{"id":4510,"date":"2026-08-20T09:16:04","date_gmt":"2026-08-20T07:16:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4510"},"modified":"2026-09-23T14:54:09","modified_gmt":"2026-09-23T12:54:09","slug":"1-1-1-im-anfang-ist-das-wissen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-1-1-das-traditionelle-denken\/1-1-1-im-anfang-ist-das-wissen\/","title":{"rendered":"1.1.3.  Das Referenzproblem"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die Tradition meint, am Anfang st\u00fcnden die Seienden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das ist jedoch ausgeschlossen, weil wir den Zirkel des Wissens<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; zum <em>Erstmaligen von Wissungen <\/em>hin, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nicht zum <em>Noch-Ungewu\u00dften<\/em> \u2013 insbesondere also den Seienden \u2013<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00f6ffnen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ich habe in den letzten beiden Abschnitten versucht, Ihnen das, so gut es mir m\u00f6glich war, plausibel zu machen. Eine saubere Begr\u00fcndung war das jedoch noch nicht; die soll nun folgen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Da bin ich aber gespannt!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Warum sollten <em>die Seienden<\/em> <em>nicht unserem Wissen von ihnen vorangehen<\/em>? Wer traditonell denkt, k\u00f6nnte beispielsweise sagen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8218;Schon vor allem Wissen \u2013 evolutiv gedacht also vor zig Jahrmillionen \u2013 existierten Seiende.'&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; wer so denkt, wei\u00df nicht, wovon er spricht, denn was soll &#8222;Seiende vor jeglichem Wissen&#8220; bedeuten?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Das ist doch v\u00f6llig klar:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Es gab damals Seiende, die nat\u00fcrlich noch niemand wu\u00dfte, aber aufgrund ihrer Identit\u00e4t(S) bereits das waren, was wir heute von ihnen wissen.&#8220;\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Antwort, die gewi\u00df die meisten Leser teilen w\u00fcrden, enth\u00e4lt einen Denkfehler:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Wir verf\u00fcgen heute unbestreitbar \u00fcber Wissungen; das ist die eine Seite.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Auf der anderen Seite stehen die urspr\u00fcnglich unbekannten Seienden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wie wollen Sie feststellen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; ob sich unsere Wissungen<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; auf diese Seienden\u00a0beziehen oder auch nur in irgendeinem Zusammenhang mit ihnen stehen?<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Dazu w\u00e4re eine F\u00e4higkeit der Art vonn\u00f6ten:\u00a0Ich<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; wei\u00df zwar nichts von den Seienden, <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; wei\u00df aber, da\u00df meine Wissungen solche von den Seienden sind. <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das stellt offensichtlich einen Widerspruch dar und m\u00fc\u00dfte korrigiert werden: Sie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; wissen nichts von den Seienden und<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; k\u00f6nnen somit nat\u00fcrlich auch nicht wissen, ob sich Ihre Wissungen auf diese beziehen. <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verallgemeinert k\u00f6nnte dieses Ergebnis lauten:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Referent X, auf den sich unser Wissen beziehen soll, kann nicht nur f\u00fcr sich allein in einem Nirvana existieren und vollkommen unbekannt oder ungreifbar sein. Er w\u00e4re dann f\u00fcr uns inexistent, w\u00fcrde nur sinnleer behauptet und zum Schein vielleicht sogar mit einem Namen versehen, der jedoch nichts benennt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; Im Falle der Wiederholungen<\/em> entgehen wir dieser Gefahr blo\u00dfer Worth\u00fclsen, <em>indem der Referent (bereits) eine Wissung darstellt<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Bei den Erstmaligungen ist das ausgeschlossen; <em>der Referent kann nicht gewu\u00dft, mu\u00df aber dennoch bestimmt, ausgezeichnet oder<\/em> \u2013 in der Sprache George Spencer-Browns \u2013 <em>&#8222;markiert&#8220; sein<\/em>. Wodurch kann das geschehen?