{"id":4428,"date":"2026-03-15T19:06:35","date_gmt":"2026-03-15T17:06:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4428"},"modified":"2026-03-21T21:41:15","modified_gmt":"2026-03-21T19:41:15","slug":"1-5","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-5\/","title":{"rendered":"1.5.  Welt und Weltbild"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Was unserer subjektiven Vernunft entspringt, k\u00f6nnen wir denken, wissen, verstehen oder sagen. Es bildet <em>keine Repr\u00e4sentation oder Abbildung der objektiven Wirklichkeit<\/em>, sondern <em>eine ganz spezielle Pr\u00e4sentation bzw. Darstellung<\/em> von ihr \u2013 neben tausend anderen, die ebenfalls m\u00f6glich w\u00e4ren.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daraus ergeben sich jedoch gewaltige Konsequenzen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich lebe <em>in der Welt; traditionell in der einen objektiven bzw. postmodern in meiner subjektiven<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Diese verandert sich aber durch mein Leben, so da\u00df es zu einer Genese der Welt kommt. Genese bedeutet, da\u00df <em>zwischen dem Leben und der Welt eine Wechselbeziehung besteht<\/em>, in der sich beide Seiten gegenseitig\u00a0beeinflussen; <em>ohne mein Leben g\u00e4be es auch meine Welt nicht und umgekehrt<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei einem Embryo existieren beide Seiten h\u00f6chstens rudiment\u00e4r, um sich dann gemeinsam zu entfalten; das Henne-Ei-Problem ersparen wir uns.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wir leben postmodern <em>in unserer eigenen Welt und verf\u00fcgen \u00fcber ein entsprechendes subjektives Weltbild,<\/em> aber das Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden unterscheidet sich wiederum erheblich gegen\u00fcber dem traditionellen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es ist \u2013 seinem Namen zum Trotz \u2013 <em>kein Bild von der Welt, sondern deren asymptotischer Grenzfall.\u00a0<\/em>Es bildet genauer formuliert<em> den Teil der Welt, der uns in Form von Wissungen bewu\u00dft geworden ist<\/em>; die restliche Welt \u2013 Welt minus Weltbild also \u2013 bleibt unbewu\u00dft.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wie weit die Welt \u00fcber das Weltbild hinausgeht, wissen wir nat\u00fcrlich nicht,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; denn das<em> Weltbild besteht zwar nicht in einer Menge von Wissungen, <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; integriert und erm\u00f6glicht sie jedoch alle, <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; so da\u00df keine einzige Wissung aus unserem Weltbild herausfallen oder es sprengen kann.<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das m\u00fcssen wir aber noch etwas besser verstehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tradition geht an dieser Stelle von einer &#8222;Begriffs&#8220;-Pyramide aus. Relativ niedrig haben wir darin beispielsweise Kirschen, Pflaumen und \u00c4pfel, die dar\u00fcber als Obst zusammengefa\u00dft werden und nochmals eine Ebene h\u00f6her gemeinsam mit anderen Arten \u2013 wie Getreide, N\u00fcssen, Gem\u00fcse \u2013 zu nat\u00fcrlichen Lebensmitteln.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">An dieser &#8222;Begriffs&#8220;-Pyramide kommt der traditionelle Ansatz sehr deutlich zum Ausdruck:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Alles dreht sich um die \u2013 Wirklichkeit der \u2013 Seienden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie sind v\u00f6llig getrennt oder isoliert voneinander, so da\u00df insbesondere <em>keine wirklichen oder internen Relationen zwischen ihnen<\/em> bestehten. Hier sind die Kirschen, Pflaumen sowie \u00c4pfel, und in der Ebene dar\u00fcber ist das Obst, das mit den einzelnen Fr\u00fcchten nichts zu tun hat. Wir ordnen das alles nur \u2013 von au\u00dfen \u2013 <em>in einer externen Relation<\/em> so an. Da\u00df \u00c4pfel gr\u00f6\u00dfer als Pflaumen und Kirschen s\u00fc\u00dfer sind, w\u00e4ren weitere Beispiele f\u00fcr unwirkliche bzw. externe Relationen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Obst wird von der Tradition als &#8222;Oberbegriff&#8220; bezeichnet, aber selbst damit ist schon zuviel gesagt, weil <em>zwischen s\u00e4mtlichen Begriffen<\/em> \u2013 anders als zwischen den Seienden \u2013 <em>Zusammenh\u00e4nge bestehen<\/em>; <em>&#8222;Oberbezeichnung&#8220;<\/em> w\u00e4re also besser.