{"id":4395,"date":"2026-02-03T22:10:20","date_gmt":"2026-02-03T20:10:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4395"},"modified":"2026-03-22T14:25:44","modified_gmt":"2026-03-22T12:25:44","slug":"1-1-3-zwei-arten-von-seienden","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/2-hinfuehrung-zum-thema\/1-1-3-zwei-arten-von-seienden\/","title":{"rendered":"2.1.  Worin besteht eigentlich das Problem?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich gibt es auch Blitze, Explosionen, Unf\u00e4lle und viele andere &#8222;Dinge&#8220;, die gar keine richtigen Dinge darstellen, weil sie nur von kurzer Dauer sind.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Traditionell Denkende setzen jedoch hinreichend viele Seiende als stabil voraus und nehmen an, da\u00df ein paar kurzlebige Seiende nicht zum Chaos f\u00fchren oder Orientierung, Ordnung, Gesetzlichkeit und andere Strukturen in unserer Welt verunm\u00f6glichen.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun kommt ein Gedanke, der Ihnen bisher wahrscheinlich kaum begegnet ist, obwohl ich ihn f\u00fcr fundamental halte:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Tradition m\u00fc\u00dfte, um ihren eigenen Ansatz (widerspruchsfrei) denken zu k\u00f6nnen, <em>konsequent<\/em> <em>zwei Perspektiven<\/em> unterscheiden, tut dies aber praktisch nicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der erste Zugang h\u00e4ngt unmittelbar mit unseren Wahrnehmungen zusammen; wir sehen den Mond, h\u00f6ren die Glocken und riechen das Parf\u00fcm. Die Seienden sind traditionell zwingend erforderlich, denn ohne Mond, Glocken oder Parf\u00fcm w\u00e4ren unsere Wahrnehmungen nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Letztere ergeben sich aus dem <em>Wechselspiel oder Zusammenwirken von uns und den Seienden<\/em>. Wir leisten m\u00f6glicherweise beide einen Beitrag dazu, kennen ihn aber nicht, denn gegeben ist allein das daraus resultierende Endergebnis; die Wahrnehmung also.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Beispielsweise habe ich oder befindet sich dort eine Baum-Wahrnehmung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich\u00a0 \u00a0\u2014 <span style=\"color: #ff0000;\">mein Beitrag<\/span> \u2192\u00a0 \u00a0<span style=\"color: #0000ff;\">Baum-Wahrnehmung<\/span>\u00a0 \u00a0\u2190 <span style=\"color: #ff0000;\">Baum<\/span>\u00a0\u2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es hat keinen Sinn, analog zur linken Seite den unbekannten Beitrag des Baumes von letzterem zu unterscheiden, weil wir den Baum ja ebenfalls nicht wissen, sondern ihn durch seine Wahrnehmung erst kennenlernen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir wissen weder <span style=\"color: #ff0000;\">meinen Beitrag<\/span>, noch den<span style=\"color: #ff0000;\"> Baum<\/span>, und beide bleiben prinzipiell unbestimmbar, <em>weil die Frage nach ihnen einer mathematischen Aufgabe der Form entspricht<\/em>:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die <span style=\"color: #0000ff;\">Summe<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\">zweier Zahlen<\/span> ergibt <span style=\"color: #0000ff;\">Hundert<\/span>; wie hei\u00dfen die beiden Zahlen?\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Perspektive, k\u00f6nnen wir damit zusammenfassen,<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; zeigt, da\u00df Seiende traditionell zwar <em>zwingend erforderlich sind<\/em>, um wahrnehmen zu k\u00f6nnen,\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; <em>f\u00fchrt aber dennoch nicht zu ihrer Erkenntnis, <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\">denn es gibt stets<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; unendliche viele M\u00f6glichkeiten des Zusammenspiels zwischen <span style=\"color: #ff0000;\">meinem Beitrag<\/span>\u00a0und den <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span>,<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; die zu den <span style=\"color: #0000ff;\">gleichen allein nachpr\u00fcfbaren Wahrnehmungen<\/span> f\u00fchren.