{"id":4546,"date":"2026-09-22T12:41:18","date_gmt":"2026-09-22T10:41:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4546"},"modified":"2026-10-02T22:06:06","modified_gmt":"2026-10-02T20:06:06","slug":"1-1-2-der-zirkel-des-wissens","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-1-1-das-traditionelle-denken\/1-1-2-der-zirkel-des-wissens\/","title":{"rendered":"1.1.2.  Der Zirkel des Wissens"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Die uns interessierenden Pr\u00e4dikate besitzen also innerhalb unserer subjektiven Welten sehr wohl weiterhin einen Sinn, <em>d\u00fcrfen aber nicht auf letztere selbst \u00fcbertragen werden<\/em>; die traditionelle Suche nach dem richtigen bzw. wahren Weltbild er\u00fcbrigt sich postmodern.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Richtig oder falsch sind lediglich Pr\u00e4dikate von Wissungen, und die existieren f\u00fcr mich nur innerhalb meiner Welt. Das w\u00fcrde aber doch bedeuten, da\u00df wir<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>nur Wissungen <\/em>und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; nur von <\/em>Wissungen wissen k\u00f6nnten?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das halte ich f\u00fcr ausgeschlossen!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Tradition t\u00e4uscht sich tats\u00e4chlich, weil sie von <em>inexistenten Seienden und Nicht-Seienden<\/em> zu wissen glaubt. Einverstanden; aber ich wei\u00df zum Beispiel von der Evolution oder Geschichte, von Biographien, Weltbildern und Sprachen; das sind doch alles keine Wissungen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Sondern?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Tatsachen, Dinge, Sachverhalte, Prozesse, . . .&#8220;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nein; ich glaube, in Ihrer vollkommen \u00fcberzeugend klingenden Antwort kommt ein verdeckter Rest des traditionellen Denkens zum Ausdruck:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Es gibt zwar <em>keine \u2013 hinterw\u00e4ldlerischen \u2013 Seienden<\/em>, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die \u2013 vordergr\u00fcndigen \u2013 Tatsachen, Dinge, Sachverhalte, Prozesse, . . . wird doch wohl niemand bestreiten wollen.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Doch!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die von Ihnen angedeutede Aufz\u00e4hlung &#8222;Tatsachen, Dinge, Sachverhalte, Prozesse, . . .&#8220; geht vollkommen in Ordnung; wir erg\u00e4nzen lediglich &#8222;<em>und das sind ausschlie\u00dflich Wissungen<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Damit bestreite ich insbesondere<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nicht, <em>da\u00df es Materie gibt<\/em>, sondern lediglich,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>da\u00df sie wirklich ist oder <\/em>(zum Beispiel als Seiendes)<em> der Wirklichkeit angeh\u00f6rt<\/em>.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Materie ist ein Begriff und folglich \u2013 so wie jeder andere auch \u2013 <em>etwas rein Geistiges und damit Unwirkliches<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;<em>Das gilt wortw\u00f6rtlich auch f\u00fcr die Erde<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber unabh\u00e4ngig davon <em>besteht die materiell-wirkliche Erde aus materiell-wirklicher Materie<\/em>.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ihre materiell-wirklichen Dinge<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sind Seiende der objektiven Welt, und die<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; gibt es postmodern nicht (mehr).