Wissens der Tradition zufolge auch in Seienden (bzw. Nicht-Seienden) bestehen, so da\u00df wir dies sogar als Definition der Seienden (resp. Nicht-Seienden)\u00a0 nutzen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wissungen und Seiende (oder Nicht-Seiende) bilden eine vollst\u00e4ndige Alternative; eine dritte Art des Wovon der Wissungen scheint mir ausgeschlossen zu sein.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr das Alltagsdenken gen\u00fcgt diese Ebene der Seienden. Philosophisch resp. theologisch m\u00fcssen wir aber noch einen Schritt weitergehen und fragen, <em>woher sie kommen bzw. wer oder was sie erm\u00f6glicht<\/em>. Das ist zwingend, denn die Seienden <em>k\u00f6nnen<\/em> <em>sich ja nicht selbst hervorbringen;<\/em> Selbstverursachung gibt es ebensowenig wie die Selbstbewegung eines Perpetuum mobile.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ist nicht nahezu die gesamte Theologie des Mittelalters mit Thomas von Aquin an der Spitze davon ausgegangen, da\u00df <em>Gott sich selbst hervorbringt bzw. -gebracht hat<\/em> und er somit als &#8218;causa prima&#8216; dem ersten Beweger des Aristoteles entspricht?&#8220;\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">V\u00f6llig richtig; aber unsere Aufgabe besteht nicht darin, leere Worte nachzuplappern. Sie ohne ein angemessenes Verst\u00e4ndnis zu benutzen, entspricht dem Vorspielen falscher Tatsachen und ist damit vielleicht eine Form von L\u00fcge.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Wie sollte ein A, <em>das es noch gar nicht gibt<\/em>, <em>sich<\/em> erzeugen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p class=\"Indent\">Wie sollte ein A, <em>das es noch gar nicht gibt<\/em>, \u00fcberhaupt <em>irgendetwas<\/em> erzeugen k\u00f6nnen?\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das begreift niemand; aber eine &#8222;Erkl\u00e4rung&#8220;, die ich \u2013 auch beim besten Willen \u2013 nicht verstehe, ist f\u00fcr mich keine Erkl\u00e4rung; deswegen frage ich weiter und gibt es das vor Ihnen liegende Buch.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da\u00df vielen meiner Bekannten bei derartigen Worten alles klar zu sein scheint, verunsichert mich nicht. &#8222;Philosophieren ist der Versuch zu verstehen, was man selbst sagt&#8220; (Georg Picht), und erst nachdem uns dies halbwegs gelungen ist, sollten wir reden.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unsere Moderne &#8222;l\u00f6st&#8220; das Problem mit der Herkunft der Seienden anhand einer Evolution. Aber das ist nat\u00fcrlich keine L\u00f6sung, weil s\u00e4mtliche Evolutionstheorien nur erkl\u00e4ren k\u00f6nnen, <em>wie beliebige Seienden kausal aus fr\u00fcheren hervorgehen<\/em>, so da\u00df wir weiterhin vor der Frage nach dem Ursprung der &#8222;ersten&#8220; Seienden stehen. &#8222;Im Anfang war der Wasserstoff&#8220;, meinte Hoimar von Ditfurth und provozierte damit die Frage nach dessen Herkunft:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Was existierte vor dem Wasserstoff?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das evolutive Denken f\u00fchrt notwendigerweise auf eine endlose Iteration und damit immer tiefer in das Fr\u00fcher hinein, aber niemals zu einem Ziel. Hegel nannte das deswegen eine <em>&#8222;schlechte Unendlichkeit&#8220;<\/em>; sie &#8222;l\u00f6st&#8220; das Probem, indem sie es immer weiter vor sich her schiebt \u2013 bis wir es nicht mehr erkennen bzw. irrt\u00fcmlich glauben, es gel\u00f6st zu haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Antik-mittelalterlich ging dem modernen Gedanken einer Evolution die Idee der Sch\u00f6pfung voraus.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">In ihrer traditionellen Form ist sie aus heutiger Sicht ebenso unhaltbar wie die Evolutionstheorie, weil wir unsere Frage nach dem Woher \u2013 mit der soeben angedeuteten Logik \u2013 konsequenterweise nat\u00fcrlich auch auf den angeblichen Sch\u00f6pfer anwenden m\u00fc\u00dften und damit \u00fcber den Sch\u00f6pfer des Sch\u00f6pfers des Sch\u00f6pfers . . . wiederum auf eine unendliche Iteration sto\u00dfen w\u00fcrden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Annahme, Gott existiere<em> ewig<\/em>, hilft uns kaum weiter, denn sollte ein solcher Gedanke nicht ohnehin unverst\u00e4ndlich sein \u2013 &#8222;Was bedeutet Ewigkeit?