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es ist nat\u00fcrlich ein schwerer Schlag f\u00fcr das traditionelle Denken, <em>die<\/em> <em>eigenen Grundbegriffe nicht verstehen zu k\u00f6nnen<\/em>. Deshalb hat man nach einem Ausweg gesucht, und der sieht \u2013 gewi\u00df stark vereinfacht \u2013 etwa folgenderma\u00dfen aus:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: left;\">Die Gleichung mit zwei Unbekannten lie\u00dfe sich vermeiden, wenn wir \u2013 als zweite Perspektive \u2013einen <em>neutralen Beobachter<\/em> h\u00e4tten, der<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die <span style=\"color: #ff0000;\">Wirklichkeit der Seienden<\/span> ohne <span style=\"color: #ff0000;\">eigenen Beitrag<\/span> wahrnimmt, so da\u00df<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <span style=\"color: #ff0000;\">jene<\/span> mit <span style=\"color: #0000ff;\">seiner<\/span> <span style=\"color: #0000ff;\">Wahrnehmung<\/span> \u00fcbereinstimmt und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; er uns seine Schauung mitteilt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Beispiel: Dort befindet sich <em>seine<\/em> <span style=\"color: #0000ff;\">Baum-Schauung<\/span>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">neutraler Beobachter\u00a0 \u00a0\u2014 <del><span style=\"color: #ff0000;\">sein Beitrag<\/span><\/del> \u2192\u00a0 \u00a0<span style=\"color: #0000ff;\">Baum-Schauung<\/span>\u00a0 \u00a0\u2190 <span style=\"color: #ff0000;\">Baum<\/span> \u2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der <span style=\"color: #ff0000;\">Beitrag<\/span> des neutralen Beobachters zu <span style=\"color: #0000ff;\">ihr<\/span> ist <span style=\"color: #ff0000;\">0<\/span>, so da\u00df diese <span style=\"color: #0000ff;\">Baum-Schauung<\/span> mit dem <span style=\"color: #ff0000;\">Baum<\/span> als Seienden zusammenf\u00e4llt; verallgemeinert erkennt der neutrale Beobachter die Seienden.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die alten Griechen haben diese \u00fcbermenschliche Aufgabe konsequenterweise einem Gott anvertraut. Der wurde bei ihnen h\u00e4ufig &#8222;Nous&#8220; genannt; bei Pascal wird hieraus der &#8222;Gott der Philosophen&#8220;, in der Moderne die Vernunft, und Thomas Nagel, ein noch lebender amerikanischer Philosoph, sieht darin den &#8222;Blick von <em>nirgendwo<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dieser Name ist gut gew\u00e4hlt, weil jeder konkrete Ort des Nous mit einer entsprechenden Perspektive verbunden w\u00e4re, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>genau sie ist das, was uns Menschen <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; gemeinsam mit unseren speziellen Sinnesorganen<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em> am Erkennen der Seienden hindert<\/em>. Noch deutlicher w\u00e4re &#8222;Blick von nirgendwo und -wann&#8220;.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Best\u00e4nde die M\u00f6glichkeit einer solchen Schau, w\u00e4re die Tradition aller Sorgen ledig; wir k\u00f6nnen die Seienden<em>\u00a0von uns aus zwar definitiv nicht bestimmen<\/em>, uns aber mit dem Nous arrangieren.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Und jetzt folgt die postmoderne Entt\u00e4uschung:\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Der Blick von nirgendwo ist uns selbst versperrt und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; den Nous oder Gott der Philosophen bzw. eine entsprechende Vernunft gibt es nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Wer von Seienden spricht, wei\u00df also nicht, was er sagt<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;<em>Aus Sicht der Postmoderne<\/em>, wohlgemerkt!&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; ganz neutral. Wir haben lediglich das <em>ernstgenommen, was die Tradition selbst zu ihrem eigenen Ansatz sagt<\/em> und somit ehrlicherweise auch von ihr kommen m\u00fc\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Uns unterscheidet vom traditionellen Denken an dieser Stelle lediglich, da\u00df wir<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; eine postmoderne Alternative dazu sehen und somit<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die Fehler oder Widerspr\u00fcche der Tradition zugeben k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie hingegen versucht, ihr Denken auf Teufel komm raus zu verteidigen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wie sonst sollten denn unsere stabilen Wahrnehmungen m\u00f6glich sein?