{"id":4448,"date":"2026-05-02T10:41:14","date_gmt":"2026-05-02T08:41:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4448"},"modified":"2026-08-25T16:44:11","modified_gmt":"2026-08-25T14:44:11","slug":"1-3-welt-und-weltbild","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-3-welt-und-weltbild\/","title":{"rendered":"1.2.  Welt und Weltbild"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich kann Ihren Ausf\u00fchrungen nicht widersprechen, habe aber ganz simple Fragen, die Sie \u00fcberhaupt nicht zu ber\u00fchren scheinen. Was zum Beispiel bedeuten die Worte &#8218;L\u00f6we&#8216;, &#8218;Savanne&#8216; oder &#8218;Afrika&#8216;, wenn es keine Seienden gibt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es k\u00f6nnen doch keine subjektiven Vorstellungen meines Weltbilds sein, denn dann brauchte ich beim Anblick eines L\u00f6wen nicht auszurei\u00dfen; Vorstellungen fressen nichts.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sie haben jetzt eine falsche Schlu\u00dffolgerung gezogen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir streichen zwar die<em> objektive Welt mit ihren Seienden, aber damit keineswegs unsere Wahrnehmungen.<\/em>\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nur traditionell sind diese an jene gebunden. Ihr L\u00f6we beispielsweise ist also postmodern kein Seiendes, aber nichtsdestotrotz sind L\u00f6wen-Wahrnehmungen m\u00f6glich; etwas ausf\u00fchrlicher:\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es gibt L\u00f6wen-Wahrnehmungen in der Savannen-Wahrnehmung unter der Sonnen-Wahrnehmung bei einer furchtbaren Hitze-Wahrnehmung . . .<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Postmodern unterscheidet sich Ihre wirkliche Situation als Tourist folglich in keiner Weise von der traditionellen<\/em>, so da\u00df Sie weiterhin die gleichen starken Gr\u00fcnde haben auszurei\u00dfen. Bitte tun Sie&#8217;s!\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Weshalb? Wahrnehmungen bei\u00dfen ebensowenig wie Vorstellungen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sind Sie sich dessen mal nicht so sicher; die <em>traditionellen<\/em> Wahrnehmungen bei\u00dfen gewi\u00df nicht, denn sie stellen ja blo\u00dfe Abbildungen dar, die \u2013 genau wie die Vorstellungen \u2013 rein geistig sind und sich mit letzteren gemeinsam in unserer Psyche befinden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ohne das Abbilden entf\u00e4llt diese in der Postmoderne, so da\u00df Ihre Beruhigung von soeben hinf\u00e4llig wird.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Stimmt; dann ist mir aber unklar, wo die Wahrnehmungen eigentlich sein sollen.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch; es ist nur so einfach, da\u00df Sie es vielleicht gar nicht glauben wollen:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">L\u00f6we, Savanne, Sonne und Hitze sind<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; \u2013 <em>mit der Tradition \u2013 Wahrnehmungen<\/em>, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; \u2013 <em>anders als bei ihr<\/em> \u2013 befinden sich diese<\/p>\n<p class=\"Indent\">\u00a0 &#8212; nicht mehr als Kopien in der Psyche, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\">\u00a0 &#8212; <em>als Originale in Afrika und damit in der Welt<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\">AD: &#8222;Bisher haben Sie immer gesagt, die g\u00e4be es postmodern nicht mehr!&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ja; aber es ist beides richtig. Ich versuche Ihnen das zu erkl\u00e4ren und setze dazu neu an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sie h\u00e4tten sich schon bei der \u00dcberschrift dieses Kapitels wundern k\u00f6nnen:<\/p>\n<p class=\"Indent\">Ist ohne die (objektive) Welt ein Weltbild m\u00f6glich?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Eindeutig &#8222;ja&#8220;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen nehmen wir damit nur ernst, da\u00df doch <em>jeder von uns \u00fcber ein Weltbild verf\u00fcgt<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich gibt es keine Welt wieder; es ist nicht durch Erkennen oder Repr\u00e4sentieren entstanden, sondern ergibt sich als subjektives Resultat aus unserem bisherigen Leben; Elternhaus, Schule, Freunde, B\u00fccher, Ausbildung, Lieder . . . Daf\u00fcr ist keine Welt erforderlich, sehr wohl aber die Sprache (im weitesten Sinne). Wir haben unglaublich viel geh\u00f6rt oder gelesen; das meiste davon wieder vergessen bzw. ignoriert und einiges behalten \u2013 unser Weltbild eben. Teile davon glauben wir (Feldhasen, Nash\u00f6rner oder Erdmenschen) und anderes nicht (Osterhasen, Einh\u00f6rner bzw. Marsmenschen). Letztere geh\u00f6ren nicht zur Welt, aber das Weltbild umfa\u00dft beide.