&#8220; \u2013, <em>lie\u00dfe er sich auch gleich auf die Welt selbst beziehen, so da\u00df jegliche Sch\u00f6pfung unn\u00f6tig w\u00e4re<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Annahme, da\u00df nat\u00fcrlich Gott, aber nicht die Welt ewig sein k\u00f6nne, entbehrt jeglicher Grundlage; wir haben die entsprechenden Worte lediglich fest im Ohr, weil sie schon sehr lange gedankenlos nachgeplappert werden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Kann Gott \u00fcberhaupt Eigenschaften besitzen? Oder handeln?\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit kehren wir zum Ausgangspunkt zur\u00fcck:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Seienden bilden die Wirklichkeit, in der wir der traditionellen \u00dcberzeugung zufolge leben, und bed\u00fcrfen eines Grundes, der sie erm\u00f6glicht, tr\u00e4gt, hervorbingt oder einfach sein l\u00e4\u00dft, denn aus Nichts kann auch nichts werden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dieses notwendige Fundament k\u00f6nnen wir <em>prinzipiell nicht wahrnehmen<\/em>, weil es sich andernfalls<em> nicht um die tragende Ebene, sondern erneut um Seiende handeln w\u00fcrde;<\/em> wir h\u00e4tten nichts gewonnen und m\u00fc\u00dften unsere Suche nach dem Grund von vorn beginnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Er<em> l\u00e4\u00dft sich also nur denken oder mu\u00df rein geistig sein und entspricht<\/em> <em>damit einem Jenseits oder einer \u00dcberwelt<\/em>. Ich vermag nicht zu sehen, wie sich diese <em>innerhalb des traditionellen Denkens<\/em> vern\u00fcnftig vermeiden lassen k\u00f6nnten.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Legen Sie das Buch nicht sofort beiseite:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Ich glaube weder (an) eine \u00dcberwelt noch (an) ein Jenseits<\/em>, sondern bin lediglich \u00fcberzeugt, <em>da\u00df sie f\u00fcr die Tradition unvermeidlich sind<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dann besteht eben <em>auch darin<\/em> ein wichtiger Grund, <em>sich kritisch mit ihr auseinanderzusetzen<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese \u00dcberwelt bestand bei Platon und anderen antiken Denkern in den <em>ewigen Ideen<\/em>. M\u00f6glicherweise sind Ihnen die klassischen Transzendentalien \u2013 die Ideen des Einen, Wahren und Guten \u2013 oder die besonders popul\u00e4ren Ideen der Gerechtigkeit und Sch\u00f6nheit gel\u00e4ufig.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie haben alle nichts damit zu tun, wie wir heute den Begriff der Ideen nutzen. Aus den <em>objektiven jenseitigen Fundamenten der Welt<\/em> sind in der Zwischenzeit die <em>subjektiven menschlichen (Schnaps-)Ideen<\/em> geworden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der prinzipielle Unterschied zwischen Seienden und Ideen<\/em> l\u00e4\u00dft sich recht gut anhand des antiken Mythos vom Erbauen der Welt durch den Demiurgen verstehen:\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ihm waren dazu die ewig identischen Ideen als &#8222;Bauplan&#8220; vorgegeben; jede von ihnen bildet ein Singularetantum wie Durst, Haft oder N\u00e4he beispielsweise.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auf Grundlage der <em>einen Idee des Planeten<\/em> konnte der Demiurg nun <em>beliebig viele Planeten als Seiende<\/em> hervorbringen, deren sekund\u00e4re Eigenschaften nahezu beliebig waren, die aber alle in ihrem Planet-Sein \u2013 mit der Idee des Planeten und damit notwendigerweise auch untereinander \u2013 \u00fcbereinstimmten.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Die unsichtbaren Ideen<\/em> und <em>nur<\/em> sie erm\u00f6glichen in diesem Denken die (gegebenenfalls) sichtbaren Seienden; keine Sch\u00f6nheitsk\u00f6nigin ohne die Idee der Sch\u00f6nheit.