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;. . .&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Na bitte!&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Nat\u00fcrlich gibt es weder den Nous noch andere G\u00f6tter; aber der Blick von nirgendwo (und -wann) erschien mir bisher immer als v\u00f6llig unproblemarisch.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich <em>bestreite<\/em> auch nicht, da\u00df wir uns einen Blick von au\u00dfen leicht <em>vorstellen <\/em>k\u00f6nnen; nahezu &#8222;alles&#8220; l\u00e4\u00dft sich phantasieren; <em>weshalb gerade das nicht<\/em>? Mir geht es allein darum, <em>da\u00df aus einem solchen Blick absolut nichts folgt<\/em>, denn er<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; ist frei erfunden \u2013 wir befinden uns weder nirgendwo noch nirgendwann \u2013 und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; zeigt uns folglich<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; nicht die objektive Welt, sondern lediglich<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; die eigene Vorstellung von ihr.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen uns ausmalen, wie eine Schildkr\u00f6te im Meer des Nichts schwimmt, auf der ein Elefant steht und die Erdscheibe tr\u00e4gt. Aber <em>selbstverst\u00e4ndlich glauben<\/em> wir solchen Unsinn nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Selbstverst\u00e4ndlich?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Warum glauben wir dann unseren eingebildeten Blick von nirgendwo? Wieso ist das kein Unsinn? Was hat eine vollkommen willk\u00fcrliche, weil durch nichts auch nur andeutungsweise kontrollierbare Vorstellung mit Wirklichkeit, Richtigkeit oder gar Wahrheit zu tun?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Weshalb nennen wir eine ziemlich ausgefallene subjektive Einbildung, die <em>so nur in unserer Kultur m\u00f6glich ist<\/em> und <em>sich nicht prinzipiell von dem Tier-Bild soeben unterscheidet<\/em>, &#8222;objektive Welt&#8220;?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich mu\u00df Ihnen im Namen der modernen Physik widersprechen!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mit dem antiken Nous oder Pascals Gott der Philosophen kann man sehr sch\u00f6n erkl\u00e4ren, was Nagel mit seinem Blick von nirgendwo meint, und da\u00df uns Menschen eine solche Schau bis vor wenigen Jahrzehnten verwehrt bleiben mu\u00dfte.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das hat sich jedoch im 20. Jahrhundert ge\u00e4ndert. Wir m\u00fcssen nicht l\u00e4nger in die Haut des Nous schl\u00fcpfen, um seine (Nicht-)Perspektive einnehmen zu k\u00f6nnen, sondern <em>erreichen sie mittels der heutigen Physik<\/em>. Auf ihrer Grundlage <em>wird der Blick von nirgendwo f\u00fcr uns zu einem Rechenergebnis<\/em>.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es tut mir leid, aber ich mu\u00df Ihnen im Namen des gesunden Menschenverstands widersprechen!\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir lesen h\u00e4ufig, da\u00df die Naturgesetze unabh\u00e4ngig von Raum und Zeit oder in der gesamten Raum-Zeit identisch seien. Das kann gewi\u00df richtig verstanden werden, aber die Formulierung und ihr Zusammenhang mit dem restlichen Text f\u00fchren h\u00e4ufig auf eine v\u00f6llig falsche Spur:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Die Wissenschaft hat nicht erkannt oder herausbekommen, da\u00df die Naturgesetze \u00fcberall und immer die gleichen sind \u2013 und das kann sie auch nicht, weil es prinzipiell unm\u00f6glich ist<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen Narurgesetze immer nur hier und jetzt \u00fcberpr\u00fcfen, so da\u00df daf\u00fcr lediglich der erdnahe Raum infrage kommt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ob sie im <em>Sp\u00e4ter<\/em> gelten, mu\u00df v\u00f6llig offenbleiben; woher sollten wir das heute wissen (k\u00f6nnen)?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Vor 500 Jahren gab es noch gar keine Naturgesetze in unserem Sinne, so da\u00df sie insbesondere auch niemand kontrollieren konnte.