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Meines Erachtens allein durch <em>das Wissen des betreffenden Referenten bzw. der Erstmaligung<\/em>.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Jetzt verstehe ich auch Ihre obige Unterscheidung, da\u00df wir den Zirkel des Wissens\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; zwar <em>zum Erstmaligen von Wissungen<\/em>, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; <em>nicht zum Ungewu\u00dften<\/em> hin<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">verlassen bzw. andern k\u00f6nnen. Soeben hatte ich mich noch gefragt, worin hier ein Unterschied bestehen soll; <em>das Ungewu\u00dfte sind doch &#8222;Wissungen&#8220;, die noch nicht geerstmaligt wurden<\/em>. Aber das ist gar nicht der entscheidende Punkt:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das <em>Erstmaligen von Wissungen<\/em> <em>setzt bei letzteren und damit beim Verf\u00fcgbaren an<\/em>, weil es versucht, kontinuierlich vom Wiederholen zum Erstmaligen zu gelangen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ein <em>Wissen von Ungewu\u00dftem oder Nicht-Wissen w\u00fcrde dagegen einen \u00dcbergang<\/em><em> vom Nullmaligen oder Unverf\u00fcgbaren zum Wiederholten erfordern. <\/em>Nat\u00fcrlich wei\u00df niemand, wie man den bewerkstelligen sollte, denn ein solcher \u00dcbergang entspr\u00e4che einem blinden Hopser, bei dem die Stelle des Absprungs unbekannt ist.&#8220;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das war sehr sch\u00f6n, denn damit weisen Sie en passant auf eine M\u00f6glichkeit hin, unsere \u00dcberlegungen zu vereinfachen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zwischen <em>Wissen und seinem wiederholten bzw. gewu\u00dften Referenten<\/em>, besteht kein Unterschied, der einen Unterschied macht. Damit m\u00fcssen wir nicht mehr zwei M\u00f6glichkeiten betrachten, sondern k\u00f6nnen uns bei voller Allgemeinheit auf den einzig m\u00f6glichen Fall beschr\u00e4nken:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">1. Es gibt kein Wissen ohne Referenten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">2. Die Verbindung ist einseitig; es handelt sich jeweils um den Referenten des Wissens.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">3. Letzteres bestimmt oder markiert seinen Referenten.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">4. Ein &#8222;unbestimmter&#8220; bzw. &#8222;unmarkierter Referent&#8220; ist kein Referent, sondern ein Seiendes.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">5. Wissungen sind Wiederholungen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">6. Der Referent enspricht dem Erstmaligen einer Noch-nicht-Wissung.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">7. Ohne Referenten<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 \u00a0 &#8211; w\u00e4re also nicht nur die &#8222;Wissung&#8220; keine Wissung, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 \u00a0 &#8211; w\u00fcrde es nicht einmal &#8222;Wissungen&#8220; im Sinne von Wiederholungen geben.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>AD: &#8222;Was bedeutet es, da\u00df eine Wissung keinen &#8222;unmarkierten Referenten&#8220; besitzen kann?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da\u00df s\u00e4mtliche Referenten ungewu\u00dft sind, m\u00fc\u00dfte ich wohl gar nicht mehr sagen. Aber \u2013 und das ist ein wichtiger Gedanke \u2013 <em> &#8222;unmarkierte Referenten&#8220; bilden keine Referenten, weil sie nicht diskret(isiert) sind<\/em>. Sie existieren nur in ihrer Einheit als das <em>kontinuierliche Meer des Ungewu\u00dften<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Hier liegt meines Erachens eine entscheidende Fehlerquelle des traditionellen Denkens:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Seine Seienden sind &#8222;unmarkierte Referenten&#8220;; das Wovon des Wissens liegt also immer schon vor; nur das Wissen davon fehlt noch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Postmodern steht unserem Wissen nicht dieses oder jenes Ungewu\u00dfte gegen\u00fcber, sondern <em>ein einziges Meer des Nicht-Wissens<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Durch sein Markieren diskretisiert das bereits bestehende Wissen dieses Kontinuum<\/em> und <em>erzeugt dadurch erst die Referenten<\/em>, die somit immer nur <em>markierte<\/em> Referenten sein k\u00f6nnen.