3.4. Schwierigkeiten mit den Seienden

Dieses Kapitels brauchte es eigentlich gar nicht, denn wir können keine Schwierigkeiten mit etwas haben, was unseres Erachtens gar nicht existiert.

Die meisten Menschen sehen das jedoch ganz anders, und wissen komischerweise nicht nur, daß es Seiende gibt, sondern auch noch recht genau, worin diese angeblich bestehen (müssen); allein daraus resultieren unsere uneigentlichen Schwierigkeiten mit den Seienden.

 

Ich biete Ihnen darin noch ein paar Argumente an, die Sie in der Einsicht bestärken sollen, daß unser Übergang von der Tradition zur Postmoderne

– recht zwingend und

– vielleicht für unsere Zukuftsfähigkeit,

– mit Sicherheit aber für ein aufgeklärtes Denken

notwendig ist.

 

Aus Ihrer Perspektive entspricht dieses Kapitel „Wittgensteins Leiter“ in seinem „Tractatus“:

„Natürlich muß es Seiende geben; sonst wäre ja gar nichts. Wie ist es nur denkbar, daß JS deren Existenz ernsthaft bestreitet?“

Sie benutzen eine Leiter – dieses Kapitel 3.4. –, um die Seienden auf deren Ebene und damit aus nächster Nähe betrachten zu können. Dadurch erkennen Sie (hoffentlich), daß es tatsächlich keine Seienden gibt. Ohne die Leiter wäre das nicht deutlich geworden; aber nun dürfen wir sie wegwerfen;

– nicht weil Sie den Höhenunterschied überwunden haben und nun oben sind, sondern

– weil es gar keinen gibt, so daß Sie ebenerdig weitergehen können.  

 

Die Leiter wird überflüssig, wenn Sie verinnerlicht haben, daß Materie Wissen ist; denn wäre es anders, könnten wir sie nicht wissen.

Sie bildet ein Modell des physikalischen Kosmos oder den Stoff, aus dem dieser besteht.

Wir könnten sogar sagen, es sei Wissen vom Kosmos, daß er aus Materie bestehe; müssen dabei jedoch beachten,

– daß der Kosmos keinen Referenten darstellt, weil

– auch er „nur“ eine Wissung – und kein Seiendes – ist.