\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Aber wir nehmen die Erde doch wahr; k\u00f6nnen sie angreifen und uns daran die F\u00fc\u00dfe brechen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nat\u00fcrlich; <em>weil Wahrnehmungen Wissungen sind<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Abschnitt 1.1. hatte ich geschrieben:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;&#8218;Wissen&#8216; ohne Wovon ist kein Wissen, denn dabei wird nichts gewu\u00dft; das hei\u00dft, wer <em>von<\/em> <em>nichts<\/em> &#8218;wei\u00df&#8216;, <em>wei\u00df<\/em> gar nicht. Es gibt also <em>kein Wissen ohne seinen Referenten<\/em>, auf den es sich bezieht<em>.&#8220; <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das k\u00f6nnen wir nun erg\u00e4nzen:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Die Referenten der Wissungen m\u00fcssen wiederum in Wissungen bestehen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das mi\u00dff\u00e4llt Ihnen h\u00f6chstwahrscheinlich; sogar aus zwei ganz unterschiedlichen Gr\u00fcnden:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">1. Es widerspricht total unserer traditionellen Pr\u00e4gung.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">2. Vollkommen unabh\u00e4ngig davon scheint daraus ein in sich geschlossener Zirkel der Wissungen zu resultieren.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Mit dem ersten Punkt habe ich nat\u00fcrlich keinerlei Schwierigkeiten, den zweiten gilt es dagegen ernst zu nehmen. Aber hierbei ist nicht nur die Antwort, sondern <em>schon die Fragerichtung zumindest zweideutig<\/em>:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Zirkel des Wissens k\u00f6nnte zum einen dadurch aufgebrochen oder verlassen werden, da\u00df <em>der Referent des Wissens nicht wiederum gewu\u00dft wird; <\/em>&#8222;Tatsachen, Dinge, Sachverhalte, Prozesse, . . .&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nehmen wir die Sprache ernst \u2013 und das ist letztlich alternativos, denn <em>womit sollte man gegen die Sprache denken<\/em> \u2013, dann ist ein solcher Ausbruch nicht m\u00f6glich:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir <em>wissen Wissen<\/em>; analog zum Essen des Essens oder Laufen des Laufes.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dieses Wissen mu\u00df ein Wovon besitzen. Eine solche Aussage ist jedoch nur sinnvoll, sofern wir letzteres bzw. den Referenten wissen; andernfalls w\u00e4ren das nur leere Worte. Um den Referent wissen zu k\u00f6nnen, mu\u00df er jedoch \u2013\u00a0 wiederum der Sprache zufolge \u2013 im Wissen bestehen; wir wissen <em>nur<\/em> Wissungen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">So l\u00e4\u00dft sich der Zirkel des Wisens also nicht knacken; die Referenten <em>m\u00fcssen<\/em> Wissungen sein, so da\u00df alles beim Alten bleibt..<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aber es besteht zum Gl\u00fcck eine zweite M\u00f6glichkeit:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Einerseits sind Wissungen notwendigerweise Wiederholungen, denn <em>&#8222;erstmalige Wissungen&#8220; sind keine Wissungen<\/em>. Davon k\u00f6nnen wir uns leicht durch die \u2013 vergebliche \u2013 Suche nach einem Beispiel \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Andererseits kann es aber keine Wiederholungen geben, <em>die nicht zuvor geerstmaligt wurden<\/em>. Erstmaligungen erfolgen also notwendigerweise; nur wissen wir sie nicht, weil sie keine Wissungen sind. Damit m\u00fcssen wir zwischen <em>Wiederholungen oder Wissungen<\/em> auf der einen Seite und <em>Erstmaligungen bzw. Noch-nicht-Wissungen<\/em> auf der anderen unterscheiden.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese zweite Variante bricht den Zirkel des Wissens auf,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nicht indem wir zu<em> Nicht-Wissen<\/em> wechseln \u2013 das ist ausgeschlossen \u2013, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; durch den \u00dcbergang zu<em>\u00a0anderem Wissen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Es bleibt also immer bei einem Zirkel des Wissens<\/em>, der ausschlie\u00dflich Wiederholungen enth\u00e4lt. Durch unsere Erstmaligungen werden das jedoch kontinuierlich andere, so da\u00df wir auf diesem Wege auch verstehen, wie der Zirkel des Wissens \u00fcberhaupt zustande kommt:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Durch seine Genese<\/em>, die beim Baby beginnt, ein Leben lang \u2013 wie auch immer \u2013 andauert und sp\u00e4testens mit dem Sterben endet.