1.9. Zusammenfassung

In einem Lehrbuch werden die wichtigsten Punkte des Inhalts zusammenfassend wiederholt, damit die Studenten sich das neue Wissen möglichst fest einprägen.

Bei uns geht es jedoch nicht um das Lernen von Sachverhalten, sondern um das Korrigieren von Denkformen. Dann hat eine Zusammenfassung meines Erachtens eine völlig andere Aufgabe; nämlich die, ausgehend von dem neu erreichten Reflexionsniveau den bereits zurückgelegten – aber erst jetzt sichtbar gewordenen – Weg verständlich zu machen:

Wo befinden wir uns, und weshalb sind wir überhaupt hierher gegangen?

Was erweist sich aus dieser neuen Perspektive als falsch an dem alten Weg?

Welche überraschenden Möglichkeiten eröffnet der neue?

 

AD: „Ja; das würde mich auch interessieren . . .

Ich habe ernsthaft versucht, Ihnen zu folgen; das war jedoch ein ziemliches Auf und Ab; gegenwärtig erscheint mir Ihre Idee, die objektive Wirklichkeit canceln zu wollen, wieder einmal als absurd:

Wir würden nach der Arbeit die Wohnung nicht finden, könnten keine Freunde wiedererkennen oder wären unfähig, ein bestimmtes Buch im Regal zu suchen.

All das funktioniert doch nur, weil

– die objektive Wirklichkeit der Seienden nicht nur existiert, sondern

– auch hinreichend stabil ist, so daß

– wir sie in der Psyche repräsentieren können,

– um uns an diesen Vorstellungen zu orientieren.

‚Die Wohnung befindet sich dort hinten, das ist Moritz, und mein Buch hatte ich gestern hier abgelegt, so daß es noch da sein müßte.'“