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Josef Mitterer hat das Spencer-Brownsche Markieren sehr anschaulich weitergedacht:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">In seiner &#8222;Philosophie des Non-Dualismus&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; ersetzt er unser Wissen oder die Wiederholung durch das &#8222;Wissen so far&#8220; und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; den Referenten bzw. das Erstmaligen durch das &#8222;Wissen from now on&#8220;.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Letzteres haben wir noch nicht und k\u00f6nnten es ohne das \u2013 bereits vorhandene \u2013 Wissen so far auch niemals erlangen. Das Wissen from now on ist ein Wissen ins Blaue hinein; aber das Wissen so far kl\u00e4rt, <em>welches Blau dabei gemeint ist<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Tradition kennt mit ihren ungewu\u00dften Seienden nur ein einziges, und das ist das Grau, in dem des Nachts alle seienden Katzen erscheinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diesem Procedere machen wir uns zunutze, wenn Vortr\u00e4ge mit Themen oder Kapitel mit \u00dcberschriften versehen werden. Das ist jeweils das Wissen so far, auf welches der Inhalt als Wissen from now on folgt.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Werden neue Elementarteilchen, Krankheiten oder Himmelsk\u00f6rper entdeckt, wissen wir bereits das markierte Blau, in das hinein sich der Referent diffus verliert verliert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das <em>Referenzproblem<\/em>, in welches wir jetzt versucht haben, ein wenig Licht zu bringen, wird von nahezu der gesamten Tradition \u00fcberspielt. Ich formuliere es nochmals m\u00f6glichst exakt, weil ein denkender Mensch gar nicht glauben will, <em>da\u00df es fast immer \u00fcbersehen oder einfach ignoriert wird<\/em>:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">1. Es kann kein Wissen von purem Nicht-Wissen geben, denn woher sollten wir dann wissen, von <em>welchem<\/em> Nicht-Wissen wir angeblich wissen; es existiert doch nicht nur ein einziges.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">2. Das uns interessierende Nicht-Wissen mu\u00df sich also von jedem anderen unterscheiden lassen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">3. Unterscheiden setzt jedoch Wissen voraus:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 \u00a0 Wir k\u00f6nnen nicht sinnvoll sagen, A unterscheide sich von B, ohne den Unterschied zu wissen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">4. Wissen vom Nicht-Wissen ist also nur m\u00f6glich, wenn letzteres durch ein Wissen so far als Wissen from now on markiert wird.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">5. Das Nicht-Wissen wird damit zwar noch nicht gewu\u00dft, ist aber bereits diskretisiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Tradition setzt als selbstverst\u00e4ndlich voraus, da\u00df beispielsweise unser <em><span style=\"color: #ff0000;\">Sonnen-Wissen <\/span>das<span style=\"color: #ff0000;\"> Wissen<\/span> von der <span style=\"color: #0000ff;\">seienden Sonne<\/span><\/em> bildet; wei\u00df aber nicht, was <span style=\"color: #0000ff;\">diese \u00fcberhaupt sein soll<\/span>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Wenn wir danach fragen, bekommen wir zwar \u00fcberzeugend erscheinende Antworten, sie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; geh\u00f6ren jedoch alle <span style=\"color: #ff0000;\">den Sonnen-Wissungen<\/span> an und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; haben mit der <span style=\"color: #0000ff;\">seienden Sonne<\/span> nichts zu tun.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <span style=\"color: #ff0000;\">Sie<\/span> werden <span style=\"color: #0000ff;\">ihr<\/span> einfach blind zugeordnet, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nach <span style=\"color: #ff0000;\">ihnen<\/span> hatten wir gar nicht gefragt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hier wurden v\u00f6llig grundlos zwei getrennte Entit\u00e4ten \u2013 <span style=\"color: #0000ff;\">Nullmaliges<\/span> und <span style=\"color: #ff0000;\">Wiederholtes<\/span> \u2013 miteinander identifiziert.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auf der einen Seite steht<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <span style=\"color: #0000ff;\">die \u2013 angeblich seiende, aber v\u00f6llig ungewu\u00dfte \u2013 Sonne<\/span>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; welche nur durch ihren Namen &#8218;Sonne&#8216; vertreten wird.