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Auch in der Postmoderne gibt es keine Begriffs-Pyramide, aber nun liegt es an beiden; sowohl an den Begriffen als auch an der Pyramide<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">An deren Stelle treten <em>zwei Voraussetzungen, die f\u00fcr jede Wissung erf\u00fcllt sein m\u00fcssen<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste von ihnen ergibt sich daraus,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; da\u00df unsere Wissungen nicht einfach vorliegen; sie sind nicht vorhanden wie angeblich die Seienden, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>bleiben an das verbale Wissen, das hei\u00dft, an ihren momentanen Vollzug gebunden<\/em>; werden sie nicht aktual gewu\u00dft, sind sie nicht.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das klingt wahrscheinlich sehr kompliziert, ist es aber keineswegs:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn ich Sie bitte, sich den Sirius vorzustellen und Sie ein braver Leser sind, haben Sie <em>die Sirius-Wissung jetzt vollzogen<\/em>. Noch vor einer Minuten dachten Sie gar nicht daran \u2013 und <em>dann gab es auch keine Wissung namens &#8222;Sirius&#8220;. Wo sollte sie denn gewesen sein?<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;In meinem Ged\u00e4chtnis.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich will Sie nicht kr\u00e4nken, aber <em>Ihr Ged\u00e4chtnis ist doch ebenfalls nur eine Wissung, die lediglich dann existiert, wenn Sie daran denken oder diese Wissung vollziehen<\/em>. Postmodern ist absolut nichts vorhanden, und damit ben\u00f6tigen wir auch keinen zugeh\u00f6rigen Speicherplatz.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p>Die zweite Voraussetzung erkl\u00e4re ich am besten gleich an einem Beispiel.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Massenpunkt ist eine ziemlich ausgefallene Wissung \u2013 ein mathematischer Punkt mit endlicher Masse und folglich unendlicher Dichte \u2013, die nur innerhalb \u2013 des Horizonts \u2013 der klassischen Mechanik existiert. Diese fungiert damit als Erm\u00f6glichung, ohne welche es die Wissung namens &#8222;Massenpunkt&#8220; gar nicht g\u00e4be.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>F\u00fcr die Postmoderne existiert keine Wissung ohne diese beiden Voraussetzungen<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Damit entsteht eine Hierarchie von Ebenen, \u00e4hnlich der &#8222;Begriffs&#8220;-Pyramide soeben. Nach oben hin m\u00fcssen die Erm\u00f6glichungen immer allgemeiner werden; die klassische Physik erm\u00f6glicht ihre Mechanik; dar\u00fcber kommen die Physik, die Naturwissenschaften und . . .<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Theoretisch kann jede Erm\u00f6glichung \u2013 eine Ebene h\u00f6her \u2013 selbst zur Wissung werden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da unser Wissen endlich ist, mu\u00df das praktisch jedoch einmal aufh\u00f6ren; es gibt notwendigerweise eine oberste Ebene, die noch als Erm\u00f6glichung fungiert, aber \u2013 zumindest gegenw\u00e4rtig \u2013 nicht mehr gewu\u00dft werden kann.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Diese letzte Ebene des Weltbilds bildet den Horizont,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; innerhalb dessen sich alle Wissungen befinden, weil<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sie \u2013 m\u00f6glicherweise \u00fcber viele Zwischenschritte \u2013 von ihm erm\u00f6glicht werden, so da\u00df<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; keinerlei Wissungen au\u00dferhalb ihres Horizonts m\u00f6glich sind.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">Ein gewu\u00dfter Horizont ist widerspr\u00fcchlich und damit gewi\u00df kein Horizont.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Jetzt leuchtet mir auch ein, wie Sie oben das Weltbild als asymptotischen, weil zum Wissen gewordenen Grenzfall der Welt darstellen konnten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich veranschauliche mir Ihre hierarchischen Ebenen als konzentrische Kreise, die nach &#8222;oben&#8220; bzw. au\u00dfen hin zwar dummerweise immer gr\u00f6\u00dfer und nicht kleiner werden, mit ihrem Horizont dann aber in die restliche Welt des Nicht-Wissens \u00fcbergehen.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Richtig; und zugleich sollte an dieser Stelle auch verst\u00e4ndlich werden, warum ich stets von der <em>objektiven<\/em> <em>Wirklichkeit<\/em>, aber von der <em>subjektiven<\/em> <em>Welt<\/em> spreche:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei ersterer kann ich die Existenz einer transzendenten &#8222;Komponente&#8220; nicht ausschlie\u00dfen, aber bei unseren subjektiven Wissungen definitiv. <em>Deswegen gen\u00fcgt hier Welt im Sinne von Diesseits<\/em>; worin sollte sich ein &#8222;gewu\u00dftes Jenseits&#8220; davon unterscheiden?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Einverstanden; aber auch Ihre <em>Begriffe<\/em>, <em>Denkungen oder Vorstellungen sind doch Bilder<\/em>; Sie ignorieren also das Bilderverbot des Alten Testaments, wenn Sie mit deren Hilfe von Gott sprechen?