{"id":4480,"date":"2026-06-29T18:13:13","date_gmt":"2026-06-29T16:13:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4480"},"modified":"2026-07-08T15:25:26","modified_gmt":"2026-07-08T13:25:26","slug":"1-8-4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-8\/1-8-4\/","title":{"rendered":"1.9.3.  Die Intersubjektivit\u00e4t als mein Wir-Selbst"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Wenn das Sich-Zei(ti)gen der Wirklichkeit zu Geschichten f\u00fchrt, die &#8222;mir oder mich&#8220; als den darin Verstrickten konstituieren, kann es f\u00fcr mich keine andere oder mir fremde Subjektivit\u00e4t geben. Was meinen Sie dann mit Intersubjektivit\u00e4t? Ich bin auch 100%-ig \u00fcberzeugt, da\u00df wir sie unbedingt ben\u00f6tigen, sehe aber keine M\u00f6glichkeit, die Intersubjektivit\u00e4t zu denken.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dann kann es f\u00fcr mich auch keine geben, denn wir sind uns wohl darin einig, auf leere Worte zu verzichten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sch\u00f6n, da\u00df Sie von sich aus auf diese Problematik sto\u00dfen; sie ist ebenso fundamental wie schwierig, weil bei ihr das postmoderne Denken dem\u00a0 traditionellen sehr stark zuwiderl\u00e4uft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus dem traditionellen Vergehen der Zeit bzw. Diachronie wird bei uns das Sich-Zei(ti)gen der Wirklichkeit, und das f\u00fchrt stets zum Erstmaligen der Situation. Diese kann nur in einer Ganzheit bestehen, weil alles mit allem wechselwirkt, so da\u00df wir die Situation im Sinne des &#8222;individuum est ineffabile&#8220; prinzipiell nicht wissen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Theoretisch w\u00e4ren wir damit am Ende; praktisch zerlegen wir die Situation <em>n\u00e4herungsweise<\/em> in Wissungen, das hei\u00dft, in Wahrnehmungen und Vorstellungen, die aus der Vergangenheit wiederholt sind.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber das ist schon wieder blo\u00dfe Theorie. Was ich gesagt habe mu\u00df nicht falsch sein, aber <em>wir leben nicht mit physikalischen Grundbegriffen, sondern sind in Geschichten verstrickt.<\/em> <em>Sie werden von den Wahrnehmungen und Vorstellungen verursacht und stellen somit wiederum Wissungen dar<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wissen kann keine Wirklichkeit hervorbringen; letztere zei(ti)gt sich selbst.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><del>Ich bin<\/del> &#8222;Mir oder mich&#8220; ist der in Geschichten Verstrickte, und jede andere Subjektivit\u00e4t ist ausgeschlossen; da gehen wir v\u00f6llig d&#8217;accord.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Weil diese Gedanken schon sehr gegen den traditionellen Strich geb\u00fcrstet sind, wiederhole ich nochmals in anderen <em>Worten<\/em>. Sie sollten m\u00f6glichst verstehen, da\u00df jedoch kein anderer <em>Inhalt<\/em> vorliegt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Wir nehmen nicht wahr und stellen uns nicht vor<\/em>, denn <em>die Wirkichkeit zei(ti)gt sich n\u00e4herungseise zu oder in den Wissungen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">In unsrem Bewu\u00dftsein befinden sich folglich sowohl <em>Wahrnehmungen<\/em> \u2013 obwohl wir keine Wahrnehmenden sind \u2013 als auch Vorstellungen \u2013 obwohl wir keine Vorstellenden sind.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Der Inhalt<\/em> \u00e4ndert sich beim \u00dcbergang von der traditionellen Psyche zum postmodernen Bewu\u00dftsein also nicht, die Wissungen<em> kommen nur<\/em> ganz anders zustande. Deswegen behalten wir die <em>Worte<\/em> bei, die <em>Begriffe<\/em> jedoch nicht. Wir haben weiterhin Wahrnehmungen und Vorstellungen, aber sie sind nun etwas Differentes.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Korrektur ist zwingend:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir Subjektivit\u00e4ten bestehen in der Einheit von Verstricktem und Antwortendem. Das hei\u00dft, wir k\u00e4men f\u00fcr die Wissungen <em>immer prinzipiell zu sp\u00e4t, weil sie bereits vorliegen m\u00fcssen, damit sie uns in Geschichten verstricken und wir darauf antworten k\u00f6nnen<\/em>; <em>Zei(ti)gen hei\u00dft n\u00e4herungsweise (in Geschichten) Verstricken<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Erst dann gibt es uns; ich bin kein kontinuierlich-stabiles Seiendes, sondern das Selbst, zu dem ich mich ausgehend von einem in Geschichten Verstrickten durch mein freiheitliches gegenw\u00e4rtiges Antworten selbst bestimme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Wahrnehmungen und Vorstellungen bewirken bzw. erm\u00f6glichen also<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; Geschichten sowie<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; &#8222;mir oder mich&#8220; als den darin Verstrickten und<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; mich selbst als den darauf Antwortenden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">All das ist im strengsten Sinne unsichtbar; Wahrnehmen geht gar nicht, und Vorstellen bedeutet pure Beliebigkeit, weil sich ohne Referenten nicht zwischen richtigen und falschen Vorstellungen unterscheiden l\u00e4\u00dft.