{"id":4201,"date":"2025-05-25T16:47:13","date_gmt":"2025-05-25T14:47:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4201"},"modified":"2026-03-15T18:22:15","modified_gmt":"2026-03-15T16:22:15","slug":"1-2-bewusstseinswandel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-2-bewusstseinswandel\/","title":{"rendered":"1.2.  Bewu\u00dftseinswandel"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Ich verstehe die geistigen Turbulenzen der Gegenwart zu einem nicht unerheblichen Teil als Symptome eines epochalen Bewu\u00dftseinswandels, der uns \u2013 sofern wir ihn bew\u00e4ltigen \u2013 vom traditionellen Denken zum postmodernen f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ersteres geht, wie soeben dargestellt, davon aus, da\u00df <em>eine uns vorgegebene objektive Wirklichkeit<\/em> <em>existiert<\/em>, w\u00e4hrend <em>die Postmoderne<\/em> \u2013 wie wir sie im vorliegenden Buch verstehen \u2013 <em>dieses philosophische Glaubensbekenntnis ablehnt<\/em>. Ich bin aus den verschiedensten Gr\u00fcnden \u2013 die alle noch zu besprechen sind \u2013 fest davon \u00fcberzeugt, da\u00df sich die Tradition hier im Unrecht befindet. <em>In Verlaufe der Moderne sind die Ide<\/em>en bereits weitgehendst verschwunden, und <em>mit der Postmoderne folgen ihnen <\/em>meines Erachtens<em> die Seienden<\/em> nach.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Vielen Menschen graut vor einem solchen Bewu\u00dftseinswandel; ich sehne ihn jedoch herbei und hoffe auf sein Gelingen. Zwei Argumente f\u00fcr meine positive Sicht d\u00fcrften jetzt schon deutlich sein:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zun\u00e4chst wird unsere Zukunft \u2013 sofern wir sie denn erleben werden \u2013 zutiefst pluralistisch ausfallen und damit ein <em>hohes Ma\u00df an Toleranz<\/em> erfordern, was sich jedoch <em>kaum mit dem Glauben an eine objektive Wirklichkeit vereinbaren l\u00e4\u00dft<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer diese zu wissen glaubt, wird sehr leicht <em>jede Gemeinschaft spalten<\/em>, weil er zu unterscheiden vermag zwischen Irrenden \u2013 Ungebildeten, B\u00f6sen, H\u00e4retikern, Feinden, . . . \u2013 und seinesgleichen, den &#8222;Rechtgl\u00e4ubigen&#8220; oder besser &#8222;Rechtwissenden&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Spalten kann sogar <em>ausschlie\u00dflich derjenige, der die Wahrheit zu besitzen meint.\u00a0<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer sich &#8222;nur&#8220; um sie bem\u00fcht, versteht nicht<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sich selbst als Ritter der Wahrheit und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die anderen als Irrende.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Vielmehr sind auch sie Suchende wie er; nat\u00fcrlich auf einem anderen Weg, aber zum gleichen Ziel.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer sich um die Wahrheit bem\u00fcht, unterteilt\u00a0nicht in <em>richtig bzw. falsch<\/em> oder <em>wahr resp. unwahr,<\/em> sondern wei\u00df, da\u00df er<em> von jedem anderen lernen kann<\/em>, weil alle Leben unterschiedlich und s\u00e4mtliche Erfahrungen einmalig sind.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">H\u00e4tte <em>ich<\/em> Ihr Leben gelebt, w\u00e4re es <em>nicht besser verlaufen<\/em>, sondern <em>ich w\u00e4re Sie<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Viele traditionell denkende Konservative w\u00fcrden dies als &#8222;<em>Relativismus der Wahrheit&#8220;<\/em> oder &#8222;<em>Diktatur des Relativismus&#8220; abschmettern<\/em>. Das beeindruckt mich aber gar nicht, weil ihr eigener &#8222;rechtgl\u00e4ubiger&#8220; Standpunkt<em> \u2013 mit dem Anspruch, die Wahrheit zu besitzen<\/em> \u2013 in meinen Augen <em>ausgesprochen<\/em> <em>\u00fcberheblich<\/em> ist.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Was hat die <em>Hochachtung vor der Wahrheit \u2013 die ich 100%-ig teile \u2013 mit der Anma\u00dfung zu tun, sie zu besitzen, \u2013 die ich als Gr\u00f6\u00dfenwahnsinn ablehne<\/em>?\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mu\u00df ich das, was ich begehre, <em>bereits<\/em>\u00a0<em>haben<\/em>, oder <em>darf ich es nicht haben, um es begehren zu k\u00f6nnen<\/em>? K\u00f6nnen wir uns ernstlich Schokolade w\u00fcnschen, w\u00e4hrend sie sich bereits im Mund befindet?