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Alles, was wir wissen (k\u00f6nnen), mu\u00df unserer subjektiven Welt angeh\u00f6ren. Das w\u00fcrde Ihrem Ansatz entsprechend bedeuten, da\u00df die postmoderne Wirklichkeit unwi\u00dfbar ist, denn sie kommt &#8222;vor&#8220; der Welt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber was n\u00fctzt es, eine Existenz zu behaupten, von der absolut nichts bekannt ist?&#8220;\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei letzterem widerspreche ich Ihnen vorsichtig: Die Wirklichkeit<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; ist unverf\u00fcgbar und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; kann dadurch auch widerst\u00e4ndig sein.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Diese Eigenschaften haben jedoch nichts mit der jeweiligen subjektiven Welt zu tun oder sind nicht empirisch.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Wegen dieser Widerst\u00e4ndigkeit kann ich zum Beispiel nicht mit dem Kopf durch die Wand.&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ja; aber es w\u00e4re viel zu wenig, w\u00fcrden wir sagen: Da es hierbei um die Wirklichkeit geht, gilt &#8222;diese Aussage&#8220; nat\u00fcrlich f\u00fcr die Tradition ebenso wie f\u00fcr die Postmoderne. Es ist n\u00e4mlich nicht <em>diese Aussage<\/em>, sondern in den beiden Modellen jeweils eine andere:\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das traditionelle Verst\u00e4ndnis des Satzes lautet:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Kopf und Wand<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; geh\u00f6ren der Wirklichkeit an und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sind folglich spezielle Seiende, n\u00e4mlich starre K\u00f6rper,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; die einander nat\u00fcrlich nicht durchdringen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Da\u00df Sie nicht mit dem Kopf durch die Wand k\u00f6nnen, ist somit &#8222;physikalisch-logisch&#8220;. Unsere Vor-. . .-vorfahren haben sich vielleicht gewundert, weshalb sie ansto\u00dfen oder eine Beule davontragen; den Babys geht es m\u00f6glicherweise heute noch so, aber uns nat\u00fcrlich nicht mehr.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die Postmoderne wei\u00df zwar viel weniger als die Tradition, ist aber nicht neidisch, sondern wundert sich \u00fcber deren Selbstgewi\u00dfheit bzw. -gef\u00e4lligkeit. Insbesondere sind f\u00fcr sie weder K\u00f6pfe noch W\u00e4nde wirklich, so da\u00df Sie <em>lediglich in einer \u00fcbrtragenen Bedeutung oder metaphorisch gesprochen<\/em> nicht mit dem Kopf durch die Wand k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr die Postmoderne stellt dies eine interessante Erfahrungstatsche dar, k\u00f6nnte also auch anders sein und ist keineswegs &#8222;logisch&#8220;.\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Physik starrer K\u00f6rper<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>beschreibt nicht die Wirklichkeit<\/em> in dem Sinne, da\u00df sie<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>das formuliert, was unabh\u00e4ngig von unserem Wissen objektiv gilt<\/em>, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; ist eine v<em>on uns konstruierte Theorie, die <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0 &#8212; zwar kaum etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat,<\/em> aber trotzdem<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>\u00a0 &#8212; richtige oder falsche Voraussagen erm\u00f6glicht<\/em> und damit\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; <em>das Einzige bildet, was empirischer Kontrolle zug\u00e4nglich ist<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die Unverf\u00fcgbarkeit der Wirklichkeit ist dagegen nicht empirisch, sondern transzendental-strukturell.