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit erhalten wir eine saubere Dreiteilung des Bewu\u00dftseins:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1.\u00a0 \u00a0 \u00a0Wirklichkeit<\/p>\n<p>1.1.\u00a0 Wahrnehmungen<\/p>\n<p class=\"Indent\">In oder zu ihnen zei(ti)gt sich die anonyme Wirklichkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1.2.\u00a0 &#8222;mir oder mich&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\">\u220b<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; Handeln oder Antworten<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; F\u00fchlen, Sp\u00fcren oder &#8222;innere Leben&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2.\u00a0 \u00a0 \u00a0Nicht-Wirklichkeit\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">Vorstellungen<\/p>\n<p class=\"Indent\">Es l\u00e4\u00dft sich<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; weder unterscheiden, ob sie richtig oder falsch sind,<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; noch welcher Wirklichkeit \u2013 den Wahrnehmungen oder &#8222;mir oder mich&#8220; \u2013 sie entspringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anschaulich stelle ich mir das trinit\u00e4re Zusammenspiel etwa folgenderma\u00dfen vor:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%; background-color: #fcfccc;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%; background-color: #fcfccc;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%; background-color: #fcfccc;\"><span style=\"color: #bda102;\"><strong>BEWU\u00dfTSEIN<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%; background-color: #fcfccc;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%; background-color: #fcfccc;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 18%; background-color: #d0fccc; text-align: center;\"><strong>obj. Wirklichkeit<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\"><strong>Nicht-Wirklichkeit<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 18%; background-color: #d0fccc; text-align: center;\"><strong>subj. Wirklichkeit<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 5%; text-align: center;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\"><strong>Sich-Zeitigen \u2192<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\"><strong>Wahrnehmungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\"><strong>&#x2194;<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\"><strong>Vorstellungen<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\"><strong>&#x2194;<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\"><strong>&#8222;mir oder mich&#8220;<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\"><strong>\u2192 Adventus<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\"><strong>\u220b<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"width: 5%; text-align: left;\" colspan=\"3\"><strong>\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 &#8211; Handeln \/ Antworten<\/strong><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 5%;\">\u00a0<\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\"><strong>&#8211; &#8222;inneres Leben&#8220;<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 18%;\">\u00a0<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Abbildung 1.9.3.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Allm\u00e4hlich verstehe ich auch besser, da\u00df Sie den Au\u00dfen-Innen-Dualismus tats\u00e4chlich nicht mehr ben\u00f6tigen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Traditionell handelt der materielle K\u00f6rper, so da\u00df die Handlungen im Raum und damit au\u00dfen erfolgen. Aber sowohl unser Motiviert-Sein zum Handeln wie auch die Vorstellungen \u00fcber seinen Ablauf k\u00f6nnen sich unm\u00f6glich im Raum befinden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Postmodern geht das Handeln dagegen von &#8222;mir oder mich&#8220; als dem Verstrickten aus. Weder er noch &#8222;sein&#8220; Handeln oder &#8222;inneres Leben&#8220; sind Wissungen, so da\u00df wir sie auch nicht voneinander trennen k\u00f6nnen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn damit nicht wieder die traditionelle Sichtweise provoziert wird, da\u00df die Seienden sich aus Subjekten und Objekten zusammensetzen, k\u00f6nnen wir das <em>&#8222;mir oder mich&#8220; mit seinem Handeln und &#8222;inneren Leben&#8220;<\/em> als subjektive Wirklichkeit zusammenfassen und diese <em>den Wahrnehmungen als der objektiven Wirklichkeit<\/em> gegen\u00fcberstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber das war nur der Vorspann zu Ihrer Frage nach den anderen Subjektivit\u00e4ten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Im traditionellen Sinne gibt es sie gar nicht, denn die Subjektivit\u00e4ten sind postmodern keine &#8222;Bewu\u00dfthaber&#8220; (Hermann Schmitz) mehr.