{"id":4273,"date":"2025-07-26T12:58:41","date_gmt":"2025-07-26T10:58:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4273"},"modified":"2026-03-16T17:52:12","modified_gmt":"2026-03-16T15:52:12","slug":"1-1-1-drei-dualismen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-1-1-drei-dualismen\/","title":{"rendered":"1.6.  Die Psyche und der Raum"},"content":{"rendered":"<p>Unsere K\u00f6rper geh\u00f6ren zu den materiellen oder physikalischen Seienden der (objektiven) Realit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Traditionell Denkende gehen zumeist davon aus, da\u00df wir als Subjekte \u2013 zumindest im Kern \u2013 mit unserem K\u00f6rper zusammenfallen. Aber der Satz &#8222;<span style=\"color: #009e15;\">Ich<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\">bin<\/span> <span style=\"color: #0000ff;\">mein<\/span> K\u00f6rper&#8220; mu\u00df falsch sein, weil<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; dieses <span style=\"color: #0000ff;\">&#8222;mein&#8220;<\/span> das Ich zum <span style=\"color: #009e15;\"><em>Besitzer<\/em> des K\u00f6rpers<\/span> macht, w\u00e4hrend<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; das <span style=\"color: #ff0000;\">&#8222;bin&#8220;<\/span> das gleiche <span style=\"color: #009e15;\">Ich mit dem K\u00f6rper <em>identifiziert<\/em><\/span>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">so da\u00df <span style=\"color: #009e15;\">der K\u00f6rper sein eigener Besitzer<\/span> sein m\u00fc\u00dfte, was offensichtlich Unsinn darstellt. Selbstbesitz gibt es ebensowenig wie Selbstverursachung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die \u00fcbliche &#8222;L\u00f6sung&#8220; besteht darin, unserem K\u00f6rper ein &#8222;Innen&#8220; hinzuzuf\u00fcgen und <em>die Einheit dieser beiden Seiten mit dem Subjekt zu identifizieren<\/em>, das nun widerspruchsfrei einen K\u00f6rper <em>haben<\/em> kann. Nat\u00fcrlich nicht wie ein Auto oder alle anderen Dinge; wir m\u00fc\u00dften also zumindest diese beiden Formen des Besitzens voneinander unterscheiden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Damit ergibt sich eine <em>Zweiteilung in Subjekte und Objekte<\/em>. Letztere sind <em>nur<\/em> K\u00f6rper, und bei uns Subjekten kommt zu diesen<em> \u2013 den Seienden i. e. S. \u2013 jeweils noch das &#8222;Innen&#8220;<\/em> hinzu.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df ich anderer Meinung bin und seinen Ansatz f\u00fcr falsch halte, braucht einen traditionell Denkenden nat\u00fcrlich \u00fcberhaupt nicht zu interessieren. Aber wenn wir einen Widerspruch in seinem Modell finden, m\u00fc\u00dfte er es konsequenterweise aufgeben oder korrigieren, um den Widerspruch zu beseitigen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das ist meines Erachtens tats\u00e4chlich der Fall; <em>der traditionelle Subjekt-Begriff scheint mir widerspr\u00fcchlich zu sein<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Eine Voraussetzung f\u00fcr unseren diesbez\u00fcglichen &#8222;Beweis&#8220; besteht in der Annahme,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>da\u00df es ohne Sehen keinen Raum gibt oder<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; da\u00df unser \u00fcblicher Raum ein<em> rein visueller bzw. Augen-Raum<\/em> ist.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Diesen Gedanken halten Sie h\u00f6chstwahrscheinlich \u2013 gelinde gesagt \u2013 f\u00fcr irre. Ich stehe zu ihm, und werde umgehend versuchen, Ihnen meine Gr\u00fcnde plausibel zu machen.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einer guten \u00dcbersichtlichkeit wegen nehmen wir kurz einmal an, das w\u00e4re mir bereits gelungen; dann d\u00fcrfte der nachstehende Gedankengang nicht schwer sein:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich bin als Subjekt der Wahrnehm<em>ende<\/em> und insbesondere also der Sehende; der Einfachheit halber beschr\u00e4nken wir uns im Moment darauf. Wie das Auto und alle anderen Dinge kenne ich meinen K\u00f6rper somit nur als Sehung, was uns zu der folgenden Kette von Schl\u00fcssen f\u00fchrt:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Ohne Subjekt keine Sehung.