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mit Sicherheit sind nicht alle Weltbilder m\u00f6glich, denn einige werden beim weiteren Procedere auf Widerspr\u00fcche f\u00fchren. Aber die Anzahl der denkbaren Weltbilder d\u00fcrfte gewaltig sein, wenn wir nur anschauen, was von den uns bekannten Kulturen alles so geglaubt wurde bzw. wird.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum anderen l\u00e4\u00dft sich &#8222;Weltbild&#8220; trotzdem auch w\u00f6rtlich im Sinne eines Bildes von der Welt verstehen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>So stelle ich mir meine subjektive Welt vor<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich existiert sie dadurch nicht; es gibt diese Welt ebensowenig wie eine objektive. Aber wir k\u00f6nnen kaum etwas planen \u2013 zum Beispiel eine Urlaubsreise \u2013, <em>ohne unsere subjektive Welt als wirklich vorauszusetzen<\/em>; wir leben so, <em>als w\u00fcrde sie existieren<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Sie ist also weder objektiv noch wirklich, aber trotzdem glaube ich an diese Welt . . .&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ja; und zum Altern geh\u00f6rt nicht zuletzt die Einsicht, da\u00df dies auch damals schon so war, als wir uns noch weitgehendst auf den Erfolg, den diese Annahme uns bescherte, verlassen konnten.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zu meinem subjektiven Weltbild geh\u00f6rt ein Plan meiner Heimatstadt. Ich m\u00f6chte zum Rathaus und schlage dazu diesem Plan folgend einen geeigneten Weg ein. Hier \u00fcberrascht mich eine Baustelle, und dort ein kleines Denkmal; aber nahezu alle Wahrnehmungen \u2013 letztlich auch die beiden unerwarteten \u2013 best\u00e4tigen mein Weltbild.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Es gibt also absolut keine Welt im traditionellen Sinne; weder eine objektive noch eine subjektive.<\/em> Das einzige, was wir haben, ist unser eigenes Weltbild.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es dient uns \u2013 wie soeben im Beispiel \u2013 zur Orientierung. Diese Funktion kann das Weltbild aber nur in dem Ma\u00dfe \u00fcbernehmen, wie wir es <em>als das Bild (von) der wirklichen Welt verstehen<\/em>. Niemand kann sich ehrlicherweise an etwas orientieren, was er f\u00fcr null und nichtig h\u00e4lt.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wider besseres Wissen m\u00fcssen wir also um handlungs- oder auch nur \u00fcberlebensf\u00e4hig zu sein,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; unser subjektives Weltbild (zumindest partiell) im Sinne der Tradition als richtig erachten,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; das hei\u00dft, es als Abbild derjenigen Welt verstehen, in der wir \u2013 als K\u00f6rper \u2013 leben,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; um uns mit der Hoffnung auf Erfolg an diesem Weltbild orientieren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Es gibt die zugeh\u00f6rige Welt nicht, aber einzelne Wahrnehmungen &#8218;von ihr&#8216;, die unser Weltbild bzw. die daraus resultierenden Wahrnehmungs-Erwartungen best\u00e4tigen. Auf die Frage woher diese weltlosen Wahrnehmungen stammen, sind wir noch nicht eingegangen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ist das, was Sie uns hier nahebringen wollen, eine Verallgemeinerung der Religionskritik von Ludwig Feuerbach?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; das ist es nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Feuerbach hatte nat\u00fcrlich einerseits Recht damit, da\u00df der <em>seiende<\/em> Gott nur eine Projektion darstellt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Andererseits war es falsch von ihm, <em>das Abbilden der Seienden, das er bei Gott \u2013 richtigerweise \u2013 f\u00fcr unm\u00f6glich hielt, beim Kosmos zu akzeptieren<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Seiende sind Seiende, und Abbilden ist Abbilden; in Feuerbachs Relegionskritik kommt also <em>kein theologischer Fehler zum Ausdruck, sondern der Grundwiderspruch der Tradition<\/em>:<\/p>\n<p class=\"Indent\">Sie kehrt<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; ihren tats\u00e4chlichen Denkweg, der <em>vom Weltbild zur Welt als dessen Projektion<\/em> f\u00fchrt, in<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; einen falschen um, der angeblich <em>von der Welt zum Weltbild als deren Abbild<\/em> \u00fcbergeht.