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Begr\u00fcndet k\u00f6nnen die Physiker also h\u00f6chstens\u00a0 sagen, da\u00df ihre Naturgesetze in einer recht kleinen Region der Raum-Zeit nachweislich identisch sind; die letzten 300 Jahre im erdnahen Raum. Das ist sehr erfreulich, denn <em>andernfalls g\u00e4be es gar keine Physik<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Freilich ist ihr Anwendungsbereich damit sehr beschr\u00e4nkt, und vielen Forschern d\u00fcrfte er zu klein sein:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Mich w\u00fcrde der Sirius interessieren und wie es vor 1000 Jahren war.&#8220;\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schade; das ist leider unm\u00f6glich; es besteht kein Weg zu Zielen, die \u00fcber das physikalische Hier und Jetzt, in dem wir experimentieren, messen und \u00fcberpr\u00fcfen k\u00f6nnen, hinausreicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich lie\u00dfe sich wild drauflos spekulieren; unseren Vorstellungen sind, wie oben bereits erw\u00e4hnt, kaum Grenzen gesetzt, aber damit wechseln wir auch schnell und prinzipiell unkontrollierbar von der physikalischen in die M\u00e4rchenwelt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum Beispiel k\u00f6nnten wir \u2013 ohne erkennbaren Widerspruch \u2013 annehmen, die Naturgesetze w\u00e4ren <em>in der gesamten Raum-Zeit<\/em> identisch.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Nicht &#8222;im gesamten Kosmos&#8220;<\/em>, denn der existiert ja noch gar nicht:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Er ist, wie Sie ganz richtig sagten, ein Rechenergebnis.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Das ergibt sich nur, wenn wir rechnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Um dies zu k\u00f6nnen, <em>m\u00fcssen wir jedoch zuvor festlegen, mittels welcher Naturgesetze wir dies tun wollen.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch eine totale Identit\u00e4t der Naturgesetze anzunehmen, ist nat\u00fcrlich Willk\u00fcr, aber vielleicht die geringst-m\u00f6gliche oder fairste.<\/p>\n<p class=\"Indent\">F\u00fcr diese \u00fcbliche Voraussetzung spricht <em>wissenschaftlich kein einziger Grund. <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber ohne irgendeine mehr oder weniger willk\u00fcrliche Festlegung k\u00f6nnten wir nicht <em>weit rechnen und w\u00fcrde<\/em> <em>die Physik zu einer Art kosmischer Heimatkunde<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auf der Grundlage der gew\u00e4hlten Naturgesetze berechnen wir also <span style=\"color: #ff0000;\">die verschiedensten Seienden \u2013 nicht <em>des<\/em>, sondern <em>zu einem<\/em> \u2013 Kosmos<\/span>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Das verstehe ich nicht. Wir<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; berechnen zum Beispiel die <span style=\"color: #ff0000;\">(Bahn der) Venus<\/span>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; vergleichen sie mit ihrer <span style=\"color: #0000ff;\">Wahrnehmung im Teleskop<\/span> und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; stellen eine unglaubliche \u00dcbereinstimmung fest,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">was insbesondere auch unsere Wahl der Naturgesetze nachtr\u00e4glich rechtfertigt; zun\u00e4chst mu\u00dften wir ein bi\u00dfchen raten, das gebe ich zu.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Um Ihnen m\u00f6glichst verst\u00e4ndlich entgegnen zu k\u00f6nnen, hole ich ein wenig weiter aus.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir hatten die Wissungen in Wahrnehmungen sowie Vorstellungen unterteilt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zu ersteren geh\u00f6ren nat\u00fcrlich die Sehungen, F\u00fchlungen, Schmeckungen usw.; h\u00e4ufig (etwa bei Gott) w\u00e4re Erfahrungen angemessener oder auch (im Falle von Liebe beispielsweise) Erlebungen; wir subsumieren das jedoch alles unter Wahrnehmungen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die wichtigsten Vorstellungen bestehen f\u00fcr uns in den Ausmalungen, Denkungen und Verstehungen; aber auch hier gibt es nat\u00fcrlich weder scharfe Grenzen noch ein definitives Ende der Unterteilung.