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Kann man das auch auf deutsch sagen?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Entschuldigung!<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8222;Transzendental&#8220; hat nichts mit &#8222;transzendent&#8220; zu tun; es betrifft vielmehr die Bedingungen, welche erf\u00fcllt sein m\u00fcssen, damit etwas \u2013 in diesem Fall: die Unverf\u00fcgbarkeit und insbesondere Widerst\u00e4ndigkeit der Wirklichkeit \u2013 \u00fcberhaupt m\u00f6glich wird. Das klassische Beispiel finden wir bei Kant: Er fragt nicht einfach, <em data-start=\"375\" data-end=\"380\">was<\/em> wir erkennen, sondern <em>nach den notwendien Bedingungen, unter denen Erkenntnis erfolgen kann<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei uns wird daraus:<\/p>\n<div class=\"relative basis-auto flex-col -mb-(--composer-overlap-px) pb-(--composer-overlap-px) [--composer-overlap-px:28px] grow flex\" style=\"text-align: justify;\">\n<div class=\"flex min-h-0 grow flex-col text-sm\">\n<div class=\"qMYqUG_convSearchResultHighlightRoot\">\n<div class=\"\" data-turn-id-container=\"request-69a0232b-8f24-832c-b88a-9f3951c8af5c-7\" data-is-intersecting=\"true\">\n<section class=\"text-token-text-primary w-full focus:outline-none has-data-writing-block:pointer-events-none [&amp;:has([data-writing-block])&gt;*]:pointer-events-auto R6Vx5W_threadScrollVars scroll-mb-[calc(var(--scroll-root-safe-area-inset-bottom,0px)+var(--thread-response-height))] scroll-mt-[calc(var(--header-height)+min(200px,max(70px,20svh)))]\" dir=\"auto\" data-turn-id=\"request-69a0232b-8f24-832c-b88a-9f3951c8af5c-7\" data-turn-id-container=\"request-69a0232b-8f24-832c-b88a-9f3951c8af5c-7\" data-testid=\"conversation-turn-26\" data-turn=\"assistant\">\n<div class=\"text-base my-auto mx-auto pb-8 [--thread-content-margin:var(--thread-content-margin-xs,calc(var(--spacing)*4))] @w-sm\/main:[--thread-content-margin:var(--thread-content-margin-sm,calc(var(--spacing)*6))] @w-lg\/main:[--thread-content-margin:var(--thread-content-margin-lg,calc(var(--spacing)*16))] px-(--thread-content-margin)\">\n<div class=\"[--thread-content-max-width:40rem] @w-lg\/main:[--thread-content-max-width:48rem] mx-auto max-w-(--thread-content-max-width) flex-1 group\/turn-messages focus-visible:outline-hidden relative flex w-full min-w-0 flex-col agent-turn\" data-conversation-screenshot-content=\"\">\n<div class=\"flex max-w-full flex-col gap-4 grow\">\n<div class=\"min-h-8 text-message relative flex w-full flex-col items-end gap-2 text-start break-words whitespace-normal outline-none keyboard-focused:focus-ring [.text-message+&amp;]:mt-1\" dir=\"auto\" tabindex=\"0\" data-message-author-role=\"assistant\" data-message-id=\"c6db6809-f8d9-46f6-9e72-9f9137b372c0\" data-message-model-slug=\"gpt-5-6\" data-turn-start-message=\"true\">\n<div class=\"flex w-full flex-col gap-1 empty:hidden\">\n<div class=\"LR5Y_W_content markdown prose dark:prose-invert wrap-break-word w-full light markdown-new-styling\">\n<p class=\"Indent\" dir=\"auto\" data-start=\"548\" data-end=\"640\">Was mu\u00df Wirklichkeit oder wie mu\u00df sie beschaffen sein, damit sie unverf\u00fcgbar werden k\u00f6nnte?<\/p>\n<p class=\"Indent\" dir=\"auto\" data-start=\"548\" data-end=\"640\">Und\u00a0\u201estrukturell\u201c meint, da\u00df wir nur von Eigenschaften sprechen, die \u2013 nicht additiv hinzukommen, sondern \u2013 <em>sich aus der Struktur der Wirklichkeit ergeben<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" dir=\"auto\" data-start=\"1648\" data-end=\"1699\">Transzendental-strukturell hei\u00dft (in unserem Fall) somit ungef\u00e4hr, da\u00df eine Bestimmung nicht als empirisch vorgefundene Eigenschaft hinzugef\u00fcgt, sondern aus dem Begriff der zugrunde gelegten Wirklichkeit hergeleitet wird:<\/p>\n<p class=\"Indent\" dir=\"auto\" data-start=\"1648\" data-end=\"1699\"><em>Wenn die Wirklichkeit so ist, wie wir sie im Teil 3 verstehen oder definieren werden, dann mu\u00df sie<\/em> unverf\u00fcgbar, unwi\u00dfbar, zeitlich, undenk- oder unvorstellbar sein.