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Ohne Sehung kein Raum.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Ohne Raum kein K\u00f6rper.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zusammengefa\u00dft f\u00fchrt dies zu dem Ergebnis:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Ohne Subjekt kein K\u00f6rper<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dann stellt es nat\u00fcrlich einen Widerspruch dar, <em>das Subjekt als Einheit aus seinem K\u00f6rper<\/em> und einem &#8222;Innen&#8220; \u2013 welchem auch immer \u2013 zu definieren:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Man kann den K\u00f6rper doch nicht <em>als Bauteil des Subjekts benutzen, wenn es ihn erst durch oder nur f\u00fcr das fertige Subjekt gibt<\/em>; das w\u00e4re ein logischer Zirkel.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich denke, da\u00df Sie mit meiner \u00dcberlegung mitgehen w\u00fcrden, <em>k\u00f6nnten Sie mir glauben, da\u00df es ohne Sehen keinen Raum gibt<\/em>; diese bisher nur &#8222;gesponserte&#8220; Voraussetzung soll nun verst\u00e4ndlich werden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Hierzu denken wir uns in einem Zimmer mit Herd. Er ist aus Eisen und hei\u00df, so da\u00df er unm\u00f6glich unserer Psyche angeh\u00f6ren kann; das mu\u00df der <em>wirkliche Herd \u2013 als ein Seiendes \u2013 <\/em>sein.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir laufen unachtsam durchs Zimmer und sto\u00dfen oder verbrennen uns an ihm. Woran genau; am Ur- oder am Abbild des Herds?\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Letzteres scheidet sofort aus, weil wir uns an (dem Inhalt) der Psyche weder sto\u00dfen noch verbrennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bleibt nur das <em>Urbild des Herds<\/em>, an dem sich unser K\u00f6rper st\u00f6\u00dft und verbrennt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber auch das ist wieder zweideutig; gilt es f\u00fcr das Ur- oder das Abbild unseres K\u00f6rpers?\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da sich <em>auch das Abbild des eigenen K\u00f6rpers nur in unserer Psyche<\/em> befinden kann, ergibt sich zwingend:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Das Urbild unseres K\u00f6rpers st\u00f6\u00dft und verbrennt sich am Urbild des Herds<\/em>, so das wir erneut <em>keine Abbilder ben\u00f6tigen<\/em>; Seiende prallen unmittelbar aufeinander.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir trinken auch kein Abbild des Bieres, riechen kein Abbild des Parf\u00fcms, fahren kein Abbild des Autos und bauen kein Abbild des Hauses. Das ist auf der einen Seite alles so selbstverst\u00e4ndlich, da\u00df ich mir fast nicht getraue, es hier aufzuz\u00e4hlen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Und trotzdem beschleicht mich auf der anderen Seite das Gef\u00fchl, es tun zu m\u00fcssen, weil wir (fast) alle \u00fcberzeugt sind, <em>Abbilder der Seienden in unserer Psyche zu haben<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir kommen dem Grund dieses Widerspruchs n\u00e4her, wenn wir die Bezeichnungen &#8222;Ur-&#8220; bzw. &#8222;Abbilder&#8220; w\u00f6rtlich nehmen: Es sind <em>Bilder<\/em>, und die gibt es <em>nur beim Sehen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Damit ist unser Problem noch nicht gel\u00f6st, aber es wird zun\u00e4chst einmal nachvollziehbar, da\u00df<em> das Sehen auf der einen Seite ganz allein<\/em> sowohl dem Ber\u00fchren, H\u00f6ren oder Beschnuppern als auch dem Sto\u00dfen, Verbrennen, Trinken, Riechen, Fahren, Bauen usw. auf der anderen Seite gegen\u00fcbersteht:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Die Unterscheidung zwischen Ur- und Abbild\u00a0<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; ist