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir streichen alle Welten; subjektive wie objektive, wirkliche wie projizierte und verlassen damit auch die Spuren Feuerbachs.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich verstehe jetzt ein wenig, wie wir von unserem Weltbild zur &#8222;Welt&#8220; gelangen; nicht durch Projektion, sondern <em>weil wir uns nur an dem orientieren k\u00f6nnen, was wir selbst glauben<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber was ist das <em>Weltbild<\/em>? Die Summe unserer Vorstellungen?&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein; das k\u00f6nnen wir ausschlie\u00dfen, denn das Weltbild mu\u00df eine <em>Einheit oder Gesamtheit<\/em> sein; nur so l\u00e4\u00dft sich (im Teil 4) erkl\u00e4ren, da\u00df ohne <em>eine Welt Wahrnehmungen entstehen, die unser Weltbild best\u00e4tigen<\/em>. Sofern es \u00fcberhaupt m\u00f6glich w\u00e4re, m\u00fc\u00dften wir bei einer Summe von Vorstellungen kontinuierlich eingreifen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Diese gesuchte Gesamthet ist diejenige der Begriffe<\/em> \u2013 { Begriffe } \u2013, und eine solche besteht nat\u00fcrlich weder aus Begriffen noch aus anderen Entit\u00e4ten, sondern <em>bildet eine Einheit<\/em>. Darin h\u00e4ngt <em>jeder Begriff mit s\u00e4mtlichen anderen Begriffen<\/em> zusammen und von ihnen ab. Um einen zu erkl\u00e4ren, ben\u00f6tigen wir also letztlich alle Begriffe; das gilt bei jedem; nur die Reihenfolge, in der die Begriffe dabei benutzt werden, und ihr jeweiliges Gewicht variieren nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Ist f\u00fcr jeden Begriff <em>alles<\/em> erforderlich, so bedeutet dies:\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Begriff A ist<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; das vollst\u00e4ndige Weltbild<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; in seiner A-Version oder -Darstellung.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Eine andere M\u00f6glichkeit, die Begriffe zu erkl\u00e4ren oder zu verstehen gibt es nicht, denn <em>das Weltbild ist in sich geschlossen<\/em>. Es besitzt weder einen Ausgang zu den Nicht-Begriffen noch einen Eingang von diesen her.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das Weltbild besteht nicht aus den Begriffen, aber sie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; gehen allein aus ihm hervor und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; k\u00f6nnen deshalb auch nur durch das Weltbild bzw. dessen andere Begriffe erkl\u00e4rt werden.\u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Heinrich Rombach beschrieb eine solche Einheit als <em>Struktur<\/em> und unsere einzelnen Begriffe als deren <em>Momente<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Damit sollten die vier wichtigsten Eigenschaften der beiden neuen Begriffe schon einigerma\u00dfen verst\u00e4ndlich werden:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">1. Die Struktur bzw. das Weltbild existiert als solches \u00fcberhaupt nicht, weil es<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211;<em> kein Seendes ist, sondern <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; nur in seinen Momenten resp. Begriffen vorkommt<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn ich beispielsweise (den Begriff) Tisch denke, tritt nicht irgendwo zus\u00e4tzlich das vollst\u00e4ndige Weltbild auf. Aber in diesem Begriff ist es \u2013 wie in jedem anderen \u2013 auf dessen bestimmte Art pr\u00e4sent.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Der (Begriff) Tisch ist die Einheit meines Weltbilds in seiner Tisch-Version.\u00a0\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Formulierung f\u00fchrt uns leicht zu einer Analogie:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ein Geb\u00e4ude kann man in Drauf-, Vorder- oder Hinteransicht und noch in vielen anderen Darstellungen zeichnen. Es entspricht bei unserer Erkl\u00e4rung nun der <em>Einheit des Weltbilds<\/em>, und die verschiedenen Perspektiven korrelieren den <em>Begriffen des Weltbilds<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Rombachs Strukturdenken bedeutet bei dieser Veranschaulichung:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Das Geb\u00e4ude ist weg, aber alle Ansichten bleiben v\u00f6llig unge\u00e4ndert bestehen<\/em>; als st\u00e4nde das Geb\u00e4ude noch. Das tut es nicht, sondern es existiert allein in seinen Momenten; in jeder Ansicht auf eine andere Weise.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zur Veranschaulichung k\u00f6nnen Sie vielleicht an die Holographie denken.