\u00a0<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/section>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">AD: &#8222;Danke; aber das leitet schon zu meiner n\u00e4chsten Frage \u00fcber:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">K\u00f6nnten Sie uns bitte so einfach wie m\u00f6glich erkl\u00e4ren, was Begriffe sind? Mit <em>&#8218;Worten&#8216;<\/em> habe ich keine Probleme; aber was unterscheidet die beiden voneinander?&#8220;\u00a0 \u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Am besten geht es vielleicht mit David Hilbert. Das war ein deutscher Mathematiker, und so stand er von Berufs wegen unter anderem vor der nicht ganz leichten Aufgabe, auch eine solche Bitte erf\u00fcllen zu m\u00fcssen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bevor ich dies ebenfalls versuche, noch zwei Bemerkungen speziell zu <em>unserer eigenen<\/em> Begrifflichkeit.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum einen habe ich oben en passant den Begriff Wissung(en) eingef\u00fchrt. Erschrecken Sie nicht wegen des un\u00fcblichen Wortes; die Wissungen entsprechen vollkommen dem substantivischen Wissen. Wir ben\u00f6tigen sie aber trotzdem, um eine m\u00f6glichst einheitliche Darstellungsweise entwickeln zu k\u00f6nnen. Die Wortbildung erinnert vielleicht ein wenig an Martin Heideggers &#8222;Schwarzwald-Deutsch&#8220;, erfolgt aber relativ zwingend und unabh\u00e4ngig von ihm.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wortpaare wie &#8222;Wahrnehmungen &#8211; Wahrgenommene&#8220; oder &#8222;Vorstellungen &#8211; Vorgestellte&#8220; besitzen bei uns eine sehr exakte und entscheidende Bedeutung. Diese konsistente Systematik m\u00f6chte ich um &#8222;Wissungen &#8211; Gewu\u00dfte&#8220; sowie weitere Paare erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ein zweiter Grund ist grammatischer Art:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wissung <em>gestattet nicht nur <\/em>\u2013 anders als das Wissen \u2013<em> die Pluralbildung Wissungen,<\/em> sondern verweist auch eindeutig auf seine<em> substantivische oder nicht-verbale Bedeutung: <\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir denken Denkungen, sehen Sehungen und wissen Wissungen. Wie wichtig das sein kann, hat uns insbesondere das letzte Wortpaar bereits mehrfach gezeigt.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Zum anderen m\u00fcssen wir noch kl\u00e4ren, was der Begriff (der) Wissungen bedeutet. Diesbez\u00fcglich m\u00f6ge vorerst der Hinweis gen\u00fcgen, da\u00df er f\u00fcr uns den Oberbegriff f\u00fcr Wahrnehmungen und Vorstellungen bildet; alles weitere, insbesondere also die Unterschiede zwischen beiden, ben\u00f6tigen wir noch nicht.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nur Wissungen sind ver\u00e4nder- oder unver\u00e4nderlich; beides ist weder den Begriffen noch den subjektiven Welten m\u00f6glich. Deswegen hatte ich oben geschrieben, da\u00df wir unsere eigene Welt kontinuierlich &#8222;andern, korrigieren oder \u00fcberformen&#8220;.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das war kein Tippfehler; Wissungen \u00e4ndern sich (m\u00f6glicherweise) innerhalb der gegenw\u00e4rtigen subjektiven Welt. Diese selbst, der Zirkel des Wissens und die Begriffe m\u00fcssen sich andern; dadurch wird ihre Genese m\u00f6glich, ohne welche sie gar nicht existieren w\u00fcrden.