zwar traditionell f\u00fcr das Sehen erforderlich,<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; bei allen anderen T\u00e4tigkeiten aber nicht nur unn\u00f6tig, sondern sogar falsch. \u00a0<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nun m\u00fc\u00dften wir lediglich noch kl\u00e4ren, <em>weshalb<\/em> es sich so verh\u00e4lt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Kommen wir dazu auf unseren Herd zur\u00fcck; wir sehen ihn sowohl traditionell als auch postmodern wirklich dort, und es liegt mir fern, dies zu leugnen. Die Sehung ist unbestreitbar; wir verstehen sie lediglich anders als die Tradition:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letztere<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; macht den Herd zu einem Seienden,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; das als sekund\u00e4re Sehung von uns abgebildet wird,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; was innerhalb der Psyche geschieht,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; w\u00e4hrend sich s\u00e4mtliche physikalischen Seienden im Raum befinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>beginnen dagegen mit der Herd-Sehung oder erkennen diese als prim\u00e4r an<\/em>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; mi\u00dfverstehen sie folglich nicht als Sehung eines \u2013 inexistenten \u2013 Herdes, sondern\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; betrachten sie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; als unhintergehbar oder urspr\u00fcnglich und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; im Raum befindlich.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Deutlich wurde mir dies erstmals durch einen Artikel von Heinrich Rombach, in dem er schrieb:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wir sehen nicht <em>den Baum dort<\/em>, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">wir <em>sehen dort&#8220; <\/em>\u2013 alles; zum Beispiel auch diesen Baum.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Dort-Sein ist also<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>nicht die Eigenschaft des Baumes<\/em>, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; eine solche <em>der Sehungen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">S\u00e4mtliche Sehungen geh\u00f6ren <em>dadurch, da\u00df sie Sehungen sind <\/em>\u2013 aber auch <em>nur<\/em> dadurch \u2013 dem Raum an. Er trennt sie voneinander und ist kein Beh\u00e4lter, sondern der <em>Zwischen-Raum<\/em>, der die verschiedenen Sehungen auseinanderh\u00e4lt. \u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Interessanterweise geht dieser Gedanke zumindest bis auf Aristoteles zur\u00fcck. Bereits er sah den Raum <em>lediglich als Zwischen-Raum<\/em>; nat\u00fcrlich nicht postmodern zwischen Sehungen, aber immerhin traditionell zwischen Seienden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Des weiteren wird diese Idee auch von der Urknalltheorie aufgegriffen. Ihr zufolge expandiert der physikalische Kosmos \u2013 nicht innerhalb eines angeblich bereits bestehenden Raumes, sondern \u2013 in das Nichts hinein und erzeugt dadurch erst den Raum als Zwischen-Raum, der die Galaxien voneinander trennt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der leere Raum ist keineswegs das Nichts. In jenem gibt es etwas \u2013 vielleicht eine bestimmte Geometrie mit Abst\u00e4nden, Winkeln und Zusammenhangsverh\u00e4ltnissen beispielsweise \u2013; im Nichts ist nichts.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist darum f\u00fcr mich auch kein Zufall, da\u00df Kant den Raum speziell als <em>Anschauungs<\/em>&#8211; und nicht allgemein als <em>Wahrnehmungs<\/em>form verstanden hat. Dem Sehen kommt unter all unseren Wahrnehmungen <em>sowohl traditionell als auch postmodern<\/em> eine Sonderrolle zu:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Traditionell sind die Subjekte Seiende i. e. S.