{"id":4508,"date":"2026-08-15T10:08:24","date_gmt":"2026-08-15T08:08:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4508"},"modified":"2026-10-02T22:41:42","modified_gmt":"2026-10-02T20:41:42","slug":"1-1-2-sagen-beschreiben-namen-und-gestalten","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-9-zusammenfassung\/1-1-2-sagen-beschreiben-namen-und-gestalten\/","title":{"rendered":"1.10.3.  Was sich zeigt und was gewu\u00dft wird"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Gott ist die Wirklichkeit, aber nicht alles Wirkliche ist Gott. Er zeigt sich uns in bestimmten Formen, und diese bilden im weiteren die <em>Gestalten<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir unterscheiden, mit anderen Worten, die Wirklichkeit, also Gott, von den Gestalten, in denen sie sich uns zeigt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Gestalten geh\u00f6ren der Wirklichkeit an, und Begriffe gehen aus dem Begriffshorizont hervor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Letzteres bedeutet etwa Folgendes:<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; Das Wort &#8222;Sonne&#8220; bezeichnet den Begriff Sonne,<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; dieser markiert einen Referenten und<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; erzeugt dadurch die Wissung Sonne.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Das ist nur ein Beispiel, welches wir problemlos verallgemeinern k\u00f6nnen:\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; Das Wort &#8222;A&#8220; bezeichnet den Begriff A,<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; dieser markiert einen Referenten und<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; erzeugt dadurch die Wissung A.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Entscheidend ist jedoch, da\u00df wir <em>dreimal das gleiche Symbol A<\/em> ben\u00f6tigen, um die komplizierte Begriffsstruktur ad\u00e4quat wiederzugeben; <em>auf der Ebene der Begriffe allein<\/em> \u2013 ohne Worte und Wissungen\u00a0 also \u2013 <em>l\u00e4\u00dft sie sich nicht verstehen<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das ist bei den Gestalten v\u00f6lllig anders; ihnen lassen sich willk\u00fcrliche Namen zuordnen, die aber nat\u00fcrlich absolut nichts besagen; daf\u00fcr entf\u00e4llt freilich der gesamte Ballast von soeben.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sowohl die Wirklichkeit oder Gott als auch die Gestalten k\u00f6nnen folglich benannt werden.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit gelangen wir zu einer sehr sch\u00f6nen Systematik, die schon bei Ludwig Wittgenstein angelegt war. Er unterschied (in seinem &#8222;Tractatus logico-philosophicus&#8220;) das, <em>was sich zeigt<\/em>, von dem, <em>was wir wissen<\/em>. Hieraus ergeben sich vier Kombinationsm\u00f6glichkeiten, und unsere bisherigen Grundbegriffe dr\u00e4ngen sich f\u00f6rmlich auf, ihnen in der nachfolgenden Weise zugeordnet zu werden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es w\u00e4re unproblematisch, wenn Sie die vorletzte Spalte noch nicht verstehen; sie ist zun\u00e4chst nur rein informatorisch gemeint.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<table style=\"width: 100%; border-collapse: collapse;\">\n<tbody>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 11.2901%;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>zeigt sich<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 13.4824%;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>wird gewu\u00dft<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 23.0175%; text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Entit\u00e4ten<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 35.0153%; text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Funktion<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 12.1134%; text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Sagbarkeit<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 11.2901%;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 13.4824%;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 23.0175%; text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 35.0153%; text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 12.1134%; text-align: center;\"><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>\u00a0<\/strong><\/span><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 11.2901%;\"><strong>x<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 13.4824%;\"><strong>x<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 23.0175%;\"><span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Wissungen<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 35.0153%; text-align: center;\"><strong>zeitliche Vollz\u00fcge der Subjektivit\u00e4t<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 12.1134%; text-align: center;\"><em><strong>bezeichenbar<\/strong><\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"width: 11.2901%; text-align: center;\"><strong>&#8212;&#8212;&#8212;<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 13.4824%; text-align: center;\"><strong>x<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 23.0175%; text-align: center;\"><span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Begriffe<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 35.0153%; text-align: center;\"><strong>M\u00f6glichkeiten des Unterscheidens<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 12.1134%; text-align: center;\"><em><strong>bezeichenbar<\/strong><\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 11.2901%;\"><strong>x<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 13.4824%;\"><strong>&#8212;&#8212;&#8212;<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 