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Des weiteren \u2013 mein zweites Argument f\u00fcr die Hoffnung auf einen Bewu\u00dftseinswandel hin zur Postmoderne \u2013 ist alles Entscheidende im Leben oder das, was uns letztlich zu Menschen macht \u2013 Wahrheit, Verantwortung, Empathie, Verst\u00e4ndnis, Bildung, Glaube k\u00f6nnten wir den obigen Beispielen noch hinzuf\u00fcgen \u2013, an <em>Freiheit gebunden<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Diese w\u00fcrde durch die Existenz einer objektiven Wirklichkeit jedoch <em>willk\u00fcrlich und v\u00f6llig unn\u00f6tig<\/em> begrenzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann k\u00f6nnte der Glaube beispielsweise keine Berge versetzen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer behauptet, der Glaube k\u00f6nne es, obwohl er eine objektive Realit\u00e4t annimmt oder sie gar f\u00fcr selbstverst\u00e4ndlich h\u00e4lt, <em>legt kein beeindruckendes Zeugnis ab, sondern redet einfach Unsinn.<\/em> <em>Bei einem objektiv-realen Berg aus Dreck hilft kein Glauben, sondern nur Schaufeln oder Baggern<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Unser Ansatz lie\u00dfe sich somit recht treffend als ein <em>&#8222;Versuch zur Philosophie der Freiheit&#8220;<\/em> verstehen. Ich m\u00f6chte <em>ernstnehmen, da\u00df der Glaube Berge versetzen kann<\/em>, und sehe in der postmodernen Philosophie eine M\u00f6glichkeit, <em>dies sauber denken zu k\u00f6nnen und keine leeren Phrasen dreschen zu m\u00fcssen<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Seienden k\u00f6nnen wir nicht verantwortlich sein, denn sie sind unverf\u00fcgbar vorgegeben; bestenfalls liegt der Umgang mit ihnen in unserer Hand.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Entfallen die Seienden, verschwindet diese Grenze; wir k\u00f6nnen uns weder dahinter verstecken noch damit entschuldigen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ich habe nicht get\u00f6tet; aber w\u00e4re das in diesem Fall nicht vielleicht meine Aufgabe gewesen, um gr\u00f6\u00dferes Unheil zu verhindern?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir sind f\u00fcr unser gesamtes Leben verantwortlich; es gibt postmodern keine Entschuldigungen (mehr). Das macht das Leben nicht unbedingt leichter, verhindert aber ein selbstgen\u00fcgsames Einrichten; zum Beispiel im angeblich &#8222;gottgef\u00e4lligen Trott&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Vielleicht geh\u00f6rt es sogar zu den wichtigsten Inhalten des christlichen Glaubens, da\u00df <em>auch die fr\u00f6mmste Routine niemals gottgef\u00e4llig sein kann, weil es um die Zukunft geht, die keinen Trott gestattet, weil alles neu werden soll<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Schauen wir bitte noch einmal kurz zur\u00fcck; ich vermag nicht einzusehen, wieso die Toleranz kaum mit dem Glauben an eine objektive Wirklichkeit vereinbar sein soll.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer ihn teilt, <em>mu\u00df richtige Aussagen prinzipiell f\u00fcr m\u00f6glich halten, <\/em>n\u00e4mlich diejenigen, welche die (objektive Wirklichkeit der) Seienden ad\u00e4quat wiedergeben.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Wird der Glaube an deren Existenz weitgehend geteilt<\/em>, kann somit jeder \u2013 Philosoph, Verschw\u00f6rungstheoretiker, Naturwissenschaftler, Theologe, Stammtischler, Politiker, Esoteriker . . . \u2013 wiederspruchsfrei behaupten, \u00fcber richtige Beschreibungen zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Begr\u00fcndungen sind v\u00f6llig <em>unn\u00f6tig<\/em>, denn mit dem Totschlag-&#8222;Argument&#8220;<em> &#8222;So ist es \u2013 basta&#8220;<\/em> wird jedes konstruktive Gespr\u00e4ch j\u00e4h abgebrochen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Irgendwie mu\u00df es einem solchen Denken zufolge ja sein<\/em>, und der Sprecher beansprucht lediglich, ein genaueres Wissen von den Seienden zu besitzen als wir. Hut ab!