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aus unserer postmodernen Sicht gibt es gar keine Seienden; sie wurden von der Tradition erfunden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dann mu\u00dfte auch gekl\u00e4rt werden, wo sie sich angeblich befinden; deswegen wurde der Raum als<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; das Wo der Seienden und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; ein weiteres Seiendes<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">notwendigerweise miterfunden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ohne Seiende ben\u00f6tigen wir jedoch auch <em>deren<\/em> Raum nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Einen \u2013 anderen \u2013 Raum gibt es aber trotzdem; es ist der Raum (lediglich) der Sehungen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Er \u00fcbernimmt folglich die Rolle der traditionellen Psyche; sie beinhaltet die Sehungen, die sich postmodern im Raum befinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Postmodern beginnen wir, mit anderen Worten, bei unseren Wahrnehmungen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Jede Art hat ihre typischen Eigenschaften, und bei den Sehungen geh\u00f6rt \u2013 nicht ganz \u00fcberraschend dazu \u2013, da\u00df sie <em>voneinander getrennt sein m\u00fcssen<\/em>; hier befindet sich die Sonnen- und dort die Mond-Sehung. F\u00fcr diesen Abstand ist der Raum zust\u00e4ndig, den wir nicht als Beh\u00e4lter, sondern als Zwischen-Raum zu verstehen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Auch bei uns oder postmodern befinden sich alle K\u00f6rper im Raum, und trotzdem ben\u00f6tigen wir keine Psyche . . .?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\">Nat\u00fcrlich sind alle K\u00f6rper im Raum; das geht ja gar nicht anders, da sie ausgedehnt sind.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Aber es handelt sich um ganz unterschiedliche K\u00f6rper und auch R\u00e4ume:<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; Traditionell sind es <em>Seiende in einem seienden Beh\u00e4lter-Raum<\/em> und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; postmodern <em>Sehungen im visuellen Abstands-Raum, der h\u00f6chstens f\u00fcr Subjektivit\u00e4ten existiert<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich wei\u00df nicht, was ein K\u00f6rper als Seiendes sein soll, und <em>kann das auch nicht wissen, weil in meinem Weltbild keine Seienden vorkommen; <\/em>es legt mich auf seine Inhalte fest und versperrt mir alles andere.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ein K\u00f6rper als Sehung stellt dagegen \u00fcberhaupt kein Problem dar; er kann tausend weitere Eigenschaften besitzen, aber <em>ausgedehnt ist er mit Sicherheit<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Wissungen befinden sich im Weltbild als ihrem Horizont. Ihm geh\u00f6rt auch der Raum an, der von den Sehungen konstituiert wird. Zu den Orten im Weltbild k\u00f6nnen also beispielsweise Stellen im Farben-Raum ebenso geh\u00f6ren wie solche im Orts-Raum.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber eine Subjektivit\u00e4t kann nicht darin sein, weil zwar ihr K\u00f6rper eine Wissung darstellt, <em>aber sie selbst nicht<\/em>; Subjektivit\u00e4ten sind die <em>Tr\u00e4ger der Weltbilder<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Vielleicht haben Sie Recht, aber ein bi\u00dfchen wundert es mich schon, da\u00df dem Sehen so eine Sonderrolle zukommen soll.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Raum spielt vielleicht gar keine Sonderrolle, sondern ist nur besonders spektakul\u00e4r, und wir hatten ihn bisher mi\u00dfverstanden. Nat\u00fcrlich lassen sich Richtungen beispielsweise auch <em>erriechen oder ertasten<\/em>, aber ich glaube, wir ordnen sie damit nur in den Raum der Sehungen ein. Da\u00df dies \u00fcberhaupt geht, ist f\u00fcr blinde Menschen nat\u00fcrlich ganz fundamental.