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; ganz im Gegenteil; ich versuche, es ernstzunehmen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Meines Erachtens geht es beim Bilderverbot darum, <em>den &#8222;wirklichen&#8220; <\/em>oder<em> &#8222;wahren Gott&#8220; <\/em>\u2013 ich schreibe ihn im weiteren als GOTT \u2013<em> nicht mit unseren subjektiven Vorstellungen oder \u00dcberzeugungen zu verwechseln<\/em>. \u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Jeder<\/em> kann nur von \u2013 den Wissungen \u2013 seiner subjektiven Vernunft bzw. des eigenen Weltbilds sprechen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Und darum mi\u00dfachten alle das Bilderverbot, <em>die zwar das Gleiche tun <\/em>\u2013 weil anderes gar nicht m\u00f6glich ist \u2013,<em> aber trotzdem glauben, von GOTT zu sprechen<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ich tue das prinzipiell nicht, denn \u2013 falls es ihn gibt \u2013 m\u00fc\u00dfte GOTT transzendent und damit unerreichbar oder ein Geheimnis sein.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Und bez\u00fcglich <em>des Gottes, \u00fcber den allein ich nachdenken und sprechen kann<\/em>, bez\u00fcglich <em>der Wissung namens &#8222;Gott&#8220; also<\/em>, bestreite ich zum Beispiel \u2013 nahezu der gesamten christlichen Tradition zum Trotz \u2013, da\u00df er zugleich <em>sowohl allm\u00e4chtig wie auch allwissend<\/em> ist, weil sich diese beiden Pr\u00e4dikate gegenseitig ausschlie\u00dfen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Vermag er jederzeit zu tun, was er will, kann Gott nicht schon im Voraus wissen, was geschehen wird; er disponiert ja vielleicht noch um.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wei\u00df Gott dagegen, was kommen wird, mu\u00df er es dabei belassen, kann nichts mehr korrigieren und somit nicht allm\u00e4chtig sein.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Das \u00fcberzeugt mich nicht; Gott wei\u00df doch auch schon immer, wann und wie er eingreifen wird.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ja; einverstanden; aber dann mu\u00df er sich eben <em>an diese bereits von ihm selbst korrigierte Wissung<\/em>\u00a0halten \u2013 an seinen Gegenplan gewisserma\u00dfen \u2013 und ist folglich wiederum nicht allm\u00e4chtig.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich f\u00fcrchte, jetzt denken Sie zu kurz:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ihre Schu\u00dffolgerung stimmt wahrscheinlich \u2013 aber nur auf der Grundlage <em>unseres menschlichen Verst\u00e4ndnisses von der Allmacht sowie Allwissenheit<\/em>. Bei Gott sind das ganz andere Kategorien, und an ihnen zerbricht jede menschliche Logik.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich f\u00fcrchte, im letzten Satz begehen Sie einen unter Gl\u00e4ubigen sehr weit verbreiteten Denkfehler. Wir k\u00f6nnen Ihre Formulierung auf zweierlei Weise verstehen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">(1) Bei (dem) Gott (unseres subjektiven Weltbilds) sind das ganz andere Kategorien, und an ihnen zerbricht jede menschliche Logik.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">(2) Bei GOTT sind das ganz andere Kategorien, und an ihnen zerbricht jede menschliche Logik.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Kombinationen dieser beiden Sichtweisen l\u00f6sen das Problem nicht, sondern machen es nur undurchsichtiger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>ad (1):<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">So verstanden ist der Satz ganz einfach falsch; f\u00fcr den einzigen Gott, \u00fcber den wir sprechen k\u00f6nnen gelten exakt die gleichen Kategorien wie f\u00fcr alle anderen Wissungen \u2013 und <em>allein dadurch k\u00f6nnen wir \u00fcber ihn sprechen<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>ad (2):<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Diese zweite Interpretation ist meines Erachtens ebenso unrichtig. Das liegt aber nicht an diesen oder jenen Kateggorien, sondern ganz einfach daran, da\u00df GOTT transzendent und damit prinzipiell unerreichbar ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn Sie mit Allmacht bzw. Allwissenheit nicht das meinen, was <em>wir<\/em> unter diesen Begriffen verstehen, ist mir unklar,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; was Sie mit der Allmacht resp. Allwissenheit Gottes \u00fcberhaupt sagen m\u00f6chten und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; weshalb Sie gerade <em>diese<\/em> Worte benutzen, obwohl Sie deren &#8222;normale&#8220; Bedeutung ablehnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Welche &#8222;besondere&#8220; steht Ihnen zur Verf\u00fcgung? K\u00f6nnen Sie diese Frage nicht beantworten, sind Ihre Worte v\u00f6llig leer oder nichtssagend.