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Das halten wir fest:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"width: 81.24%; text-align: center; background-color: #d6fcd2;\" colspan=\"3\"><strong>objektiv vorgegebene erkennbare Wirklichkeit<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center; background-color: #fcf2f2;\"><strong>Jenseits<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 56.24%; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>Diesseits<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center; background-color: #fcf2f2;\"><strong>Erm\u00f6glichung der Welt<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 56.24%; text-align: center; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>objektiv vorgegebene erkennbare Welt<br \/><\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 56.24%; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>Seiende<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; background-color: #fcf2f2; text-align: center;\"><strong>&#8211; Gott<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; background-color: #fcf2f2; text-align: center;\"><strong>&#8211; Ideen<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 56.24%; text-align: left; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>\u00a0=\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 { Essenz, Wesen oder Was +<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 56.24%; text-align: center; background-color: #fcfcd0;\" colspan=\"2\"><strong>+ Existenz, Sein oder Da\u00df }<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; background-color: #fcf2f2; text-align: center;\"><strong>&#8211; . . . . . .\u00a0<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center; background-color: #ededed;\"><strong>objektive Welt, die \u00fcber<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; background-color: #e1faf8; text-align: center;\"><strong>objektive Realit\u00e4t<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center; background-color: #ededed;\"><strong>den (physiklischen) Kosmos<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center; background-color: #e1faf8;\"><strong>(physikalischer) Kosmos<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center; background-color: #ededed;\"><strong>hinausgeht<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center; background-color: #e1faf8;\"><strong>K\u00f6rper<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\"><strong>zum Beispiel:<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; background-color: #ededed; text-align: center;\"><strong>Mathematik oder Musik<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 25%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 29.64%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; text-align: center;\"><em><strong>\u00a0<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 25%; background-color: #fcf2f2;\"><em><strong>nur denkbar<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"background-color: #ededed; width: 29.64%; text-align: center;\"><em><strong>denk- (und wahrnehmbar)<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"background-color: #e1faf8; width: 26.6%; text-align: center;\"><em><strong>denk- und wahrnehmbar<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 25%; background-color: #fcf2f2;\"><em><strong>rein geistig<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"background-color: #ededed; width: 29.64%; text-align: center;\"><em><strong>geistig (und sinnlich)<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; background-color: #e1faf8; text-align: center;\"><em><strong>materiell<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 54.64%; text-align: center; background-color: #fcf8de;\" colspan=\"2\"><em><strong>nicht in Raum und Zeit<\/strong><strong><br \/><\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 26.6%; background-color: #e1faf8; text-align: center;\"><em><strong>in Raum und Zeit<\/strong><\/em><\/td>\n<td style=\"width: 18.76%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Abbildung 1.1.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(Geschwungene Klammern bedeuten bei uns stets die Einheit der beiden Seiten, die zwischen ihnen stehen, und eingeklammerte Eigenschaften sind nur m\u00f6glich, aber nicht notwendig.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;K\u00f6rper&#8220; verstehen wir im weitest m\u00f6glichen Sinne, so da\u00df alle festen materiellen Dinge, die nat\u00fcrlichen \u2013 leblosen, pflanzlichen, tierischen und menschlichen \u2013 ebenso wie die k\u00fcnstlichen K\u00f6rper dazugeh\u00f6ren. (Da\u00df es rein physikalisch zum Beispiel auch Felder, Fl\u00fcssigkeiten und Gase gibt, spielt f\u00fcr unsere \u00dcberlegungen keine Rolle; wir streben keine Vollst\u00e4ndigkeit an.)