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Alle Wissens-Formen besitzen ihre Charakteristika. Nur f\u00fcr das H\u00f6ren gibt es &#8222;laut&#8220; oder &#8222;leise&#8220;, nur f\u00fcr das Ber\u00fchren &#8222;hart&#8220; bzw. &#8222;weich&#8220; und allein f\u00fcr das Sehen farbig, &#8222;hell&#8220; oder &#8222;dunkel&#8220; sowie den notwendigen Raum zwischen zwei Sehungen. Ohne ihn w\u00e4ren es nicht zwei, so wie ein <em>doppelter<\/em> Kognak auch <em>blo\u00df einer ist<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kommen wir bitte nochmals auf das widerspr\u00fcchliche Konzept der Tradition zur\u00fcck.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ihr &#8222;Innen&#8220; besteht aus zwei Komponenten, <em>der Psyche und dem &#8222;Innen des Lebens&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zu letzterem geh\u00f6ren insbesondere Gef\u00fchle, Triebe, Absichten, Vorstellungskraft, der Wille oder gegebenenfalls auch die Freiheit sowie das Gewissen. Den Begriff &#8222;Innen des Lebens&#8220; habe ich bewu\u00dft un\u00fcblich gew\u00e4hlt; insbesondere Seele w\u00e4re nat\u00fcrlich eine wesentlich gel\u00e4ufigere Alternative gewesen. Aber mir geht es stets darum,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; m\u00f6glichst treffende Bezeichnungen zu finden,die<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; kaum unerw\u00fcnschte Assoziationen beg\u00fcnstigen, was<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; mit der Seele geradezu konterkariert w\u00fcrde.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das zugeh\u00f6rige Au\u00dfen des Lebens besteht im <em>Verhalten<\/em> <em>unseres K\u00f6rpers<\/em>, der sich mit allen anderen physikalischen Seienden im Raum bzw. Kosmos befindet und dem das gesamte &#8222;Innen&#8220; zugeordnet ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Psyche bildet den zweiten Teil dieses &#8222;Innen&#8220;. Au\u00dfen befindet sich \u2013 auch bei geschlossenen Augen \u2013 der Eiffelturm; \u00f6ffnen wir sie, entsteht ein Abbild von ihm in unserer Psyche.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auch sie ist freilich <em>kein Gef\u00e4\u00df, sondern die Gesamtheit der Sehungen<\/em>. Das &#8222;in&#8220; soeben war aber trotzdem richtig, weil &#8222;Inhalt&#8220; und &#8222;Gef\u00e4\u00df&#8220; wie bei den Zahlen zusammenfallen. Die 3 befindet sich als &#8222;Inhalt&#8220; <em>in<\/em> der Menge der nat\u00fcrlichen Zahlen; dem &#8222;Gef\u00e4\u00df&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Falsche Wissungen sind <em>rein<\/em> subjektiv; werden sie jedoch immer ad\u00e4quater oder richtiger, m\u00fcssen sich die Wissungen der verschiedenen Subjekten einander ann\u00e4hern und damit partiell intersubjektiv werden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit gelangen wir nach dem Dualismus von Subjekt und Objekt unmittelbar zu einem zweiten:<\/p>\n<p class=\"Indent\">Der <em>objektiv-wirklichen Realit\u00e4t der Seienden im Au\u00dfen des Kosmos<\/em> stehen traditionell<\/p>\n<p class=\"Indent\">die <em>subjektiv-unwirklichen &#8222;Innen&#8220; der Subjekte<\/em> gegen\u00fcber.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber diese &#8222;Innen&#8220; stellen nat\u00fcrlich keine Innen dar, wie wir im ersten Teil schon gesehen hatten; deswegen die Anf\u00fchrungsstriche:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Unser K\u00f6rper befindet sich im Raum; deswegen k\u00f6nnen wir ihn sehen; das zugeh\u00f6rige &#8222;Innen&#8220; sieht jedoch auch kein Chirurg, <em>weil es ohne Ausdehnung ist<\/em>. Was keine Ausdehnung besitzt, <em>ist jedoch raumlos oder nicht im Raum und kann somit auch nicht innen sein.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich gebe Ihnen Recht; <em>es gibt verschiedene Wahrnehmungs-Arten, aber nur f\u00fcr die Sehungen wird die Psyche ben\u00f6tigt<\/em>. <em>Allein sie werden traditionell als Abbilder verstanden<\/em>; es gibt kein Abh\u00f6ren, Abtasten oder Abschmecken im philosophischen Sinne, und Politik, Sicherheit oder Kochkunst sind nicht unsere Themen.