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das &#8222;mir oder mich&#8220; ist ein <em>potentieller Tr\u00e4ger der Freiheit<\/em>; erf\u00e4hrt es sich als angesprochen, mu\u00df es antworten und wird damit zum aktualen Tr\u00e4ger, der sich im Akt der Freiheit zu einem Selbst bestimmt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es gibt keine gleichen Verstrickungen; jedes &#8222;dir oder dich&#8220; ist anders als das &#8222;mir oder mich&#8220;. Aber zwei Verstrickte k\u00f6nnten sich <em>in ihrer Intention<\/em> einig sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Romeo und Julia zum Beispiel kamen aus den unterschiedlichsten Verh\u00e4ltnissen und waren damit in v\u00f6llig differente Geschichten verstrickt; auf der Ebene der potentiellen Freiheitstr\u00e4ger hatten sie wenig gemein. Aber sie waren angesprochen von der gleichen Hoffnung auf eine gemeinsame Liebe, und bestimmten sich dementsprechend f\u00fcr das gleiche Wir-Selbst.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Unser neuer, postmoderner Gedanke besteht verallgemeinert also darin, da\u00df das Selbst zwar \u2013 bei allen beteiligten Subjektivit\u00e4ten \u2013 <em>ein individuelles &#8222;mir oder mich&#8220; voraussetzt, aber kein individuelles Ich-Selbst sein mu\u00df, sondern in einem Wir-Selbst bestehen kann. <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Das ist dann keine Inter<em>subjektivit\u00e4t<\/em>, sondern eine Inter<em>individualit\u00e4t,<\/em> die jedoch postmodern an die Stelle von jener tritt.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit w\u00e4re ich ganz einverstanden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn es keine anderen Subjektivit\u00e4ten gibt, ist es unm\u00f6glich, mich mit ihnen zusammenzutun; die Inter<em>subjektivit\u00e4t<\/em> entf\u00e4llt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber ich kann in meinem Anworten immer st\u00e4rker auf das Mich-als-angesprochen-Erfahren eingehen. Das ist meines Erachtens das, was N\u00e4chstenliebe meint, und f\u00fchrt zur Inter<em>individualit\u00e4t, die in sich meinem Wir-Selbst ausdr\u00fcckt<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Das kann aber sehr einseitig sein und pa\u00dft wahrscheinlich h\u00e4ufig nicht zu Ihrem Romeo-Julia-Beispiel . . .&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p>Vollkommen richig!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Ethik ist absolut einseitig; diesen Punkt betont Emmanuel Levinas ganz massiv.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich entscheide <em>nur f\u00fcr mich ganz allein in Freiheit<\/em>, welche anderen Individuen ich in <em>mein<\/em> Wir-Selbst integriere; es ist nicht <em>unser<\/em> Wir-Selbst.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr mich existieren nicht einmal andere Subjektivit\u00e4ten, geschweige denn andere Freiheiten; und sie sind ethisch auch nicht erforderlich. Die &#8222;Goldene Regel&#8220; und andere &#8222;ethische&#8220; Vorgaben, haben aber auch gar nichts mit Ethik zu tun, sondern sind &#8222;Werte&#8220; der \u00d6konomie, an die sich sinnvollerweise jede Mafiabande h\u00e4lt.\u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber mitunter greift auch &#8222;unser&#8220; Wir-Selbst \u00fcber Liebesverh\u00e4ltnisse hinaus.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei einem Fu\u00dfballspiel bilden sich kleine Wire heraus, bei denen es vor allem um die Wurst bzw. das Bier geht. Die richtigen Fans entsprechen dagegen einem gro\u00dfen Wir oder \u2013 halb so gro\u00df \u2013 einem gl\u00fccklichen und einem traurigen Wir.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Vor der Wende entstand unter den Demonstranten in der DDR ein gewaltiges Wir; auf der Gegenseite fehlte das h\u00f6chstwahrscheinlich.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das wichtigste Beispiel bildet f\u00fcr mich die Kirche als Leib Christi. Der ist nicht vorhanden, sondern zei(ti)gt sich in dem Ma\u00dfe durch mich, wie ich andere Individuen in mein Wir-Selbst integriere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>AD: &#8222;Wenn das Sich-Zei(ti)gen der Wirklichkeit zu Geschichten f\u00fchrt, die &#8222;mir oder mich&#8220; als den darin Verstrickten konstituieren, kann es f\u00fcr mich keine andere oder mir fremde Subjektivit\u00e4t geben. Was meinen Sie dann mit Intersubjektivit\u00e4t? Ich bin auch 100%-ig \u00fcberzeugt, da\u00df wir sie unbedingt ben\u00f6tigen, sehe aber keine M\u00f6glichkeit, die Intersubjektivit\u00e4t zu denken. Dann kann [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":4460,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-4480","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4480","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4480"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4480\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4460"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4480"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}