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auf der anderen Seite haben wir <span style=\"color: #ff0000;\">unser Sonnen-Wissen<\/span>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">und jeder denkende Mensch m\u00fc\u00dfte sich meines Erachtens fragen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><span style=\"color: #0000ff;\">Die Sonne<\/span> kommt nie und nirgends vor; wir reden nur \u00fcber <span style=\"color: #0000ff;\">sie<\/span> und schreiben <span style=\"color: #0000ff;\">ihr<\/span> <span style=\"color: #ff0000;\">alle m\u00f6glichen Eigenschaften<\/span> zu.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei <span style=\"color: #0000ff;\">Rotk\u00e4ppchen<\/span> verh\u00e4lt es sich zwar exakt ebenso \u2013 aber kaum jemand zieht daraus irgendwelche Konsequenzen.&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das Problem besteht also <em>nicht im <span style=\"color: #ff0000;\">Sonnen-Wissen<\/span>, sondern in der <span style=\"color: #0000ff;\">Sonne<\/span> selbst<\/em>, <span style=\"color: #0000ff;\">die<\/span><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; stets nur als <span style=\"color: #0000ff;\">Seiendes<\/span> vorausgesetzt oder<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; als &#8222;Sonne&#8220; bezeichnet wird,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <span style=\"color: #0000ff;\">sich<\/span> aber niemals zeigt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Doch; wenn sie scheint!&#8220;\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; wenn &#8222;die Sonne scheint&#8220;, scheint nicht die Sonne, sondern wir haben Sonnen-Wahrnehmungen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wahrnehmungen sind \u2013 gemeinsam mit den Vorstellungen \u2013 Wissungen (so far), und diese bestehen alle im Wissen von ihrem Referenten, Erstmaligen oder Wissen from now on.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Speziell eine <em>Sonnen<\/em>-Wahrnehmung ist also<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; keine Wahrnehmung einer <span style=\"color: #0000ff;\">angeblichen Sonne<\/span>, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die <span style=\"color: #ff0000;\">Erweiterung unseres Wissens (from now on)<\/span>, die sich ergibt, wenn wir an <span style=\"color: #ff0000;\">das Sonnen-Wissen (so far)<\/span> ankn\u00fcpfen.\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das pa\u00dft \u00fcbrigens sehr sch\u00f6n zu unseren obigen \u00dcberlegungen bez\u00fcglich der Wirklichkeit und Welt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da die Tradition <span style=\"color: #0000ff;\">die beiden<\/span> gleichsetzt, glaubt sie, problemlos von <span style=\"color: #0000ff;\"><em>der Sonne<\/em><\/span> sprechen zu k\u00f6nnen. Ihr <span style=\"color: #ff0000;\">Sonnen-Wissen<\/span> ist \u2013 wie jedes Wissen \u2013 nat\u00fcrlich unwirklich, so da\u00df <em>f\u00fcr die Tradition aus postmoderner Sicht keinerlei Wirklichkeit existiert<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Postmoderne kennt dagegen nichts, was sowohl der <span style=\"color: #0000ff;\">Wirklichkeit<\/span> als auch der <span style=\"color: #ff0000;\">Welt<\/span> angeh\u00f6rt. Nat\u00fcrlich nicht, denn sie sind wie Wasser und Feuer; jene ist <span style=\"color: #0000ff;\"><em>prinzipiell<\/em> <em>unwi\u00dfbar<\/em><\/span> und diese besteht <span style=\"color: #ff0000;\"><em>nur im Wissen<\/em> \u2013 so far bzw. from now on<\/span>.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Auch <span style=\"color: #ff0000;\">Wissen von der Sonne<\/span> kann somit nur <span style=\"color: #ff0000;\">Wissen from now on<\/span> vom <span style=\"color: #ff0000;\">Wissen so far<\/span> sein.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p>An dieser Stelle bietet es sich an, nochmals auf den Begriff zur\u00fcckzukommen:<\/p>\n<p class=\"Indent\">Er ist absolut nichts anderes als <em>das (entsprechende) Wissen so far bzw dessen Einheit<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Begriff Sonne beispelsweise, w\u00e4re also traditionell die Gesamtheit unseres gegenw\u00e4rtigen Wissens von der Sonne.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Von der Sonne&#8220; gibt es postmodern nicht; so da\u00df ihr Begriff in der <em>Gesamtheit des Sonnen-Wissens so far<\/em> besteht. Der Begriff andert sich durch unser Erstmaligen kontinuierlich und kann insbesondere auch umfangreicher werden.