{"id":4557,"date":"2026-09-29T13:27:08","date_gmt":"2026-09-29T11:27:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/?page_id=4557"},"modified":"2026-09-30T10:29:56","modified_gmt":"2026-09-30T08:29:56","slug":"1-3-begriffshorizont","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/buch\/1-einleitung-kurz\/1-3-begriffshorizont\/","title":{"rendered":"1.3.  Der Begriffshorizont als Struktur"},"content":{"rendered":"<p>Postmoderne Wissungen<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; sind ver\u00e4nderlich oder unver\u00e4nderlich,<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; geh\u00f6ren der Diachronie an und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; bilden in ihrer Gesamtheit oder Summe die subjektive Welt, die sich aus dem Weltbild sowie den Wahrnehmungen zusammensetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen analogen Satz k\u00f6nnen wir auch f\u00fcr die Begriffe formulieren:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Postmoderne Begriffe<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; sind konstant,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; geh\u00f6ren der Synchronie an und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; bilden in ihrer Einheit den Begriffshorizont.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wissungen stellen nat\u00fcrlich keine Seienden dar, weil sie an Wissende gebunden und damit nicht urspr\u00fcnglich sind. Aber wie die Seienden sind auch die Wissungen getrennt voneinander. Sie k\u00f6nnen zwar logisch zusammenh\u00e4ngen, so da\u00df beispielsweise aus der Wissung A die Wissung B folgt, aber auch das gilt nur f\u00fcr die Wissenden und nicht an sich. Es handelt sich also nur um eine ideale und keine reale Relation.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das ist bei den Begriffen total anders; sie bilden in ihrer Gesamtheit <em>keine Summe, sondern eine spezielle Einheit,<\/em> die zumeist <em>&#8222;Struktur&#8220;<\/em> genannt wird. Unsr n\u00e4chstes Ziel besteht darin, zu verstehen, was das bedeutet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>(1) Seiende sind getrennt voneinander.\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0(2) Physikalische Objekte<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; wechselwirken zwar,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; besitzen aber auch ein eigenes Sein und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">bestehen damit \u2013 anschaulich gesprochen \u2013 in der &#8222;Summe&#8220;: Seiendes plus reale Relation.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Nun lassen wir in Gedanken<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>den Eigenanteil oder die Seinskomponente immer geringer und<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>&#8211; daf\u00fcr die realen Relationen bzw. Wechselwirkungen immer st\u00e4rker werden. <\/em><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">(3) Im asymptotischen Grenzfall, wenn nur diese noch bestehen und nichts mehr an Seiende erinnert, sprechen wir bei ihnen von den <em>Momenten einer Struktur<\/em>.\u00a0 \u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">&#8222;In Gedanken&#8220; habe ich geschrieben, weil unsere Vorstellungskraft bei diesem Procedere wohl stets versagt. Um Ihnen das Ganze trotzdem ein wenig zu veranschaulichen, betrachten wir das Spiel &#8222;Schnick, Schnack, Schnuck&#8220; als ein sehr einfaches Beispiel.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>Das Spiel selbst ist eine Struktur<\/em>,<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>seine Momente sind Schere, Papier sowie Stein<\/em>, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; <em>die Spielregeln entsprechen den realen Relationen<\/em>:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 Schere schl\u00e4gt Papier, Papier schl\u00e4gt Stein, Stein schl\u00e4gt Schere.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Momente gibt es nur in dem asymptotischen Grenzfall, der nur noch Relationen kennt.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das bedeutet in unserem Beispiel, da\u00df es weder eine Schere noch Papier oder den Stein gibt, denn das w\u00e4ren Rest-Seiende oder seiende Reste.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\"><em>Vielmehr ist die Schere nichts anderes als<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; das Gewinnen gegen das Papier,<\/p>\n<p class=\"Indent\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; das Verlieren gegen den Stein und<\/p>\n<p class=\"Indent\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; das Unentschieden gegen die Schere.<\/p>\n<p data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">Entsprechendes k\u00f6nnten wir selbstverst\u00e4ndlich f\u00fcr Papier und Stein sagen, so da\u00df <em>die Momente von den Relationen zwischen ihnen vollst\u00e4ndig bestimmen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\"><em>Dadurch werden jene nicht identisch miteinander<\/em>; die Schere <em>ist<\/em> nicht das Papier, sondern <em>schl\u00e4gt<\/em> es.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">Die deutlich gesp\u00fcrte, aber schwer fa\u00dfbare Eigenschaft der Momente, die uns hier noch fehlt, nannte Heinrich Rombach <em>&#8222;Idemit\u00e4t&#8220;<\/em>, und wir k\u00f6nnen sie vielleicht so umschreiben:\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">Die Momente einer Struktur sind <em>idemisch<\/em>,\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; weil sie in letzterer ihren gemeinsamen Ursprung haben und<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; sich allein durch ihn gegenseitig bestimmen, aber<\/p>\n<p class=\"Indent\">&#8211; dadurch nicht identisch werden.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">AD: &#8222;Sie haben jetzt die Momente und ihre Relationen erkl\u00e4rt, aber nichts weiter zum Spiel selbst gesagt?&#8220;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">Das Spiel gibt es nicht, denn <em>jede Struktur ist nur in ihren Momenten<\/em>.<\/p>\n<p data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\"><em>Die Schere ist das Spiel auf die Weise der Schere <\/em>\u2013 oder idemisch mit ihm \u2013<em>, und<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\">die ist Schere nichts anderes<\/p>\n<p class=\"Indent\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; als das Gewinnen gegen das Papier,<\/p>\n<p class=\"Indent\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; das Verlieren gegen den Stein und<\/p>\n<p class=\"Indent\" data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">&#8211; das Unentschieden gegen die Schere.