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"background-color: #fcfccc; text-align: center;\" colspan=\"4\"><strong>subjektive Welt<br \/><\/strong><\/td>\n<td>\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center;\" colspan=\"4\"><strong>\u220b<br \/><\/strong><\/td>\n<td>\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"background-color: #fcfccc; text-align: center;\" colspan=\"4\"><strong>\u00a0Weltbild als asymptotischer Grenzfall\u00a0<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center;\" colspan=\"4\"><strong>\u220b<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"background-color: #fcfccc; text-align: center;\" colspan=\"4\"><strong>Wissungen<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center;\" colspan=\"4\"><strong>\u00a0<\/strong><\/td>\n<td>\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; background-color: #fcfccc;\" colspan=\"4\"><em><strong>gegenw\u00e4rtig<\/strong><\/em><\/td>\n<td>\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\"><strong>Wahrnehmungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%; background-color: #effacf;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%; background-color: #effacf;\"><strong>Vorstellungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%; background-color: #effacf;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">&#8211; Sehungen<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\"><strong>Ausmalungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\"><strong>Denkungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\"><strong>Verstehungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">&#8211; F\u00fchlungen<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">&#8211; . . . . . . .<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 20%; text-align: center;\"><strong>Erfahrungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\"><strong>Erlebungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 20%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Abbildung 2.1.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir haben in diesem Kapitel die <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span> ihren <span style=\"color: #0000ff;\">Wahrnehmungen<\/span> dezidiert gegen\u00fcbergestellt. Das war wichtig, um uns plausibel zu machen, da\u00df <em>die Tradition ihre <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span> prinzipiell nicht erkennen kann<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie hatten das jedoch bestritten und behauptet, wir k\u00f6nnten die <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span> heute berechnen, so da\u00df diese die Seite wechseln vom Unbekanntem zum Bekanntem. W\u00e4re dem so, w\u00fc\u00dften wir nun die <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span> ebenso wie ihre <span style=\"color: #0000ff;\">Wahrnehmungen<\/span> und k\u00f6nnten die beiden \u2013 ganz wie Sie es beschrieben hatten \u2013 miteinander vergleichen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es kann nicht beides stimmen; wo steckt der Fehler?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich glaube, es sind sogar zwei:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich k\u00f6nnen Seiende keine Rechenergebnisse sein; die Venus ist ein Ding und keine Zahl. Aber darum geht es nicht; diese Gleichsetzung entspringt einer lockeren Ausdrucksweise und kann sehr wohl richtig verstanden; es geht nat\u00fcrlich nur um den <em>Ort<\/em> der Venus, der Zahlen entspricht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber \u2013 und <em>das ist keineswegs<\/em> kleinkariert:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir berechnen <span style=\"color: #05ab02;\">etwas<\/span>; <em>was hat das mit <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span> zu tun<\/em>?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir erreichen <span style=\"color: #ff0000;\">sie<\/span> nicht mit unseren <em><span style=\"color: #0000ff;\">Wahrnehmungen<\/span>, deretwegen die Tradition die <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span> erfand<\/em>, und behaupten <em>bei <span style=\"color: #05ab02;\">Rechenergebnissen<\/span>, das w\u00e4ren <span style=\"color: #ff0000;\">sie<\/span><\/em>. Es besteht aber auch nicht der geringste Grund, <em>unsere <span style=\"color: #05ab02;\">Rechenergebnisse<\/span> mit <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span> in Verbindung zu bringen<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum zweiten Fehler.