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">2. Jeder Begriff ist somit das <em>vollst\u00e4ndige Weltbild<\/em> in einer speziellen Perspektive bzw. Darstellungsweise. Somit l\u00e4\u00dft sich kein Begriff vollst\u00e4ndig erkl\u00e4ren;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; zum einen entspricht dem Weltbild keine bestimmte, endliche Anzahl von Begriffen, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; zum anderen brechen wir unsere Erkl\u00e4rung viel zu fr\u00fch ab, um deren &#8222;\u00dcbereinstimmung&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; sowohl mit dem Weltbild<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; als auch mit allen anderen Begriffen<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">erkennen zu k\u00f6nnen. Beim Begriff Tisch zum Beispiel kommen wir vielleicht nicht weit \u00fcber M\u00f6bel, St\u00fchle, Platte und Beine hinaus.\u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" data-start=\"1159\" data-end=\"1374\">Der Begriff Tisch ist also nicht ein kleines St\u00fcck Weltbild, w\u00e4hrend Stuhl als Begriff ein anderes St\u00fcck w\u00e4re. Vielmehr ist in <em>jedem Begriff das gesamte Weltbild<\/em> gegenw\u00e4rtig, allerdings <em>mit einem anderen Zentrum, Gewicht und Gef\u00fcge<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">3. Deshalb stimmen die Begriffe \u2013 auch zu Ende gedacht \u2013 nat\u00fcrlich nicht \u00fcberein; der Tisch ist weder ein Stuhl noch das Weltbild. In der Sprache Rombachs sind alle Begriffe sowohl untereinander als auch mit dem Weltbild <em>&#8222;idemisch&#8220;<\/em>, und das hei\u00dft:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Begriff Tisch ist eine spezielle Artikulation des gesamten Weltbilds; seine Bestimmtheit ergibt sich aus der Stellung des Begriffs Tisch in der Einheit des Weltbilds.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Begriff Stuhl bildet <em>eine andere idemische Artikulation des gleichen Weltbilds<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dennoch stimmt der Begriff Tisch ebensowenig mit dem Begiff Stuhl \u00fcberein wie die Vorderansicht eines Hauses mit seiner Hinteransicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">4. Aus all dem ergibt sich, da\u00df wir <em>nicht nur die Begriffe, sondern auch s\u00e4mtliche Kombinationen von ihnen<\/em> \u2013 Schlu\u00dffolgerungen, Theorien, Modelle oder Paradigmen \u2013 <em>als Momente verstehen m\u00fcssen<\/em>, in denen unser Weltbild Gestalt gewinnt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die traditionelle Annahme, nur Begriffe geh\u00f6rten zum Weltbild, w\u00e4hrend die Theorien die Welt von au\u00dfen beschrieben, erweist sich postmodern als unhaltbar. Eine Theorie ist\u00a0 nichts anderes als der logische Zusammenhang vieler Begriffe.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Grundgedanken des Strukturdenkens werden mitunter am Schachspiel erl\u00e4utert; ich bevorzuge &#8222;Schnick, Schnack, Schnuck&#8220;, weil es wesentlich einfacher ist.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Momente sind Schere, Papier sowie Stein, und ihre Beziehungen lauten:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Schere schl\u00e4gt Papier, Papier schl\u00e4gt Stein, und Stein schl\u00e4gt Schere.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Hier wird sehr sch\u00f6n deutlich, da\u00df die drei Momente<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; idemisch, aber nicht identisch sind und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nur durcheinander bestimmt werden k\u00f6nnen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">AD: &#8222;Und das Spiel selbst?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">Das gibt es nicht, denn <em>die Schere ist das Spiel auf die Weise der Schere, und diese<\/em> ist nichts anderes<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; als das Gewinnen gegen das Papier,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; das Verlieren gegen den Stein und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; das Unentschieden gegen die Schere.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">Um zu sagen, was die Schere ist, m\u00fcssen wir das Spiel aus Sicht der Schere beschreiben; oder aus derjenigen des Papiers bzw. Steins.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AD: &#8222;Ich kann Ihren Ausf\u00fchrungen nicht widersprechen, habe aber ganz simple Fragen, die Sie \u00fcberhaupt nicht zu ber\u00fchren scheinen. Was zum Beispiel bedeuten die Worte &#8218;L\u00f6we&#8216;, &#8218;Savanne&#8216; oder &#8218;Afrika&#8216;, wenn es keine Seienden gibt. 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