<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es gibt kein zwingendes Argument gegen die Richtigkeit der Behauptung &#8222;So ist es \u2013 basta&#8220;, denn <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; die vorausgesetzte objektive Wirklichkeit schlie\u00dft nicht aus, da\u00df es tats\u00e4chlich gerade so ist<\/em>, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; da der Sprecher bei seinen Aussagen \u00fcber die Seienden notwendigerweise auf s\u00e4mtliche vern\u00fcnftigen Begr\u00fcndungen verzichten mu\u00df, existiert auch nichts, was man widerlegen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich sind dann tausend verschiedene und sogar gegens\u00e4tzliche &#8222;<em>So <\/em>ist es&#8220; m\u00f6glich<em>;<\/em> der Redner behauptet einfach nur eines von ihnen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ist er stur, sind wir mit unserem Latein am Ende; wir glauben ihm zwar nicht \u2013 k\u00f6nnen aber trotzdem nach Hause gehen. Das wird daran am deutlichsten, da\u00df sein &#8222;Argument&#8220; <em>bei jedem &#8222;so&#8220;<\/em> erfolgreich vorgebracht werden kann.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">In der Postmoderne kann es dagegen nicht speziell <em>&#8222;so&#8220;<\/em> sein, weil es <em>gar nicht irgendwie<\/em> ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem traditionellen &#8222;So ist es \u2013 basta&#8220; wird postmodern ein &#8222;Ich bin der \u00dcberzeugung, da\u00df es sich folgenderma\u00dfen verh\u00e4lt . . ., und kann mir gegenw\u00e4rtig gar keine andere L\u00f6sung vorstellen&#8220;. Daf\u00fcr kann man geradestehen und insbesondere eine Begr\u00fcndung hinzuf\u00fcgen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei jener Behauptung dagegen ist der Redner \u2013 m\u00f6glicherweise ohne \u00fcberhaupt nachgedacht zu haben \u2013 nur der Schlaumeier, der nichts zu verantworten hat \u2013 Schuld sind immer die Anderen \u2013 und vielleicht ob seines Wissens bestaunt werden will.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Dagegen kann ich nicht viel vorbringen . . .<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Angenommen Sie h\u00e4tten Recht, und es g\u00e4be keine Seienden. Wie erkl\u00e4ren Sie sich dann unsere felsenfeste \u00dcberzeugung, \u00fcberall welche zu sehen?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir kennen nur eine einzige Theorie des Sehens. Ihr zufolge existieren Seiende; eines von ihnen bin ich, und ein anderes sehe ich gerade. Gem\u00e4\u00df der gel\u00e4ufigen Wahrnehmungs-Theorie treffen einige der von diesem Seienden ausgehenden Lichtstrahlen auf meine Pupille, und so wird das Sehen m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das hei\u00dft,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; wir verf\u00fcgen <em>unbestreitbar \u00fcber Sehungen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Da wir diese jedoch<em> nur mittels der Seienden erkl\u00e4ren k\u00f6nnen<\/em>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>sind wir<\/em> <em>\u00fcberzeugt,<\/em><em> in den Sehungen oder durch sie die Seienden zu erfahren<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wie sollen unsere Sehungen denn anders zustande kommen? Na bitte!&#8220;\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Br\u00e4uchten wir f\u00fcr unsere Erkl\u00e4rung Musen oder Halbg\u00f6tter, w\u00fcrden die Sehungen eben<em>\u00a0deren Existenz<\/em> &#8222;beweisen&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das &#8222;zwingende Argument&#8220; ist also <em>gar<\/em> <em>kein Argument, sondern pure Alternativlosigkeit <\/em>\u2013 und resultiert damit aus mangelnder Phantasie, Denkfaulheit, Desinteresse oder \u00e4hnlichem.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei einem wirklichen Argument verf\u00fcgen wir dagegen \u00fcber<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; mehrere Denkm\u00f6glichkeiten und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; m\u00f6glichst starke Gr\u00fcnde, deretwegen wir uns f\u00fcr eine von ihnen entscheiden &#8222;m\u00fcssen&#8220;. J\u00fcrgen Habermas nannte das &#8222;den zwanglosen Zwang des besseren Arguments&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Darin besteht meines Erachtens <em>der entscheidende Grundgedanke<\/em> der Aufkl\u00e4rung:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Schlagt euch doch nicht mehr gegenseitig tot! Schwerter zu Gedanken!&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211;\u00a0 Besitzt mein Gegen\u00fcber die st\u00e4rkeren Argumente,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; dann gestehe ich das liebend gerne zu<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; und darf daf\u00fcr weiterleben.