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Mein Lieblingsbeispiel bei den Begriffen bilden die Symbole; etwa das gro\u00dfe A.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wie lautet das zugeh\u00f6rige Wissen from now on?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">In diesem Buch stehen viele A; Seite 1 dritte, achte und zw\u00f6lfte Zeile; Seite 2 vierte . . . Das ist unbestreitbar, obwohl <em>es nur ein A gibt \u2013 A = A; a<\/em>uch dem werden Sie kaum widersprechen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Dieses eine A ist der Begriff oder das Wissen so far.<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das A erscheint im Buch an vielen Stellen<em>, aber nicht als Begriff, sondern als dessen Referent bzw. Wissen from now on<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit haben wir bereits die drittte Identit\u00e4t gefunden, die Identit\u00e4t(B) des Begriffs.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Seine Referenten k\u00f6nnen<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; in der Raum-Zeit auftreten, wo und wann auch immer sie wollen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; in s\u00e4mtlichen Texten, ja sogar<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; handgeschrieben oder verschmiert sein:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Die Identit\u00e4t(B) des Begriffs A besteht darin, alle diese Referenten bestimmt oder<\/em> <em>&#8222;markiert&#8220; zu haben<\/em>.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Auch die Asymmetrie innerhalb des Wissens wird an diesem Beispiel sehr sch\u00f6n deutlich:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Begriff A bestimmt, welche Pixelverteilungen im Buch seine Referenten sind.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber die Pixelverteilungen des Buches k\u00f6nnen niemals auf den Begriff A verweisen.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Ich sehe aber noch einen Widerspruch bei Ihnen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn wir kein Wissen von den Seienden haben k\u00f6nnen, d\u00fcrften Sie doch auch nicht behaupten, es g\u00e4be keine.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sie haben Recht; ich kann meine Ablehnung der Seienden nicht restlos begr\u00fcnden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir haben lediglich gezeigt, da\u00df es unm\u00f6glich ist,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; vom Nicht-Wissen,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; das keinerlei Verbindung zum Wissen besitzt,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; in das Wissen \u00fcberzugehen;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">einfach weil <em>sich keine M\u00f6glichkeit rechtfertigen l\u00e4\u00dft, dieses an das Nicht-Wissen anzukoppeln<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Daraus folgt:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Vielleicht gibt es traditionelle Seiende; ich r\u00e4ume das sehr gerne ein.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wenn unsere \u00dcberlegungen richtig sind, werden wir jedoch <em>niemals von ihnen wissen (k\u00f6nnen)<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zwischen<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; &#8222;Es gibt keine Seienden&#8220; und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; &#8222;Wir werden niemals etwas von Seienden wissen&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">besteht f\u00fcr mich jedoch &#8222;kein Unterschied, der einen Unterschied macht&#8220; (Gregory Bateson).\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Man darf nichts unterscheiden, ohne den Unterschied zu wissen, haben Sie uns k\u00fcrzlich beigebracht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">In dem speziellen Fall soeben <em>kann gar kein Unterschied bestehen<\/em>, weil &#8218;beide Arten von Seienden&#8216; nicht vorkommen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Tradition meint, am Anfang st\u00fcnden die Seienden. Das ist jedoch ausgeschlossen, weil wir den Zirkel des Wissens &#8211; zum Erstmaligen von Wissungen hin, aber &#8211; nicht zum Noch-Ungewu\u00dften \u2013 insbesondere also den Seienden \u2013 \u00f6ffnen k\u00f6nnen. 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