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">In der Postmoderne f\u00e4llt, wenn ich Ihre bisherigen Andeutungen richtig verstanden habe, auch das Abbilden noch weg.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber die Psyche werden wir dennoch nicht los, denn wir brauchen sie noch<em> f\u00fcr unsere Vorstellungen, Denkungen, Verstehungen usw<\/em>.&#8220;\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was Sie sagen klingt sehr logisch.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich kann Ihnen an dieser Stelle nur unser Endergebnis mitteilen. Auf seine Begr\u00fcndung kommen wir im vierten Teil zur\u00fcck; dort soll im Anschlu\u00df an den sp\u00e4ten Wittgenstein deutlich werden, <em>da\u00df nicht nur die Psyche entf\u00e4llt, sondern wir gar kein &#8222;Innnen&#8220; mehr ben\u00f6tigen; dessen Unterscheidung von einem angeblichen Au\u00dfen ist postmodern hinf\u00e4llig. <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Damit k\u00f6nnen wir drei Positionen unterscheiden:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>1. Die Tradition in ihrem Selbstverst\u00e4ndnis\u00a0 \u00a0<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie geht davon aus, da\u00df sich<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>s\u00e4mtliche Wahrnehmungen sowie<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; alle Vorstellungen, Denkungen, Verstehungen<\/em> usw. in der Psyche befinden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>2. Die Tradition aus postmoderner Sicht\u00a0<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir haben gesehen, da\u00df<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nur bei den Sehungen tats\u00e4chlich abgebildet wird und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; eine entsprechende Annahme bei den anderen Wahrnehmungs-Arten<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; nicht nur unn\u00f6tig ist, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; sogar auf Widerspr\u00fcche f\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Psyche wird folglich <em>f\u00fcr die Sehungen sowie Vorstellungen, Denkungen, Verstehungen<\/em> usw. ben\u00f6tigt.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">3. <em>Die Postmoderne<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nur scheinbar selbstverst\u00e4ndliche, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; in der gesamten abendl\u00e4ndischen Geistesgeschichte problematische<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Unterscheidung zwischen &#8222;Innen&#8220; und Au\u00dfen entf\u00e4llt vollst\u00e4ndig<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich sind &#8222;innere&#8220; Vorstellungen etwas anderes als &#8222;\u00e4u\u00dfere&#8220; Wahrnehmungen, aber <em>nicht weil sie sich in differenten Sph\u00e4ren befinden<\/em>, sondern ganz einfach, <em>weil sie verschiedene Eigenschaften besitzen<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;H\u00e4tten Sie nicht fairerweise einen vierten Punkt <em>&#8222;Die Postmoderne aus traditioneller Sicht&#8220;<\/em> hinzuf\u00fcgen m\u00fcssen?&#8220;\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; der w\u00e4re widerspr\u00fcchlich, weil das traditionelle Denken, wie sich bald zeigen wird, <em>einen Spezialfall des postmodernen darstellt und somit gar nicht auf dieses blicken kann.\u00a0 \u00a0 <\/em>\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das w\u00e4re so, als wollten Sie aus Sicht der nat\u00fcrlichen Zahlen \u00fcber die reellen sprechen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unsere K\u00f6rper geh\u00f6ren zu den materiellen oder physikalischen Seienden der (objektiven) Realit\u00e4t. Traditionell Denkende gehen zumeist davon aus, da\u00df wir als Subjekte \u2013 zumindest im Kern \u2013 mit unserem K\u00f6rper zusammenfallen. 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