\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun also endlich zu unserer Erkl\u00e4rung der Begriffe; theoretisch ist sie einfach:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Begriffe sind das, was sich exakt definieren und damit auch sagen l\u00e4\u00dft, weil es keinerlei Bilder, Anschauungen, Ausmalungen oder dergleichen enth\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Praktisch ist das jedoch sehr schwierig, weil f\u00fcr die meisten von uns nichts oder zumindest nicht viel \u00fcbrigbleibt, wenn wir an einer Wissung X s\u00e4mtliche Bilder, Anschauungen bzw. Ausmalungen streichen. Deswegen ist die Mathematik im allgemeinen nicht sonderlich beliebt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das Wort &#8222;X&#8220; provoziert oder aktualisiert die Vorstellung X \u2013 mit all den Assoziationen, die &#8222;X&#8220; eben bei uns hervorruft.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das nutzt Hilbert f\u00fcr die Geometrie.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Selbst wenn wir soeben aus dem Schlaf geweckt wurden, sind wir uns praktisch ohne nachzudenken ganz sicher, da\u00df zwei Punkte eine Gerade, drei Punkte (im allgemeinen) eine Ebene und eine Gerade mit einem Punkt au\u00dferhalb von ihr ebenfalls eindeutig eine Ebene bestimmen.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wie kommt das? Haben wir die geometrischen Axiome im Kopf und leiten die genannten Zusammenh\u00e4nge daraus blitzartig ab?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nein; nat\u00fcrlich nicht. Vielmehr verf\u00fcgen wir \u00fcber anschauliche Vorstellungen von Punkt, Gerade sowie Ebene, und <em>aus ihnen ergeben sich unmittelbar und sehr einfach unter anderem die Zusammenh\u00e4nge von soeben<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das hat jedoch nichts mit Mathematik zu tun und wollte bzw. &#8222;mu\u00dfte&#8220; Hilbert seinen Studenten austreiben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wie macht man das, wenn es sich \u00fcberhaupt nicht vermeiden l\u00e4\u00dft, da\u00df wir mit dem Wort &#8222;X&#8220; irgendwelche Bilder, Anschauungen bzw. Ausmalungen assoziieren?<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 Die Worte sind letztlich vollkommen belanglos; die Studenten sollen <em>denken, und dazu bedarf es nicht der \u00fcblichen Worte, sondern nur der richtigen Begriffe<\/em>. Folglich k\u00f6nnen wir ohne alle Bedenken beispielsweise &#8222;Punkt&#8220; durch &#8222;Schornsteinfeger&#8220;, &#8222;Gerade&#8220; durch &#8222;Liebe&#8220; und &#8222;Ebene&#8220; durch &#8222;Bierseidel&#8220; ersetzen. Dann nehmen die drei obigen Zusammenh\u00e4nge folgende Form an:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Zwei Schornsteinfeger bestimmen eine Liebe, drei Schornsteinfeger (im allgemeinen) einen Bierseidel und eine Liebe mit einem Schornsteinfeger au\u00dferhalb von ihr ebenfalls eindeutig einen Bierseidel.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Hilbert \u00fcbersetzte die geometrischen Axiome in diese Ersatzsprache und bat seine Studenten, unsere drei S\u00e4tze daraus abzuleiten. Jetzt sind die automatischen Assoziationen zu den Worten nicht mehr verboten, weil sie eher schaden als n\u00fctzen. Wer sich auf sie verl\u00e4\u00dft, wird kaum zur Euklidischen Geometrie gelangen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Aber wer trotz der &#8222;falschen&#8220; Worte die geometrischen Folgerungen aus den Axiomen \u2013 in der &#8222;Schornsteinfeger&#8220;-, &#8222;Liebes&#8220;- bzw. &#8222;Bierseidel&#8220;-Sprache \u2013 herleitet, hat gedacht und konnte dies nur tun, weil er <em>die Begriffe verstand<\/em>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die uns interessierenden Pr\u00e4dikate besitzen also innerhalb unserer subjektiven Welten sehr wohl weiterhin einen Sinn, d\u00fcrfen aber nicht auf letztere selbst \u00fcbertragen werden; die traditionelle Suche nach dem richtigen bzw. wahren Weltbild er\u00fcbrigt sich postmodern. AD: &#8222;Richtig oder falsch sind lediglich Pr\u00e4dikate von Wissungen, und die existieren f\u00fcr mich nur innerhalb meiner Welt. 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