23.0175%;\"><span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Gestalten<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 35.0153%; text-align: center;\"><strong>Einheiten des Sich-Zeigens<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 12.1134%; text-align: center;\"><em><strong>benennbar<\/strong><\/em><\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td style=\"text-align: center; width: 11.2901%;\"><strong>&#8212;&#8212;&#8212;<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 13.4824%;\"><strong>&#8212;&#8212;&#8212;<\/strong><\/td>\n<td style=\"text-align: center; width: 23.0175%;\"><span style=\"color: #0000ff;\"><strong>Wirklichkeit oder Gott<\/strong><\/span><\/td>\n<td style=\"width: 35.0153%; text-align: center;\"><strong>das zeitliche Sich-Unterscheiden<\/strong><\/td>\n<td style=\"width: 12.1134%; text-align: center;\"><em><strong>benennbar<\/strong><\/em><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Abbildung 1.10.3.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Namen vergeben sogar Babys schon; Sigmund Freud beschreibt beispielsweise ein Spiel des anderthalbj\u00e4hrigen Enkelsohns, in dem dieser die Namen &#8222;da&#8220; und &#8222;fort&#8220;<em> im Rahmen seines Spiels<\/em> sinnvoll nutzt. \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">Vielleicht sagt ein Baby unter anderem auch &#8222;Mama&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das ist dann lediglich sein <em>Name f\u00fcr eine sich wahrscheinlich h\u00e4ufig wiederholende Gestalt<\/em> und nicht die Bezeichnung des Begriffs Mama, denn einen solchen gibt es f\u00fcr das Baby \u2013 ohne Begriffshorizont \u2013 noch gar nicht. Seine \u232aMama\u2329 ist also keine Mama.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Sondern?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nur eine Gestalt, die sich zeigt. Da sie jedoch nicht gewu\u00dft werden kann, l\u00e4\u00dft sich Ihre Frage prinzipiell nicht beantworten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder mein Lieblingsbeispiel:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 Am wolkenlosen Mittagshimmel zeigt sich im Sommer eine unwi\u00dfbare Gestalt. Wir brauchen nicht r\u00e4tseln, was das ist: Nichts Bestimmtes \u2013 wie immer bei den Gestalten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Tradtionalisten sind dagegen \u00fcberzeugt, es handle sich um ein bestimmtes Seiendes, n\u00e4mlich die Sonne.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die alten \u00c4gypter h\u00e4tten \u2013 bei der gleichen Denkungsart \u2013 ebenfalls eindeutig ein bestimmtes Seiendes erkannt; freilich ein anderes, n\u00e4mlich den Gott Re.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Postmoderne Europ\u00e4er und \u00c4gypter<\/em> sagen, da\u00df sich <em>niemals etwas bereits Bestimmtes zeigt<\/em>, sondern immer nur unbestimmte Gestalten. Ganz einfach weil <span style=\"color: #0000ff;\">&#8222;sich zeigen&#8220;<\/span> und <span style=\"color: #ff0000;\">&#8222;wissen&#8220;<\/span> disjunkt sind.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Dem widersprechen Sie selbst mit Ihren Wissungen, weil diese sich auch zeigen.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">Nein; erinnern Sie sich bitte an unsere Ausf\u00fchrungen zum Begriffshorizont soeben:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der <span style=\"color: #ff0000;\">gewu\u00dfte Begriff A<\/span> markiert <span style=\"color: #0000ff;\"><em>einen<\/em> Referenten<\/span> \u2013 <em>aber keinen &#8222;Referenten A&#8220;<\/em> \u2013 und <span style=\"color: #0000ff;\">dieser Referent zeigt sich<\/span> in der <span style=\"color: #13bd35;\">Wissung A.<\/span><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #0000ff;\">Der Referent wird also nicht gewu\u00dft, sondern ist eine Gestalt<\/span>. Und <span style=\"color: #13bd35;\">die Wissung A h\u00e4lt ihre beiden disjunkten Komponenten<\/span> \u2013 <span style=\"color: #ff0000;\">den gewu\u00dften Begriff A<\/span> und <span style=\"color: #0000ff;\">die sich zeigende Gestalt ?<\/span>\u00a0\u2013 <span style=\"color: #13bd35;\">zusammen<\/span>.\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich verstehe; in der Wissung Mond wei\u00df ich also nicht nur den althergebrachten Mond; sie ist keine pure Wiederholung, sondern <em>der Referent entpricht einem Erstmaligen<\/em>. Allein dies \u00f6ffnet den Zirkel des Wissens f\u00fcr unser Leben.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Und da\u00df die Wissung so bezeichnet wird wie der Begriff, obwohl sie \u00fcber ihn hinausgeht, ist auch einsichtig, weil wir <em>die zugeh\u00f6rigen Gestalt gar nicht bezeichnen k\u00f6nnen<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wenn unser Baby gr\u00f6\u00dfer wird,<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; sagt es weiterhin &#8222;Mama&#8220;, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; die Gestalt \u232aMama\u2329, die der Leibhaftigkeit des Lebens angeh\u00f6rt,<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; wird unbemerkt zum Begriff, den es nur im Begriffshorizont gibt.<\/p>\n<p class=\"Indent\">Das Kind wechselt<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; von der Benennung zur Bezeichnung &#8222;Mama&#8220; und<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; von der Leibhaftigkeit zur Reflexion des Lebens.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Damit interpretieren wir ein bekanntes Zitat von Hans-Georg Gadamer:<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8222;Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\">F\u00fcr uns wird daraus:<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8222;Leben, das verstanden werden kann, ist Wissung.