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber auch ganz abgesehen davon <em>gestehe ich das wirklich liebend gerne zu<\/em>, weil<em> ich nicht Recht haben, sondern in meinem Denken weiterkommen will.<\/em>\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Immer wenn wir sagen &#8222;Das wei\u00df doch jeder . . .&#8220;, &#8222;Das ist unm\u00f6glich . . .&#8220; oder &#8222;absurd . . .&#8220;, kann vern\u00fcnftigerweise nur gemeint sein &#8222;. . . <em>im Rahmen meiner subjektiven Welt<\/em>&#8222;. Aus dem traditionellen &#8222;so ist es&#8220; wird postmodern ein &#8222;so sehe ich es&#8220;, und wer das verinnerlicht hat, urteilt vorsichtiger.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Das kann ich partout nicht nachvollziehen!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mit dem Wort &#8218;L\u00f6we&#8216; beispielsweise bezeichne ich<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; keine Wissung meiner subjektiven Welt, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; den wirklichen L\u00f6wen in der Savanne,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">denn nur deswegen rei\u00dfe ich auch aus; Wissungen bei\u00dfen und fressen nicht.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wieso sollen Wissungen nicht bei\u00dfen? Hat Sie noch nie eine Katze (spielerisch) gebissen? Bi\u00df und Schmerz sind Wissungen wie Ihre Hand oder die Katze; andernfalls k\u00f6nnten Sie doch von alledem gar nichts wissen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; bin einerseits \u00fcberzeugt, da\u00df meine \u00dcberlegungen richtig sind,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; kann Ihre Schwierigkeiten aber trotzdem sehr gut nachvollziehen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Diese resultieren meines Erachtens jedoch lediglich daraus, da\u00df Sie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; unseren <em>postmodernen &#8222;Dualismus&#8220; <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0 &#8212; von objektiver Wirklichkeit auf der einen Seite<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0 &#8212; und den Wissungen der subjektiven Welt auf der anderen<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; im Sinne des traditionellen &#8222;Dualismus&#8220; verstehen, <em>bei dem sich <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0 &#8212; die Seienden und <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8212; deren Abbilder als Wissungen gegen\u00fcberstehen<\/em>.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Nat\u00fcrlich bei\u00dfen und fressen Abbilder nicht<\/em>; aber <em>die Schlu\u00dffolgerung, die Sie daraus ziehen, &#8222;. . . also m\u00fcssen es die Seienden tun&#8220;, ist falsch<\/em>, denn die haben wir postmodern nicht mehr. Damit entfallen freilich auch die Abbilder, so da\u00df es v\u00f6llig einerlei w\u00e4re, ob sie nun bei\u00dfen k\u00f6nnten oder nicht, denn wir m\u00fcssen dieses gesamte Modell hinter uns lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">An seine Stelle tritt das postmoderne, das keinerlei Referenten (mehr) kennt:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Wir wissen also nicht <em>von<\/em> einem L\u00f6wen, der bei\u00dft und fri\u00dft, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; das Wissen <em>ist<\/em> der L\u00f6we, der bei\u00dft und fri\u00dft.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Oder ausf\u00fcrlicher:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der L\u00f6we ist Wissen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; von dem wir auch das Wissen besitzen oder<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; zu dem auch das Wissen geh\u00f6rt,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">da\u00df er<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; in Afria durch die Savanne streift, sowie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; bei\u00dft und fri\u00dft.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Wenn ich Sie richtig verstanden habe, bedeutet das unter anderem Folgendes:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Tradition verf\u00fcgt nat\u00fcrlich \u00fcber die gleichen Wissungen wie wir, interpretiert sie nur anders. Ihr zufolge sind das <em>Abbildungen von Seienden, so da\u00df diese die Referenten der Wahrnehmungen oder Wissungen bilden und damit den Gewu\u00dften entsprechen<\/em>.