<\/p>\n<p class=\"Indent\">Die K\u00f6rper bilden f\u00fcr uns also die<em> objektive Realit\u00e4t oder den (physikalischen) Kosmos<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Das Diesseits oder die objektive Welt der Seienden<\/em> geht jedoch weit dar\u00fcber hinaus, denn Farben, T\u00f6ne oder Zwecke beispielsweise sind gewi\u00df weltlich, stellen aber keine physikalischen Kategorien dar. Die Physik kennt diesbez\u00fcglich lediglich Wellenl\u00e4ngen, Frequenzen und \u00e4hnliches, versteht jedoch Rei\u00dfzwecken bereits nicht mehr, da sie einen Zweck erf\u00fcllen und somit die rein physikalische Welt transzendieren. Der Kosmos ist notwendigerweise zwecklos.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Erweitern wir auch die objektive Welt noch um das Jenseits, das jene erst erm\u00f6glicht, so entsteht die gesamte oder vollst\u00e4ndige objektive Wirklichkeit der Tradition, die uns \u2013 freilich nur im Sinne einer Negativfolie \u2013 als Ausgangspunkt f\u00fcr alles Weitere dient.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier deutet sich bereits ein Problem an, das die gesamte christliche Theologie durchzieht:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich habe die Seienden ganz bewu\u00dft <em>nur rechts bei der Welt aufgef\u00fchrt<\/em>, <em>weil das Jenseits unterschiedlich gedacht werden kann:<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Antike entschied sich, wie ich soeben zeigen wollte, weitgehend f\u00fcr ein <em>Reich der Ideen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die christliche Theologie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; hat solche Gedanken jedoch zumeist von sich gewiesen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; das Jenseis (im Kern) mit Gott identifiziert und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; diesen nahezu ausnahmslos als \u2013 h\u00f6chstes oder &#8222;seiendstes&#8220; \u2013 Seiendes dargestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Martin Heidegger sprach diesbez\u00fcglich von einer &#8222;Onto-Theologie&#8220;. Sie krankt meines Erachtens ganz entscheidend daran, da\u00df darin <em>kein prinzipieller Unterschied zwischen Gott und Mensch<\/em> besteht, denn <em>beide sind Seiende<\/em>;<em> Gott ist dann lediglich ein \u00dcbermensch, und der Mensch ein Untergott<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Nur onto-theologisch kann man \u00fcber die Gedanken oder Absichten, den Willen und das Handeln Gottes sprechen<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wer dies alles ablehnt, mu\u00df<em>\u00a0deswegen<\/em> noch kein Atheist sein, sondern vertritt m\u00f6glicherweise<em> nur eine andere Philosophie und h\u00e4lt vielleicht allein die Annahme, Gott sei ebenfalls nur ein \u2013 wenn auch besonderes \u2013 Seiendes, f\u00fcr falsch. <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mit anderen Worten:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das traditionelle Modell mit seiner grund-legenden Alternative \u2013 <em>entweder Wirklichkeit und damit Seiendes oder gar nicht(<\/em>s) \u2013 zwingt die Gl\u00e4ubigen, Gott als Seiendes denken zu m\u00fcssen. Aber ein solcher Gott widerspricht meines Erachtens dem Christentum; damit folge ich zum Beispiel Dietrich Bonhoeffer, der sagte <em>&#8222;Einen Gott, den es&#8220; \u2013 als Seiendes \u2013 &#8222;gibt, gibt es nicht&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen uns an dieser Stelle kurzfassen, denn f\u00fcr uns stellt sich die Frage &#8222;Onto-Theologie \u2013 &#8218;ja&#8216; oder &#8217;nein&#8216;?&#8220; gar nicht, weil wir <em>s\u00e4mtliche<\/em> Seienden ablehnen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das bedeutet nat\u00fcrlich, da\u00df <em>es Materie oder einen Geist<\/em><em>, die es gibt, ebenfalls nicht geben kann<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Gl\u00e4ubige, welche die traditionelle Theologie hinter sich gelassen haben, &#8222;glauben a-theistisch&#8220; (Hartmut von Sass) an einen Gott, der \u2013 kein Nicht-Seiendes ist, sondern \u2013 im postmodernen Denken die Unterscheidung zwischen Seienden und Nicht-Seienden transzendiert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die zweieinhalb tausend Jahre seit Platon geht das abendl\u00e4ndische Denken weitgehendst davon aus, da\u00df uns eine Wirklichkeit objektiv vorgegeben ist, deren Bestandteile per definitionem die Seienden bilden. 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