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Mir geht gerade durch den Kopf, da\u00df wir gemeinsam mit den alten \u00c4gyptern in Richtung des Streitobjekts fliegen und ihnen damit beweisen k\u00f6nnten, da\u00df es unsere Sonne ist und nicht ihr Re.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; das g\u00e4nge nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Was auf dieser Reise geschehen wird, k\u00f6nnen <em>wir h\u00f6chstens im Rahmen unseres Weltbilds prognostizieren<\/em>;\u00a0 ihm zufolge w\u00fcrde es immer heller und hei\u00dfer:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Sonne stimmt also; wir haben gewonnen!&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die \u00c4gypter jubeln aber auch und erkl\u00e4ren sich zu den Siegern unseres Wettstreits:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Wir hatten euch doch schon vorhergesagt, da\u00df Re sich von uns weder beschie\u00dfen noch besuchen l\u00e4\u00dft. Ihr Abendl\u00e4nder habt keine Ahnung von den G\u00f6ttern!&#8220;\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich verstehe; der Glaube an Re ist innerhalb unseres Weltbilds nat\u00fcrlich absurd; deswegen kann er f\u00fcr uns nicht infrage kommen. Entsprechendes gilt freilich ebenso f\u00fcr die Sonne im Rahmen des alt\u00e4gyptischen Weltbilds.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Postmodern gibt es Weltbilder,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die keine Welt repr\u00e4sentieren, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; dem Leben dienen sollen; sie sind folglich<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nicht richtig oder falsch, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; lebensdienlich bzw. lebensfeindlich.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sowie wir das im Hinterkopf haben, verschwinden einige Verst\u00e4ndnish\u00fcrden ganz von selbst.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Wenn die Begriffe erst durch den subjektiven Begriffshorizont entstehen, d\u00fcrfen wir auch unsere selbstverst\u00e4ndlichsten Wissungen \u2013 Wahrnehmungen oder Vorstellungen \u2013 nicht in das Bewu\u00dftsein der Babys projizieren und annehmen<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sie h\u00e4tten das alles nat\u00fcrlich schon,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; w\u00fc\u00dften nur noch nicht wie es hei\u00dft.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da\u00df diese weit verbreitete Annahme v\u00f6llig falsch sein mu\u00df, k\u00f6nnen wir uns leicht verdeutlichen und plausibilisieren:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Angenommen die abendl\u00e4ndisch-modernen Babys h\u00e4tten bereits Wahrnehmungen oder Vorstellungen. Warum sollen es\u00a0 gerade die <em>unsrigen<\/em> sein und nicht zum Beispiel diejenigen der <em>Irokesen, Tataren oder Samen<\/em>?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Verf\u00fcgen wir \u00fcber die Wahrnehmungen bzw. Vorstellungen anderer Kulturen<\/em>, und warten nur darauf zu erfahren, wie die rechtm\u00e4\u00dfigen Besitzer diese nennen? Wir haben nichts dergleichen, und das legt meines Erachtens den Gedanken nahe, da\u00df unsere Babys <em>ebenfalls keine Wahrnehmungen und Vorstellungen besitzen, sondern diese erst nach und nach mit dem zugeh\u00f6rigen Begriffshorizont erlangen; ohne Sprache keine Wissungen.\u00a0<\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Da\u00df das traditionelle Denken einen gro\u00dfen Irrtum darstellt, d\u00fcrfte den meisten Menschen kaum ein Achselzucken wert sein. Philosophie interessiert im allgemeinen h\u00f6chstens dann, wenn sie zu praktischen Konsequenzen f\u00fchrt. Diese sind in unserem gegenw\u00e4rtigen Zusammenhang freilich geradezu umwerfend.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nicht nur f\u00fcr Babys, sondern auch f\u00fcr Adam und Eva vor dem &#8222;S\u00fcndenfall&#8220; gibt es noch keine Sprache und damit auch keine Begriffe.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Demzufoge kann im &#8222;Paradies&#8220; weder ein Paradies noch ein Gott existieren und auch keine Schlangen oder Apfelb\u00e4ume, denn das sind alles Wissungen, die es ohne Begriffe nicht gibt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dort finden sich die Gestalten Adam und Eva mit ihren nichtssagenden Namen. Adam ist also kein Mann, und Eva keine Frau; Menschen sind beide nicht, <em>denn s\u00e4mtliche Begriffe m\u00fcssen erst noch entstehen<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die beiden mu\u00dften also vom Baum der Erkenntnis essen,<em> um \u00fcberhaupt im Paradies leben zu k\u00f6nnen. <\/em>Das war keine S\u00fcnde, sondern die Geburt des Wissens oder der (verstehbaren) Wirklichkeit und damit eine <em>notwendige Voraussetzung der<\/em><em> Freiheit.<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Ohne &#8218;S\u00fcndenfall&#8216; keine Freiheit&#8220;; diesen Gedanken finden wir beispielsweise bei Jakob B\u00f6hme, Friedrich Schelling oder Nikolai Berdjajew.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das postmoderne Denken wird noch entscheidender:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Was man nicht wei\u00df, kann man auch nicht tun; Adam und Eva konnten also weder essen, genie\u00dfen oder gl\u00fccklich sein noch s\u00fcndigen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie brinden doch auch nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Was ist das &#8218;brinden&#8216;?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Eben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gott ist die Wirklichkeit, aber nicht alles Wirkliche ist Gott. 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