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">(Selbstverst\u00e4ndlich kennt die Tradition auch falsche Abbildungen, aber das ist f\u00fcr unser Anliegen sekund\u00e4r. Um mich auf das Entscheidende beschr\u00e4nken und verst\u00e4ndlicher ausdr\u00fccken zu k\u00f6nnen, vernachl\u00e4ssigen wir das weiterhin.)\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;F\u00fcr uns gibt es keine Gewu\u00dften, weil die Wissungen ohne Seiende keine Referenten besitzen (k\u00f6nnen); aber das bedeutet doch:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir wissen, wissen jedoch <em>von nichts<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir haben Wahrnehmungen,<em>die handeln jedoch von nichts<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich f\u00fcrchte, hier steigen Ihre letzten gutwilligen Leser aus, . . .&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">. . . was zwar schade, aber sogar ein bi\u00dfchen nachvollziehbar w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Thomas S. Kuhn meinte, da\u00df gro\u00dfe Paradigmenwechsel \u2013 er dachte speziell an die Relativit\u00e4ts- und Quantentheorie \u2013 nicht nur stets mit einer Krise verbunden sind, sondern von erwachsenen Menschen, die seit ihrer Kindheit mit dem alten Paradigma gelebt haben, kaum bew\u00e4ltigt werden k\u00f6nnen. Die (wissenschaftliche) Revolution, die zu einem neuen Denken f\u00fchrt, vollzieht sich deshalb im Kern dadurch, da\u00df junge Menschen von Anbeginn in das sich gerade entfaltende Paradigma hineinwachsen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber vollkommen unbabh\u00e4ngig davon \u00fcberzeugt Ihre Argumenation <em>selbst innerhalb des traditionellen Rahmens<\/em> nicht:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Welche Referenten wei\u00df derjenige, dem bekannt ist, da\u00df der Klapperstorch die Babys und der Osterhase die Eier bringt?\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Da haben Sie Recht, wir wissen traditionell auch die Nicht-Seienden \u2013 Frau Holle, Aliens oder das Perpetuum mobile \u2013, bei denen offensichtlich keine Referenten existieren, und ben\u00f6tigen dieses Wissen sogar, <em>um die Nicht-Seienden als solche identifizieren zu k\u00f6nnen<\/em> . . .<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wer nichts von Nessie wei\u00df, kann unm\u00f6glich behaupten, dieses Ungeheuer sei inexistent.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Komisch:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Die Nicht-Seienden k\u00f6nnen keine Referenten besitzen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Jene m\u00fcssen also selbst Wissungen darstellen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Was wir bei den Nicht-Seienden zugeben <em>m\u00fcssen<\/em>, \u00fcbertragen Sie also lediglich auf die Seienden.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Postmodern gibt es gar keinen Platz f\u00fcr Referenten, denn meine subjektive Welt besteht aus<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>den gegenw\u00e4rtig aktualen Wissungen sowie<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; denjenigen potentiellen Wissungen, die ebenfalls h\u00e4tten aktualisiert werden k\u00f6nnen, aber unbewu\u00dft blieben.<\/em>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich verstehe die geistigen Turbulenzen der Gegenwart zu einem nicht unerheblichen Teil als Symptome eines epochalen Bewu\u00dftseinswandels, der uns \u2013 sofern wir ihn bew\u00e4ltigen \u2013 vom traditionellen Denken zum postmodernen f\u00fchren k\u00f6nnte. Ersteres geht, wie soeben dargestellt, davon aus, da\u00df eine uns vorgegebene objektive Wirklichkeit existiert, w\u00e4hrend die Postmoderne \u2013 wie wir sie im vorliegenden [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":3988,"menu_order":2,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-4201","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4201","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4201"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4201\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3988"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4201"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}