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das liegt nicht an Ihnen; sorry! Diese Form des Denkens geht auf Thomas von Aquin zur\u00fcck, ist typisch katholisch und wird &#8222;Analogia entis&#8220; (&#8222;Analogie des Seins&#8220;) oder &#8222;analoges Denken&#8220; genannt. Analog mag das sein; mit Denken hat es nach meinem Daf\u00fcrhalten nicht viel zu tun.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Niemand kann \u00fcber GOTT, aber jeder \u00fcber den Gott bzw. die Gott-Wissung seines Weltbilds sprechen, so da\u00df es zum Beispiel einen traditionellen und einen postmodernen Gott gibt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Nein; die existieren beide nicht; Gott h\u00e4ngt nicht von unserem Weltbild ab!&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Doch; er ist nur eine Wissung; und deswegen k\u00f6nnen wir \u00fcber ihn \u2013 in den verschiedensten Weltbildern \u2013 sprechen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Aber die Tradition spricht \u00fcber GOTT und tut dies ohne Weltbild.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; das ist ausgeschlossen, weil<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; wir alle nur \u00fcber Wissungen sprechen k\u00f6nnen und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; keine von ihnen einen Referenten besitzt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Tradition<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>glaubt<\/em> von GOTT zu sprechen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; betrachtet ihn aber als ein <em>Seiendes<\/em>, das hei\u00dft, als einen <em>seienden Gott<\/em> und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>reiht ihn damit in ihr Weltbild ein<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Alle Menschen sind bei s\u00e4mtlichen \u00dcberlegungen an ihr Weltbild gebunden. Die postmodernen wissen und akzeptieren das; traditionell Denkende ahnen es vielleicht ncht einmal, weil sie glauben, von der unmittelbaren Wirklichkeit der Seienden \u2013 und insbesondere also auch GOTTES \u2013 sprechen zu k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie sind also <em>dem traditionellen Weltbild ausgeliefert ohne das f\u00fcr m\u00f6glich zu halten<\/em>, und glauben somit ganz fest, <em>von der Wirklichkeit zu sprechen, w\u00e4hrend sie lediglich ihr Weltbild verteidigen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus ergibt sich ein wichtiger Unterschied zwischen traditionellen und postmodernen Christen; er besteht im Grad ihrer <em>Demut<\/em> bzw. umgekehrt im Ma\u00dfe ihres<em> Sein-Wollens-wie-Gott<\/em>:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Beide sagen, wie sie sich Gott aufgrund ihres gegenw\u00e4rtigen Wissens denken; das ist alternativlos, denn niemand kann etwas anderes als sein subjektives Wissen vorbringen; das gilt selbst beim L\u00fcgen noch.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die traditionell Denkenden erg\u00e4nzen ihre Schilderung dann lediglich \u2013 vielleicht nicht ex-, mit Sicherheit aber implizit \u2013 durch den unbescheiden-wahnwitzigen Zusatz, mit ihren Ausf\u00fchrungen<em> GOTT zu treffen,<\/em> . . .<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">. . . und den postmodern Denkenden bleibt vor Staunen der Mund offen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Woher wissen die das?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir&#8220;, erg\u00e4nzen sie vielleicht kleinlaut, &#8222;sprechen nur von \u2013 der Gott-Wissung in \u2013 unserem Weltbild.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Unser Wissen entfaltet sich im Verlaufe des Lebens; als Baby wu\u00dften wir noch gar nichts, und bis heute haben wir irgendeinen Status quo erreicht. Sollte er auch noch so umfangreich und beeindruckend sein \u2013 es handelt sich lediglich um den <em>Status quo einer Genese, die sp\u00e4testens mit unseren Tod endet, bevor wir &#8222;die Wahrheit&#8220; erreicht haben<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das gilt ganz allgemein, und die postmodernen Christen akzeptieren es deshalb insbesondere auch bei Gott: \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wollen wir tats\u00e4chlich etwas Vern\u00fcnftiges sagen und nicht nur fromm klingende Floskeln produzieren, mu\u00df das Wort &#8222;Gott&#8220; <em>den Status quo unseres diesbez\u00fcglichen Wissens<\/em> bezeichnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das sagte selbst Karl Rahner von seiner eigenen Theologie; er stellte sich vor, wie GOTT dar\u00fcber lacht und sich auf die Schenkel klopft: &#8222;Das&#8220; \u2013 dieser Gott \u2013 &#8222;soll ich sein?&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Was unserer subjektiven Vernunft entspringt, k\u00f6nnen wir denken, wissen, verstehen oder sagen. 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