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Er besteht schlicht in der Annahme, unsere <span style=\"color: #0000ff;\">Wahrnehmungen<\/span> w\u00fcrden nicht von der <span style=\"color: #05ab02;\">Theorie<\/span> abh\u00e4ngen. W\u00e4re dem so, h\u00e4tten Sie mit Ihrem Venus-Beispiel nat\u00fcrlich Recht; aber das stimmt nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Alle Begriffe h\u00e4ngen voneinander ab, und ihre Gesamtheit bildet die Einheit unseres Weltbilds. In ihm beschreiben wir<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sowohl die <span style=\"color: #05ab02;\">Theorie, Paradigmen oder Modelle, die den Berechnungen zugrunde liegen<\/span> und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; mit denen wir angeblich die <span style=\"color: #ff0000;\">Seienden<\/span> erreichen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; als auch unsere <span style=\"color: #0000ff;\">Wahrnehmungen<\/span>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; mittels derer wir die <span style=\"color: #05ab02;\">Theorien<\/span> kontrollieren m\u00f6chten..\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zusammengefa\u00dft:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">1. <em>Die Seienden kommen \u00fcberhaupt nicht vor<\/em>; wie sollten sich unsere Theorien auf\u00a0 willk\u00fcrliche Erfindungen beziehen k\u00f6nnen?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">2. <em>Die Theorien lassen sich nicht anhand der Wahrnehmungen \u00fcberpr\u00fcfen, weil beide in gleicher Weise vom Weltbild abh\u00e4ngen<\/em>. G\u00e4be es Differenzen, w\u00e4re dies keine Falsifizierung der Theorie, sondern das Ende des Denkens.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das sollte in unserer Abbildung mit zum Ausdruck kommen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das Weltbild wirkt sich v\u00f6llig analog, parallel oder &#8222;synchron&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sowohl auf die Wahrnehmungen<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; wie auch auf die Theorien aus,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">so da\u00df sie <em>zusammenpassen m\u00fcssen, wenn sich beide konsistent aus dem Weltbild ergeben<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ein vielleicht zu primitives, daf\u00fcr aber deutliches Beispiel:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir sch\u00fctten zuf\u00e4llig 100 g Reisk\u00f6rner auf die Felder eines Schachspiels und z\u00e4hlen, wieviele durchschnittlich auf jeder der 64 Einzelfl\u00e4chen zu liegen kommen. Dann vierteln wir jedes Feld nochmals, und unsere Theorie sagt voraus, da\u00df sich beim Ausz\u00e4hlen 25% des vorigen Mittelwerts ergeben sollten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir kontrollieren diese Antizipation und best\u00e4tigen ihre Richtigkeit.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das ist aber <em>kein Grund, um \u00fcber die F\u00e4higkeiten unserer neuen Theorie zu jubeln<\/em>, sondern eine Selbstverst\u00e4ndlichkeit, so da\u00df uns jede Abweichung am gesunden Menschenverstand h\u00e4tte zweifeln lassen m\u00fcssen.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ob unsere Rechenergebnisse<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; \u00fcberhaupt noch einen Wirklichkeitsbezug besitzen und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; worin dieser gegebenenfalls bestehen k\u00f6nnte,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">mu\u00df zumindest vorerst offenbleiben.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Bei der Urknalltheorie beispielsweise erkenne ich <em>nur einen psychologischen Wirklichkeitsbezug<\/em>; sie bildet, Georg Picht zufolge, den <em>&#8222;Weltentstehungs-Mythos des Atomzeitalters&#8220;<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es begann mit dem little bang von Hiroshima und Nagasaki, ist aber auch sonst ein Zeitalter der Explosionen; Bev\u00f6lkerungszahlen, Wissungen, Informationen, Verf\u00fcgbarkeiten, F\u00f6rdermengen, Anspr\u00fcche, Geschwindigkeiten, Erwartungen, Produktionsraten usw. schnellen pl\u00f6tzlich in die H\u00f6he. Damit einher gehen Zerst\u00f6rungen beispielsweise von Lebensgrundlagen, Geborgenheiten, Sinnbez\u00fcgen, Traditionen, Religionen, Werten, Sprachen, Minderheiten, Tieren oder Pflanzen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Kann es uns \u00fcberraschen, da\u00df die Menschen einer solchen Zeit glauben, <em>sich einem gro\u00dfen Knall verdanken zu m\u00fcssen<\/em>?