<\/p>\n<p data-start=\"6282\" data-end=\"6505\">\u00a0<\/p>\n<p data-start=\"6282\" data-end=\"6505\"><em>Das Papier ist das Spiel auf die Weise des Papiers <\/em>\u2013 oder idemisch mit ihm \u2013<em>, und<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\">. . . . . .<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Schnick, Schnack, Schnuck ist eine spezielle Struktur.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Strukturen sind (ontologische oder) philosophische Einheiten, die<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; keinerlei Seiende enthalten und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; nur in Relationen bestehen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Bei einer Struktur sind<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; s\u00e4mtliche Momente sowohl untereinander als auch mit der Struktur idemisch, und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; diese existiert nur in ihren Momenten.\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine andere Struktur besteht im Begriffshorizont als der Einheit unserer gegenw\u00e4rtig verf\u00fcgbaren Begriffe.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Begriffshorizont besteht also keineswegs aus Begriffen (und auch aus nichts anderem), sondern diese bilden die <em>Momente der Struktur Begriffshorizont<\/em>. Die Struktur selbst existiert gar nicht, sondern ist nur in ihren Momenten bzw. Begriffen.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Wir stehen also beispielsweise nicht vor der Frage, wo sich der Begriffshorizont befindet. Es gibt ihn nur durch unser Denken, Sprechen oder Verstehen in Form der Begriffe.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Wenn wir beispielsweise (den Begriff) Tisch denken, tritt nicht irgendwo zus\u00e4tzlich der vollst\u00e4ndige Begriffshorizont auf. Aber im Tisch-Begriff ist er \u2013 wie in jedem anderen Begriff auch \u2013 auf dessen jeweilige Art pr\u00e4sent.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Der (Begriff) Tisch ist die Einheit meines Begriffshorizonts in seiner Tisch-Version.\u00a0<\/em><\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\" data-start=\"1159\" data-end=\"1374\">Der Begriff Tisch ist also nicht ein kleines St\u00fcck Begriffshorizont, w\u00e4hrend Stuhl als Begriff ein anderes St\u00fcck w\u00e4re. Vielmehr ist in <em>jedem Begriff der gesamte Begriffshorizont<\/em> gegenw\u00e4rtig, allerdings <em>mit einem anderen Zentrum, Gewicht und Gef\u00fcge<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Diese Formulierung f\u00fchrt uns leicht zu einer Analogie:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Ein Geb\u00e4ude kann man in Drauf-, Vorder- oder Hinteransicht und noch in vielen anderen Darstellungen zeichnen. Es entspricht bei unserer Veranschaulichung dem <em>Begriffshorizont<\/em>, und die verschiedenen Perspektiven korrelieren den <em>Begriffen<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Das Strukturdenken bedeutet bei dieser Veranschaulichung:<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\"><em>Das Geb\u00e4ude ist weg, aber s\u00e4mtlichee Ansichten verbleiben unangetastet<\/em>; als st\u00e4nde das Geb\u00e4ude noch. Das tut es nicht, sondern<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; es existiert allein in seinen Ansichten; bei jeder von ihnen auf eine andere Weise.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">&#8211; Eine Struktur ist nur in ihren Momenten;<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; immer die <em>gesamte<\/em> Struktur und<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">\u00a0 &#8212; in jedem Moment anders.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der Begriff Tisch ist eine spezielle Artikulation des gesamten Begriffshorizonts; seine Bestimmtheit ergibt sich aus der Stellung des Begriffs Tisch in der Einheit des Begriffshorizonts.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Der Begriff Stuhl bildet <em>eine andere idemische Artikulation des gleichen Begriffshorizonts<\/em>.<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Dennoch stimmt der Begriff Tisch ebensowenig mit dem Begiff Stuhl \u00fcberein wie die Vorderansicht eines Hauses mit seiner Hinteransicht.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Aus all dem ergibt sich meines Erachtens recht zwingend, da\u00df wir <em>nicht nur die Begriffe, sondern auch s\u00e4mtliche Kombinationen von ihnen<\/em> \u2013 Schlu\u00dffolgerungen, Theorien, Modelle oder Paradigmen \u2013 <em>als Momente verstehen m\u00fcssen<\/em>, in denen die Struktur unseres Begriffshorizonts Gestalt gewinnt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"Indent\" style=\"text-align: justify;\">Die traditionelle Annahme, nur Begriffe w\u00fcrden zum Begriffshorizont geh\u00f6ren, w\u00e4hrend die Theorien die Welt von au\u00dfen beschreiben, erweist sich postmodern als unhaltbar. Eine Theorie ist\u00a0 nichts anderes als der logische Zusammenhang vieler Begriffe.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Postmoderne Wissungen &#8211; sind ver\u00e4nderlich oder unver\u00e4nderlich, &#8211; geh\u00f6ren der Diachronie an und &#8211; bilden in ihrer Gesamtheit oder Summe die subjektive Welt, die sich aus dem Weltbild sowie den Wahrnehmungen zusammensetzt. &nbsp; Einen analogen Satz k\u00f6nnen wir auch f\u00fcr die Begriffe formulieren: Postmoderne Begriffe &#8211; sind konstant, &#8211; geh\u00f6ren der Synchronie an und &#8211; [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"parent":3988,"menu_order":3,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":"","_links_to":"","_links_to_target":""},"class_list":["post-4557","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4557","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=4557"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/4557\/revisions"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/3988"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.soukup.de\/selbst-denken\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=4557"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}