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Urknalltheorie ist nat\u00fcrlich eine <em>physikalische<\/em>, aber<em> ihre Akzeptanz wird nicht von den angeblichen Seienden einer objektiven Realit\u00e4t her verst\u00e4ndlich<\/em>, sondern meines Erachtens allein psychologisch:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das ist <em>unsere<\/em> Theorie, denn sie entspricht \u2013 besser vielleicht: entsprach \u2013 dem kollektiven Bewu\u00dftsein der Gesellschaft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p>Seiende<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; unbedingt zu ben\u00f6tigen, um die Wahrnehmungen zu erkl\u00e4ren, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; prinzipiell nicht wissen zu k\u00f6nnen, worin sie bestehen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">liegt unter der philosophischen G\u00fcrtellinie.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die gro\u00dfen Nachfolger Kants haben ihn massiv kritisiert, weil er genau das von seinem &#8222;Ding an sich&#8220; annehmen mu\u00dfte.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">Ein &#8222;unbestimmbares Seiendes&#8220; ist kein Seindes, sondern . . .?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich f\u00fcrchte, wir finden auch durch sehr angestrengtes Nachdenken keine vern\u00fcnftige Antwort, und werde deshalb in den n\u00e4chsten Abschnitten einen scheinbaren Umweg \u00fcber drei Beispiele einschlagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Darf ich bitte zuvor noch eine Frage einwerfen:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir k\u00f6nnen ja auch uns selbst wahrnehmen; wie mu\u00df Ihre Veranschaulichung von oben bei mir selbst aussehen? Was steht rechts?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">Ich\u00a0 \u2014 <span style=\"color: #ff0000;\">mein Anteil<\/span> \u2192\u00a0 \u00a0<span style=\"color: #0000ff;\">Ich-Wahrnehmung<\/span>\u00a0 \u00a0<span style=\"color: #ff0000;\">\u2190 ? \u2014<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich kann Ihnen diese Frage nicht beantworten, glaube aber fest, da\u00df es vielleicht auch sonst niemand vermag, weil an dieser Stelle meines Erachtens <em>der Grundfehler oder -widerspruch des traditionellen Denkens zum Ausdruck kommt<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Um ihn zu korrigieren, <em>wechseln wir nach und nach zur Postmoderne; d<\/em>ort sind wir aber noch nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Gegenw\u00e4rtig<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; folge ich dem traditionellen Ansatz als w\u00e4re er selbstverst\u00e4ndlich oder alternativlos\u00a0 und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; gebe mein Bestes, (angeblich) um ihn zu retten,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; bis ich Sie hoffentlich irgendwann \u00fcberzeugen kann:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Es geht tats\u00e4chlich nicht; h\u00f6ren wir endlich auf damit!&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nat\u00fcrlich gibt es auch Blitze, Explosionen, Unf\u00e4lle und viele andere &#8222;Dinge&#8220;, die gar keine richtigen Dinge darstellen, weil sie nur von kurzer Dauer sind.\u00a0 \u00a0 Traditionell Denkende setzen jedoch hinreichend viele Seiende als stabil voraus und nehmen an, da\u00df ein paar kurzlebige Seiende nicht zum Chaos f\u00fchren oder Orientierung, Ordnung, Gesetzlichkeit und andere Strukturen in [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":4328,"menu_order":1,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-4395","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4395","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4395"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4395\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4328"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4395"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}